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21.04.2015

08:30 Uhr

SAP-Zahlen zum ersten Quartal

Schwacher Euro macht SAP stark

SAP setzt verstärkt auf das Geschäft mit der Cloud-Software. Diese Umstellung der Kunden kostet aber erst einmal – im ersten Quartal half aber der schwache Euro. An der Börse kommen die Zahlen gut an.

Logos des Softwarekonzerns in Walldorf (Baden-Württemberg) am Hauptgebäude dpa

Logos des Softwarekonzerns in Walldorf (Baden-Württemberg) am Hauptgebäude

WalldorfDer Softwarekonzern SAP hat seinen operativen Gewinn im ersten Quartal nur dank des schwächeren Euro steigern können. Das um Sondereffekte bereinigte Betriebsergebnis stieg von Januar bis März um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 1,06 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Währungsbereinigt entsprach dies aber einem Rückgang um zwei Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

Das lag auch an einem sprunghaften Anstieg der Kosten, da der Weltmarktführer für Firmensoftware massiv in den Ausbau seines Geschäfts mit Cloud-Produkten, also der Mietsoftware über das Internet, investierte.

„Wir sind ein Wachstumsunternehmen“, betonte SAP-Chef Bill McDermott. Die steigenden Kosten drückten zunächst den Gewinn, der mit der Zeit aber wieder anziehen werde. SAP hatte zu Jahresbeginn sein mittelfristiges Gewinnziel von 35 Prozent Umsatzrendite gekappt und kein Margenziel mehr genannt. Nach dem Wachstumsplan würde die Rendite aber bei den zuletzt erreichten 32 Prozent verharren. Im ersten Quartal sank sie bereinigt um zweieinhalb Prozentpunkte auf 23,5 Prozent.

Große SAP-Übernahmen

2007 - Business Objects

2007 übernehmen die Deutschen den französischen Softwarehersteller Business Objects für 4,8 Milliarden Euro. SAP kauft sich damit Analyse-Software, die Daten aus einzelnen Geschäftsbereichen von Unternehmen auswertet - und ist inzwischen Marktführer.

2010 - Sybase

Den Datenbankspezialisten Sybase übernimmt SAP im Jahr 2010 für 5,8 Milliarden Dollar und erwirbt damit Expertise für den Mobilfunkmarkt. Mit Hilfe der Sybase-Plattform lassen sich die SAP-Programme leichter auf Smartphones und Tablets spielen. Die Software von Sybase stellt außerdem den Grundstock für das wachsende Datenbankgeschäft von SAP.

2012 - Ariba

Mit der Handelsplattform Ariba, die SAP ebenfalls 2012 für 4,3 Milliarden Dollar übernahm, sicherte sich der Softwarekonzern weitere Fähigkeiten. Ariba ist nicht nur eine Art Ebay für Unternehmen. Die Firma verkauft auch Software - zum Beispiel Programme, mit deren Hilfe Firmen ihren Lieferanten digitale Rechnungen stellen können.

2012 - Successfactors

2012 geht SAP die Übernahme von Successfactors für 3,4 Milliarden Dollar an. Software, die nicht mehr auf Firmenservern lagert, sondern nach Bedarf „on Demand“ über das Internet abgerufen wird, ist bereits heute ein Milliardenmarkt

2014 - Concur

Im September 2014 kauft SAP das Unternehmen Concur, um sein wachsendes Cloud-Geschäft weiter auszubauen. Concur ist ein US-Anbieter von Firmensoftware für Reisemanagement und Reisekostenabwicklung. Der Preis von umgerechnet rund 6,5 Milliarden Euro bedeutet: Es ist die teuerste Übernahme in der Geschichte SAPs.

Der Gewinn fiel damit so aus wie von Analysten erwartet. SAP hatte bereits auf den starken Rückenwind durch die Wechselkurse hingewiesen. Der Umsatz erhöhte sich bei Europas größtem Softwarekonzern stärker als erwartet um gut ein Fünftel auf 4,5 Milliarden Euro, ohne Wechselkurseffekte war das ein Plus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die von Reuters befragten Analysten hatten im Schnitt mit einem Umsatz von 4,2 Milliarden Euro gerechnet. An der Börse kamen die Zahlen zunächst gut an - die Aktie lag vorbörslich 1,1 Prozent im Plus.

Der Umsatz mit Cloud-Software war mit 509 Millionen Euro im ersten Quartal mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahresquartal. Das lag unter anderem an der milliardenschweren Übernahme des US-Unternehmens Concur Ende vergangenen Jahres, das mittlerweile vollständig eingerechnet wird. Das noch immer viel größere Geschäft mit traditionellen Software-Lizenzen wuchs dagegen nur um fünf Prozent.

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Die Neuausrichtung hin zur Cloud-Software drückt die Marge, da SAP hier viel investiert. Die Gewinne verteilen sich wegen des Abonnementmodells über einen längeren Zeitraum, während im ersten Quartal eines Jahres immer die höchsten Kosten anfallen. Zudem wird SAP in diesem Jahr erneut rund 2200 der insgesamt 74.500 Mitarbeiter auf andere Stellen setzen oder sie gegen Abfindung nach Hause schicken. Dafür kalkuliert Finanzchef Luka Mucic mit Restrukturierungskosten von 150 bis 250 Millionen Euro, wobei 50 Millionen Euro im ersten Quartal anfielen.

Der unbereinigte operative Gewinn fiel noch stärker um zwölf Prozent, nach Steuern verdiente SAP mit 413 Millionen Euro sogar 23 Prozent weniger als vor Jahresfrist. SAP bekräftigte seine Jahresprognose: Das Betriebsergebnis soll währungsbereinigt um bis zu fünf Prozent steigen auf 5,6 bis 5,9 Milliarden Euro nach 5,6 Milliarden Euro 2014. Durch die Euro-Schwäche sollen noch zehn bis 13 Prozentpunkte Wachstum draufgepackt werden.

Von

rtr

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