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20.01.2015

10:20 Uhr

SAP schraubt Gewinnziel zurück

Die Cloud kostet erstmal Geld

SAP streicht sein mittelfristig Ziel für die operative Rendite. Der Softwarekonzern will sein Cloud-Geschäft stärken, das geht auf die Profitabilität. Der Gewinn wächst weniger stark, doch das soll bald anders sein.

SAP ist der Weltmarktführer für Firmensoftware. dpa

SAP ist der Weltmarktführer für Firmensoftware.

WalldorfDer Softwarekonzern SAP macht wegen der Stärkung seines Cloud-Geschäfts erneut Abstriche beim erwarteten Gewinnwachstum. Das Betriebsergebnis werde 2017 zwischen 6,3 und 7,0 Milliarden Euro liegen bei einem Gesamtumsatz von maximal 22 Milliarden Euro, teilte der Konzern am Dienstag in Walldorf mit.

Ein Margenziel nannte SAP nicht mehr, doch entspräche dies einem operativen Gewinn von höchstens 31,8 Prozent vom Umsatz. Bisher war das Ziel für 2017 eine operative Rendite von 35 Prozent bei einem Umsatz von mehr als 22 Milliarden Euro. SAP hatte vor einem Jahr bereits sein Gewinnziel wegen der Expansion des Cloud-Geschäfts zurückgeschraubt.

Die Anleger reagierten am Dienstag enttäuscht: Die SAP-Aktien rutschten in der Spitze um knapp fünf Prozent auf 54,69 Euro ab. Das ist der größte Kursrutsch seit der Prognosesenkung von Ende Oktober. Die Titel waren der mit Abstand schwächste Wert im Dax. „SAP hat aggressivere Wachstumsziele für die Cloud-Sparte kommuniziert als von uns gedacht“, schrieb LBBW-Analyst Mirko Maier in einem Kommentar. „Das Ziel für die Cloud-Sparte 2020 ist unseres Erachtens ambitioniert und erklärt das damit einhergehende, eher verhaltene Margenziel.“

Die Prognosesenkung liege an der Änderung des Geschäftsmodells, erklärte Vorstandschef Bill McDermott. Der Weltmarktführer für Firmensoftware stellt sein Produktangebot seit Jahren vom Software-Verkauf auf Mietsoftware aus dem Internet um, die SAP seit Jahren mit Firmenzukäufen vorantreibt. Viele Kunden steigen auf Cloud-Software um. Das ist anfangs nicht so profitabel wie der Lizenzverkauf, da sich die Einnahmen auf mehrere Jahre verteilen. Der Lizenzabsatz geht gleichzeitig zurück. Ab 2018 werde der Cloud-Umsatz über den Software-Erlösen liegen, prognostizierte SAP.

Große SAP-Übernahmen

2007 - Business Objects

2007 übernehmen die Deutschen den französischen Softwarehersteller Business Objects für 4,8 Milliarden Euro. SAP kauft sich damit Analyse-Software, die Daten aus einzelnen Geschäftsbereichen von Unternehmen auswertet - und ist inzwischen Marktführer.

2010 - Sybase

Den Datenbankspezialisten Sybase übernimmt SAP im Jahr 2010 für 5,8 Milliarden Dollar und erwirbt damit Expertise für den Mobilfunkmarkt. Mit Hilfe der Sybase-Plattform lassen sich die SAP-Programme leichter auf Smartphones und Tablets spielen. Die Software von Sybase stellt außerdem den Grundstock für das wachsende Datenbankgeschäft von SAP.

2012 - Ariba

Mit der Handelsplattform Ariba, die SAP ebenfalls 2012 für 4,3 Milliarden Dollar übernahm, sicherte sich der Softwarekonzern weitere Fähigkeiten. Ariba ist nicht nur eine Art Ebay für Unternehmen. Die Firma verkauft auch Software - zum Beispiel Programme, mit deren Hilfe Firmen ihren Lieferanten digitale Rechnungen stellen können.

2012 - Successfactors

2012 geht SAP die Übernahme von Successfactors für 3,4 Milliarden Dollar an. Software, die nicht mehr auf Firmenservern lagert, sondern nach Bedarf „on Demand“ über das Internet abgerufen wird, ist bereits heute ein Milliardenmarkt

2014 - Concur

Im September 2014 kauft SAP das Unternehmen Concur, um sein wachsendes Cloud-Geschäft weiter auszubauen. Concur ist ein US-Anbieter von Firmensoftware für Reisemanagement und Reisekostenabwicklung. Der Preis von umgerechnet rund 6,5 Milliarden Euro bedeutet: Es ist die teuerste Übernahme in der Geschichte SAPs.

Auch für dieses Jahr rechnet McDermott nicht mit großen Sprüngen beim Gewinn. Nach bereinigt 5,64 Milliarden Euro 2014 erwartet der Weltmarktführer für Firmensoftware eine Spanne von 5,6 bis 5,9 Milliarden Euro. Der Cloud-Umsatz soll sich gegenüber dem vergangenen Jahr nahezu verdoppeln und rund zwei Milliarden Euro erreichen.

Viele Analysten hatten damit gerechnet, dass der Vorstand das Renditeziel von 35 Prozent auf 2020 verschieben würde. Doch bis dahin wird der operative Gewinn im Verhältnis zum Umsatz kaum vom Fleck kommen: Bei einem Gesamtumsatz von 26 bis 28 Milliarden Euro stellt SAP ein Betriebsergebnis von acht bis neun Milliarden Euro in Aussicht. Jedoch sei SAP das am schnellsten wachsende Cloud-Unternehmen, betonte McDermott. Der Umsatz mit dem neuen Geschäftsmodell werde von zuletzt einer auf acht Milliarden Euro wachsen. Kurzfristig sei es wichtiger, den Marktanteil auszuweiten als den Gewinn zu steigern. Auf die Rendite zu starren sei eine Falle. Bis 2020 werde SAP den größten Cloud-Konkurrenten, das US-Unternehmen Salesforce, überholt haben.

Die Zahlen zum vergangenen Geschäftsjahr hatte SAP schon am 12. Januar veröffentlicht: Der Weltmarktführer für Firmensoftware steigerte 2014 das um Sonderfaktoren bereinigte Betriebsergebnis um drei Prozent auf 5,64 Milliarden Euro und erreichte damit sein Ziel. Das entsprach bei einem Umsatz von 17,6 Milliarden Euro einer Rendite von 32,1 Prozent. Abzüglich der Sonderfaktoren wie Abschreibungen auf erworbene Firmen sank der operative Gewinn um drei Prozent auf 4,33 Milliarden Euro. Die Cloud-Erlöse schnellten um 45 Prozent nach oben auf bereinigt 1,1 Milliarden Euro, während der Lizenzumsatz um drei Prozent auf 4,4 Milliarden Euro schrumpfte.

Von

rtr

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