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23.01.2013

11:47 Uhr

SAP trommelt für sich

„Das beste Jahr der Firmengeschichte“

Zweistelliges Wachstum – für viele Firmen ein Traum. Den Anlegern von SAP genügt das jedoch nicht. Co-Chef Bill McDermott will die Zweifel am Wachstumskurs zerstreuen und stichelt gegen die Konkurrenz.

SAP will sein Geschäft mit Cloud-Diensten kräftig ausbauen. dpa

SAP will sein Geschäft mit Cloud-Diensten kräftig ausbauen.

WalldorfBill McDermott präsentiert sich so selbstbewusst wie selten zuvor. Der Co-Chef von SAP hat eine klare Mission: jegliche Zweifel am Wachstumskurs zerstreuen, die in der vergangenen Woche nach der Publikation erster Zahlen aufgekommen waren. „2012 war das beste Jahr in der Geschichte der SAP. Und ich bin sehr stolz darauf“, doziert er am Mittwoch auf der Jahrespressekonferenz mit betont fester Stimme.

Der Amerikaner hat eine undankbare Aufgabe: Während andere Unternehmen nur von zweistelligen Wachstumsraten träumen können, sind die Anleger damit bei Europas größtem Software-Haus nicht zufrieden. Und so macht er Werbung in eigener Sache – und lässt sich dabei sogar zu einer Spitze gegen den Erzrivalen hinreißen. „Wir wachsen schneller als unser größter Wettbewerber. Und damit keine Zweifel aufkommen: Wenn ich vom größten Wettbewerber rede, dann meine ich Oracle.“ Üblicherweise hält sich die SAP-Spitze zurück mit solchen Aussagen, sie sind eher Sache des aggressiven Oracle-Chefs Larry Ellison.

Der jetzt bekannt gegebene Ausblick des Software-Konzerns zeigt das Dilemma: Die Zahlen sind gut, die Erwartungen aber auch sehr hoch.

2013 erwartet SAP zweistelliges Wachstum bei Umsatz und Gewinn. Die Erlöse im Kerngeschäft mit Software und softwarebezogenen Dienstleistungen (SSRS) sollen um 11 bis 13 Prozent auf mindestens 14,7 Milliarden Euro steigen. Bei dem um Sondereffekte bereinigten Betriebsergebnis rechnet der Konzern im laufenden Jahr mit einem Wert zwischen 5,85 Milliarden und 5,95 (2012: 5,21) Milliarden Euro. Beide Ziele liegen etwas unter den aktuellen Schätzungen von Analysten, die die Nachrichtenagentur Bloomberg befragt hat.

Die Stärken von SAP

Hoher Börsenwert

Hohe Schulden, wenig Innovationen, kritische Kunden: SAP stand 2009 gehörig unter Druck. Der niedrige Aktienkurs befeuerte Übernahmegerüchte. Heute brummt das Geschäft wieder, an der Börse ist der Software-Konzern deswegen deutlich mehr wert. Ein Garant für die Eigenständigkeit.

Lukratives Wartungsgeschäft

SAP ist ein Software-Konzern, macht aber inzwischen mehr Umsatz mit der Wartungsverträgen als mit Lizenzen. Das beschert dem Unternehmen langfristig planbare Einnahmen. Das gilt auch für Cloud-Dienste, die bislang noch relativ wenig zum Umsatz beitragen, aber stark wachsen und daher als Geschäft der Zukunft gelten.

Zukunftstechnologie Hana

Mit der superschnellen Datenbank-Technologie Hana hat SAP ein Ass im Ärmel: Weil sie Daten im schnellen Hauptspeicher vorhält und nicht erst von einem langsameren Datenträger holen muss, kann sie laut SAP hunderte Milliarden Datensätze in Echtzeit auswerten. Damit beschleunigt der Software-Hersteller seine betriebswirtschaftlichen Anwendungen – eine Kampfansage an den Rivalen Oracle. SAP will die Technologie aber auch außerhalb des Kerngeschäfts vermarkten, etwa für die medizinische Analytik oder der Steuerung von Stromnetzen. Der Umsatz damit ist noch gering, aber die Chancen sind immens.

Zusätzlich zum Kerngeschäft sollen insbesondere die Zukäufe der Cloud-Firmen SuccessFactors und Ariba das weitere Wachstum tragen. Für den Anbieter von Online-Handelsnetzwerken Ariba legte SAP etwa 3,3 Milliarden Euro auf den Tisch, SuccessFactors kostete etwa 2,6 Milliarden Euro. Das wirkte sich zwar auf den Gewinn aus. Aber: „Wir sind ein wichtiger Spieler im Cloud-Markt geworden“, betonte Co-Vorstandsprecher Jim Hagemann Snabe.
Das Cloud-Geschäft erzielte im vergangenen Jahr Erlöse in Höhe von 456 Millionen Euro. Ariba wurde allerdings erst im vierten Quartal in der Bilanz berücksichtigt. Rechnet man die Cloud-Erlöse aus dem vierten Quartal auf ein ganzes Jahr hoch, ergibt sich ein Umsatz von 850 Millionen Euro. Bis 2015 will SAP zwei Milliarden Euro in dem Bereich erlösen.

Weiterer Hoffnungsträger ist die Datenbanktechnologie Hana, deren Entwicklung der Unternehmensmitgründer Hasso Plattner vorangetrieben hat. Sie soll Prozesse um bis zu 1.000 Mal schneller machen. Die 2011 das erste Mal eingeführte Technik trug 2012 bereits 392 Millionen Euro zum Umsatz bei.

Die Eckdaten für das gesamte Geschäftsjahr hatte der Software-Konzern bereits vor einer Woche bekannt gegeben – und damit die Anleger enttäuscht. Der Umsatz wuchs zwar kräftig um 14 Prozent auf 16,2 Milliarden Euro. Doch das bereinigte Betriebsergebnis fiel den heute vorgelegten Daten zufolge auf IFRS-Basis um 17 Prozent auf vier Milliarden Euro.

Der heftige Konkurrenzkampf mit Oracle und die Ausgaben für neue Geschäfte schmälerten die Rendite. Zudem wuchs das Geschäft auf dem amerikanischen Kontinent nicht wie erwartet. Eine Schwäche in dieser Region, wie sie einige Analysten erkennen, sieht McDermott aber nicht. „Die Region hatte ein sehr starkes Wachstum“, sagt er. Man müsse berücksichtigen, dass das Wachstum im Vorjahr sehr stark gewesen sei. Zudem seien die Zahlen vor dem Hintergrund der Finanzprobleme des Staates und möglichen neue Belastungen für die Wirtschaft zu sehen.

Die Schwächen von SAP

Schwache Position auf US-Markt

Der US-Markt ist für SAP äußerst wichtig – allerdings hat das Unternehmen hier mit Oracle einen sehr agilen und aggressiven Konkurrenten. Mit dem US-Konzern beharkt sich SAP auch juristisch, in einem Streit um den Diebstahl von Geschäftsdaten fordert dieser saftigen Schadenersatz. Die Übernahme der beiden amerikanischen Cloud-Dienstleister Ariba und SuccessFactors für insgesamt 7,8 Milliarden Dollar soll das US-Geschäft von SAP stärken.

Abhängigkeit von Großkunden

Trotz aller Bemühungen um Mittelständler ist SAP stark von den Großkunden abhängig. Damit leidet das Unternehmen stärker unter Konjunkturschwankungen – im Abschwung schieben die Konzerne große Investitionen lieber auf. SAP will mit alternativen Geschäftsmodellen gegensteuern, etwa Miet-Software (Software as a Service), für die die Kunden monatliche Gebühren statt Lizenzen zahlen.

Wechselkursrisiken

Im abgelaufenen Geschäftsjahr haben Wechselkurseffekte den Gewinn niedriger ausfallen lassen. Die Euro-Stärke gegenüber asiatischen Währungen kostete den Weltmarktführer für Software zur Unternehmenssteuerung beispielsweise 400 Millionen Euro Gewinn.

Auch in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres hat SAP einen Dämpfer beim Betriebsergebnis hinnehmen müssen. Es sank auf Basis des Rechnungsstandards IFRS um fünf Prozent auf 1,59 Milliarden Euro. Der Umsatz legte hingegen um 12 Prozent auf fünf Milliarden Euro zu.

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