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27.11.2013

20:57 Uhr

Schlagzeile des Jahres

„Bild“ lehnt Medienpreis ab und will ihn trotzdem haben

Mit der Schlagzeile „Yes, we scan!“ zur Ausspähaffäre hat die „Bild“-Zeitung die „Schlagzeile des Jahres“ geliefert. „Bild“-Chef Diekmann will die Auszeichnung für diese Headline aber nicht annehmen.

Bild-Chefredakteur Kai Diekmann (links) im Gespräch mit Xing-Gründer Lars Hinrichs. dpa

Bild-Chefredakteur Kai Diekmann (links) im Gespräch mit Xing-Gründer Lars Hinrichs.

Dortmund/BerlinDie „Bild“-Zeitungs-Überschrift „Yes, we scan!“ ist nach Ansicht des Vereins Deutsche Sprache (VDS) die Schlagzeile des Jahres 2013. Der Dortmunder Verein setzte die Überschrift zu einem Bericht über die Ausspähaffäre des US-Geheimdienstes NSA auf Platz 1 unter 30 Konkurrenten. Nach der Erstveröffentlichung in der „Bild“ vom 10. Juni habe sich die Zeile auch in vielen anderen Medien und auf Protestplakaten gegen die US-Ausspähpraxis gefunden, teilte der Verein am Mittwoch in Dortmund mit.
„Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann schrieb am Abend via Twitter, dass er den Preis ablehne: „"Yes, we scan" stand zwar am größten in BILD - sie stammt aber aus dem Netz.“ Er verwies darauf, dass er das auch schon am 10. Juni, dem Tag der Veröffentlichung der Schlagzeile, auf Facebook mitgeteilt habe. Gewonnen habe die „Bild“ die Auszeichnung „Schlagzeile des Jahres“ aber trotzdem, schrieb Diekmann weiter. Denn auch Platz 2 stamme von der „Bild“: „Wir gegen uns!“. „Wir gegen uns“ stand über einer Vorschau auf das deutsch-deutsche Champions-League-Finale zwischen Borussia Dortmund und Bayern München.

Das Digitalgeschäft von Springer

Alles aufs Internet

Die Wurzeln der Axel Springer AG liegen im Zeitungsgeschäft, doch Konzernchef Mathias Döpfner setzt voll auf das Internet. Er verkaufte die traditionsreichen Regionalzeitungen „Berliner Morgenpost“ und „Hamburger Abendblatt“ wie auch die TV-Zeitschrift „Hörzu“ an die Funke-Gruppe. Die Einnahmen will Döpfner ins Digitalgeschäft investieren. Schon jetzt ist der Konzern hier sehr aktiv – nicht nur mit seinen Medienmarken.

Digitaler Journalismus

„Bild“ und „Welt“ sind im deutschsprachigen Internet wichtige Adressen. Die Axel Springer AG bietet einen Teil der Inhalte kostenlos an, hofft aber, den Umsatz mit Bezahlschranken zu steigern. Bei der „Welt“ können Nutzer nur 20 Artikel im Monat kostenlos lesen – ab dem 21. Text müssen sie ein Abo abschließen. Die Online-„Bild“ setzt auf das Freemium-Modell: Ein großer Teil der Inhalte ist kostenlos, für bestimmte Geschichten müssen die Leser zahlen.

Rubrikenanzeigen

Rubrikenanzeigen wandern mehr und mehr ins Internet ab. Die Axel Springer AG will mit Portalen für Immobilien, Jobs und Autoverkäufe von diesem Trend profitieren. Zu den Tochterfirmen gehören beispielsweise Immonet, das Stellenportal Stepstone und das Städteportal meinestadt.de.

Digitale Werbeprospekte

Der Zeitung liegen oft gedruckte Werbeprospekte bei – mit der Tochterfirma Kaufda übertragt Springer das Konzept ins digitale Zeitalter. Nutzer können die Broschüren der Einzelhändler aus ihrer Stadt gebündelt aufrufen und durchsuchen.

Online-Werbung

Mit der Mehrheitsbeteiligung Zanox ist Springer im Online-Marketing aktiv. Der Dienstleister vermittelt über seine Plattform Werbung – Provisionen bekommt er, wenn ein Geschäft zustande kommt. Deswegen ist auch vom erfolgsbasierten Online-Marketing die Rede. Zanox ist nicht nur in Europa, sondern auch in den USA aktiv.

Preisvergleiche

Das Portal idealo.de vergleicht Preise und bündelt Testberichte und Nutzermeinungen zu Produkten. Aktiv ist es in etlichen europäischen Ländern sowie in den USA. Springer gehören 74,9 Prozent des Unternehmens.

Konkurrenz setzt auf Handel und Spiele

Auch andere Medienhäuser suchen nach neuen Einnahmequellen – und entfernen sich dabei noch weiter vom Stammgeschäft. Burda etwa setzt auf den Online-Handel, unter anderem mit Tierfutter. Die TV-Kette Prosieben Sat.1 investiert in Online-Spiele.

Die drei Worte „Yes, we scan!“ fassten die Enttäuschung vieler Europäer über die Überwachungsmanie der Obama-Regierung besser zusammen als jeder Leitartikel, so Walter Krämer, Jurysprecher und Vorsitzender des Vereins. Die Jury aus Journalisten und Sprachwissenschaftlern veröffentlichte eine Rangfolge aus 30 besonders ausgefallenen Überschriften. Eingereicht worden waren knapp 70 Vorschläge.

Gleich mehrere Wortspielereien zum Thema US-Datensammelei und Computerüberwachung schafften es auf die vorderen Ränge: Platz 3 ging an die „Süddeutsche Zeitung“ für die Überschrift „Die Vereinigte Stasi von Amerika“. Die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ machte Obama zum „Präsident der Vereinigten Daten“ und landete mit dieser Schlagzeile auf Platz 7.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Leukert

29.11.2013, 23:51 Uhr

Quatsch, auch der zweite Preis "Wir gegen uns" geht nicht an "Bild", sondern eigentlich an den Berliner Kurier, der ihn zumindest als erster groß auf Seite 1 brachte. Aber der Verein Deutsche Sprache liest offensichtlich nur Bild. Und was liest das handelsblatt?

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