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21.01.2014

15:06 Uhr

SAP

Wolkig mit Aussicht auf spätere Gewinne

VonChristof Kerkmann

SAP steckt den Kopf in die Wolke: Der IT-Riese installiert seine Software immer seltener auf den Rechnern von Firmen – und vermietet sie immer öfter über die Cloud. Das Jahresergebnis zeigt: Die Umstellung wird teuer.

Alles in die Wolke? SAP setzt verstärkt aufs Cloud Computing – und nimmt dafür in Kauf, weniger zu verdienen. Getty Images

Alles in die Wolke? SAP setzt verstärkt aufs Cloud Computing – und nimmt dafür in Kauf, weniger zu verdienen.

DüsseldorfMorgens auf dem Smartphone noch mal die Präsentation durchblättern, am Feierabend auf dem Tablet-Computer am Sitzungsprotokoll feilen: Viele Arbeitnehmer tun auch außerhalb des Büros etwas für den Job – und legen die Dateien bei Online-Speicherdiensten wie Dropbox oder Google Drive ab. Dem will SAP etwas entgegensetzen: Der deutsche Primus für Geschäfts-Software bietet seit einem Jahr ein System an, mit dem Dokumente in der Cloud abgelegt werden können. Eine Art Festplatte im Internet – aber sicher und auf Servern im Inland.

Für SAP ist der Dienst Mobile Documents nur ein Produkt unter vielen. Und doch ist er bezeichnend dafür, wie sich der einzige deutsche IT-Konzern von Weltrang derzeit verändert: Das Unternehmen, das bislang vor allem am Verkauf von Software-Lizenzen verdient, bietet Firmenkunden immer mehr Cloud-Dienste an, für die monatliche Gebühren fällig werden. Vermieten statt verkaufen lautet die Devise. Ab 2020 werde das neue Modell mehr zum Umsatz beisteuern als das angestammte Geschäft mit Verkauf und Wartung von Software, sagte Konzernchef Bill McDermott am Dienstag.

Mit diesem neuen Geschäftsmodell reagiert SAP auf einen grundlegenden Wandel auf dem Software-Markt. Immer häufiger verzichten Firmen darauf, Programme auf ihren eigenen Computern oder Servern zu installieren – sie greifen auf Software, aber auch Speicher oder Rechenkapazitäten im Internet zu. Doch die aktuellen SAP-Jahreszahlen zeigen: Die Umstellung dauert und kostet, der Gewinn wächst langsamer als bislang versprochen.

Vor- und Nachteile des Cloud Computing

Kosten

Wenn ein Unternehmen seine Kundendatenbank nicht im eigenen Rechenzentrum pflegt, sondern einen Online-Dienst wie Salesforce.com nutzt, spart es sich Investitionen in die Infrastruktur. Die Abrechnung erfolgt außerdem zumeist gestaffelt, zum Beispiel nach Nutzerzahl oder Speicherverbrauch. Geschäftskunden erhoffen sich dadurch Kosteneinsparungen.

Skalierbarkeit

Wer Speicherplatz im Netz mietet, kann flexibel auf die Nachfrage reagieren und den Bedarf unkompliziert und schnell erhöhen oder versenken. Wenn beispielsweise ein Startup rasant wächst, fährt es einfach die Kapazitäten hoch. Somit fallen auch niedrige Fixkosten an.

Einfachheit

Die Installation auf den eigenen Rechnern entfällt. Damit lässt sich ein neues System äußerst schnell einführen. Auch die Updates bereiten keine Probleme mehr, somit sinkt der Administrationsaufwand. Allerdings lassen sich die Cloud-Dienste in der Regel auch nicht so individuell konfigurieren.

Ortsunabhängigkeit

Zur Nutzung der Cloud-Dienste benötigen Mitarbeiter lediglich einen Internetanschluss – unabhängig von ihrem Aufenthaltsort und dem Gerät, das sie nutzen.

Sicherheit

Die Daten-Dienstleister werben damit, dass sie sich intensiver mit der IT-Sicherheit beschäftigen als einzelne Nutzer oder Unternehmen. Allerdings sind die Rechenzentren der Cloud-Anbieter aufgrund der große Datenmenge auch ein attraktives Ziel für Angreifer von Hackern. Auch Geheimdienste zeigen großes Interesse. Zudem ist von außen schwer nachzuvollziehen, ob der Anbieter die Daten ausreichend vor den eigenen Mitarbeitern schützt. Die Auslagerung bedeutet somit einen Kontrollverlust.

Abhängigkeit

Viele Unternehmen sind von ihrem Dienstleister abhängig, weil sie nicht ohne weiteres zu einem anderen Anbieter wechseln können. Das liegt etwa daran, dass sie ihre Systeme aufwendig an die Schnittstellen anpassen müssen. Auch Nutzer haben oft Schwierigkeit, wenn sie mit ihren Daten den Anbieter wechseln wollen. Eine weitere Frage: Was ist, wenn der Betreiber eines Dienstes pleite geht? Erst wenn es Standards gibt, die den Wechsel von einem zum anderen Dienstleister ermöglichen, sinkt die Abhängigkeit.

Die Chancen sind in der Tat groß. Nach Einschätzung von IBM wird der Cloud-Markt bis 2020 auf 200 Milliarden Dollar Umsatz wachsen, Marktforscher gehen ebenfalls von einem explosiven Wachstum aus. „SAP ist getrieben von den Kundenbedürfnissen“, sagt Mirko Maier, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). „Insbesondere die Klientel in Nordamerika ist sehr offen gegenüber Cloud-Lösungen.“ Der Geist des Silicon Valley zeigt Wirkung.

Diverse Start-ups haben vorgemacht, wie es geht, Dropbox etwa, das mit seinem Online-Speicher zunehmend Firmenkunden gewinnen will; oder Salesforce, das mit seiner Vertriebslösung im Netz SAP und Oracle Konkurrenz macht. Auch Amazon mischt mit und vermarktet seine eigene massive IT-Infrastruktur. Und Risikokapitalgeber investieren kräftig. Darauf haben die Riesen reagiert: Auch Microsoft steckt beispielsweise den Kopf in die Datenwolke, SAP ist dank der milliardenschweren Übernahmen von Ariba und Success Factors im Geschäft.

Kommentare (3)

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CC_NSA

21.01.2014, 15:38 Uhr

Wer trotz der Datenspionageskandale noch auf Clouds setzt, dem ist nicht mehr zu helfen.

ichglaubsowiesoalles

21.01.2014, 15:43 Uhr

nur weil ein paar firmen aus kosten (lizens)gründen die wolke wählen, wird daraus ein gnadenloses "immer seltener" gemacht um den Michel ganz langsam auf die wolke einzustellen. perfekt sozusagen.

Computer vereinfachen unser leben nicht, sie übernehmen unser leben und beschäftigen uns damit wir keine zeit mehr haben um noch etas anderes zu merken.

Account gelöscht!

21.01.2014, 15:50 Uhr

Das hängt von der Umsetzung ab. Nicht alle Cloud-Server stehen beispielsweise in den USA. Unternehmen werden aber sicher genau prüfen, welche Daten sie auslagern - das steht ja auch im Text.

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