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31.10.2013

06:47 Uhr

Satte Gewinne

Teenies kehren Facebook den Rücken

VonAxel Postinett

Umsatz, Gewinn, Werbeeinahmen – alles lag beim sozialen Netzwerk Facebook im dritten Quartal über den Erwartungen. Die Aktie explodierte nachbörslich förmlich. Doch dann sagte Finanzchef Ebersman folgenschwere Sätze.

Analyst über die Aktie

„Facebook ist eine risikoreiche Investition"

Analyst über die Aktie: „Facebook ist eine risikoreiche Investition"

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San FranciscoSo hat es bei dem Musiknetzwerk Myspace auch angefangen, und frühere Stars im Bereich soziale Medien wie Friendster oder Schüler-VZ können ein Lied davon singen. Wenn die Jugendlichen wegbleiben, kann ein soziales Netzwerk schnell ins Schlingern kommen. Noch ist es bei Facebook nicht so weit, aber erste Anzeichen sind da, wie das Management im Analystengespräch nach der Vorlage hervorragender Quartalszahlen am Mittwoch einräumte. Eine nachbörsliche Kursexplosion um fast 15 Prozent auf mehr als 55 Dollar in der Spitze sackte innerhalb von Minuten komplett in sich zusammen. Erst einmal abwarten, heißt jetzt die Devise.

Gerüchte hatte es immer wieder gegeben, aber noch vergangenes Quartal hatte Mark Zuckerberg alle Bedenken höchstpersönlich zerstreut. Es gebe keine Anzeichen für einen Facebook-Müdigkeit unter US-Jugendlichen, hatte er beteuert.

Das hörte sich am Mittwoch etwas anders an. Finanzchef David Ebersman versuchte die Nachricht so beiläufig wie möglich unterzubringen. Es sei insgesamt schwierig, die Aktivität von Teenagern zu messen, merkte er im Analystengespräch an. Viele gäben falsche Altersangaben an. Aber man habe trotzdem versucht, Messmethoden zu entwickeln. Und siehe da: sie zeigten einen leichten Rückgang der täglichen Aktivitäten unter jüngeren US-Jugendlichen auf Facebook. Trotzdem, versuchte Ebersman zu beruhigen, sei die Nutzung durch Teenager insgesamt „praktisch unverändert“ gegenüber dem zweiten Quartal und die Durchdringung des Jugendmarktes „so gut wie vollständig.“ Außerdem sei die statistische Signifikanz der Entdeckung „zweifelhaft“. Aber warum wurde sie dann erwähnt? Das war der Moment, wo die Stimmung drehte und Wall Street den Panikknopf drückte.

So funktioniert die Facebook-Werbeplattform

Spur im Netz

Ein Facebook-Nutzer informiert sich auf einer Website über ein Produkt. Ein Werbenetzwerk, das mit Facebook kooperiert, installiert einen „Cookie“, eine winzige Datei, die den Besuch dokumentiert. Etwa so: Nutzer interessiert sich für ein bestimmtes Mobiltelefon.

Auktion

Beim nächsten Facebook-Besuch informiert das Unternehmen das Werbenetzwerk. Der Nutzer bleibt dabei anonym. Der Werbedienstleister leitet binnen Sekunden eine Auktion ein. Hersteller bieten dafür, eine Anzeige zu präsentieren. Das beste Gebot bekommt den Zuschlag.

Denn da kam noch etwas hinzu: Das beineindruckende Umsatzwachstum bei der Werbung, speziell mobiler Werbung, sei zu einem guten Teil der Ausweitung der Werbung pro Nutzer geschuldet. Mit anderen Worten, jeder Nutzer bekam im laufenden Jahr einfach immer mehr Werbung zu sehen. Im „Newsfeed“, dem Nachrichtenstrom, ist jetzt jede fünfte Nachricht nicht von Freunden, sondern bezahlt. Das, so Ebersman, werde in 2014 so nicht fortzusetzen sein. „Das ist wichtig“, legte er noch nach, „das sollten Sie bei ihren Planungen berücksichtigen.“ Mit anderen Worten: Wir müssen (und werden) andere Wachstumsquellen finden.

Rückblickend strotzt Facebook vor Kraft. Umsatz, Gewinn, Nutzerzahlen, alles im September lag über den Erwartungen. Der Quartalsumsatz sprang erstmals in der Firmengeschichte über zwei Milliarden Dollar, ein Plus von 60 Prozent zum Vorjahr und mehr als Analysten mit 1,9 Milliarden Dollar erwartet hatten.

Doch der ausschlaggebende Punkt für das anfängliche Kursfeuerwerk war unzweifelhaft der Anteil an mobiler Werbung am Anzeigenumsatz. Er steht jetzt bei 49 Prozent von insgesamt 1,8 Milliarden Dollar, nach gerade mal 14 Prozent im Vorjahr. Das ist wichtig, weil gleichzeitig die Zahl der mobilen Nutzer von 819 auf 874 Millionen anstieg. Der Großteil der rund 1,2 Mitglieder wählt also jetzt zumindest manchmal Smartphone oder Tablet für den Besuch seines Facebook-Auftritts und Zuckerberg kann davon profitieren.

Kommentare (1)

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daten.waesche@gmail.com

31.10.2013, 11:22 Uhr

JEDES SANDKORN ZÄHLT
Was wir in den Sand gesetzt haben müssen unsere Kinder ausbaden. Aber entscheidend ist daß sich das Bewußtsein ändert, wir stehen noch ganz am Anfang, wir haben keinen Einblick hinter das Geschehen, wir klicken "likes", posten wild drauf los und sehr langsam entstehen winzige Einsichten, die am Ende dazu führen werden, dass Werte verlagert werden. Wir verschleudern das Wertvollste und nicht nur was Geld angeht. Wir werden offen wie ein Buch, in jeder Hinsicht, und jeder kann sich dabei bedienen. Wir spüren nicht, was wirklich mit uns passiert, "jedes Sandkorn zählt" sagte er als er am Strand stand und dieser Widersinn ist genau der Punkt. Uns wurde nicht mehr SINN mitgegeben, weder ein Pfarrer noch die Eltern haben den Sinn gelernt, sie sind verdummt und warum? Jedes Sandkorn zählt, jede Matadata zählt... Wir sind die Metadaten, wir lassen uns uns stehlen, das was wir sind lassen wir uns, uns stehlen.
Als Kolumbus nach Amerika kam standen die Eingeborenen am Strand wie wir heute im Neuland und die Indianer hatten keine Worte für Schiff, für die Fremden, sie sahen Fische die auf dem Wasser trieben, sie sahen Affen die auf schwimmenden Hölzern mit Wolken wedelten. So geht es uns heute, wir verschenken unsere Metadaten für billigen Schund, so wie die Indianer die Gold für Schnaps und Gewehre gaben.
Wir werden erwachen und es wird weh tun, daß wir so leichtfertig uns preisgegeben haben. Aber es gibt eine Gesetz, daß den Täter die Tat einholt, so werden wir den Räubern ihre Geheimnisse nehmen trotz ihrer Datenfestungen, denn gemeinsam sind wir stark. Die richtige Nachricht im richtigen Moment kann die Welt zu Halten bringen und sie werden alle auf die Nase fallen, die sie in unsere Daten gesteckt haben.

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