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10.04.2006

13:21 Uhr

Schlüsselfigur Ralf-Udo Schneider

Staatsanwaltschaft klagt in Infineon-Affäre an

Im vergangenen Jahr hatte ein Kurruptionsskandal den Münchener Chiphersteller Infineon schwer belastet. Nun kocht die Geschichte wieder hoch. Die Münchner Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen weitgehend abgeschlossen und die erste Anklage erhoben.

HB MÜNCHEN. Oberstaatsanwalt Anton Winkler erklärte am Montag in München, seine Behörde habe den Schweizer Sportmarketing-Unternehmer Ralf-Udo Schneider, der jahrelang Rennsport-Events für Infineon organisiert hatte, wegen Bestechung und Beihilfe zur Untreue angeklagt. Gegen den im Zusammenhang mit den Bestechungsvorwürfen zurückgetretenen früheren Infineon-Manager Andreas von Zitzewitz liefen die Ermittlungen noch.

Winkler bestätigte damit einen Bericht des Münchner Nachrichtenmagazins „Focus“. Der Staatsanwaltschaft fügte hinzu, die Anklage gegen Schneider sei vorgezogen worden, da sich der Schweizer seit knapp acht Monaten in Untersuchungshaft befinde. Schneider sei bereits „vor einiger Zeit“ von seinem Heimatland nach Deutschland ausgeliefert worden.

Auch gegen den ehemaligen Infineon-Vorstandschef Ulrich Schumacher dauerten die Ermittlungen in der Korruptionsaffäre an. Winkler dementierte jedoch, dass Schumacher konkret in Verbindung mit den Schneider nun zur Last gelegten Taten stehe: „Der Name Schumacher taucht in der Anklageschrift gegen Herrn Schneider nicht auf“, sagte der Oberstaatsanwalt.

Schneider soll Infineon-Führungskräften hohe Beträge für Sponsorenaufträge des Konzerns gezahlt haben. Infineon-Vorstandsmitglied Zitzewitz trat unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe im vergangenen Juli von seinem Posten zurück. Er soll damaligen Angaben zufolge 259 000 Euro von dem Schweizer Unternehmer erhalten haben. Schneider, der die Vorwürfe bestritten hatte, wurde Ende August in der Schweiz verhaftet.

Wie im Zuge der Ermittlungen bekannt wurde, hatte die Korruptionsaffäre bereits zuvor eine Rolle im Machtkampf um die Infineonspitze gespielt. Konzernchef Schumacher musste Ende März 2004 zurücktreten, nachdem ihm mehrere Vorstandsmitglieder um Zitzewitz das Vertrauen entzogen hatten. Kurz vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung hatte Schumacher überraschend Schriftstücke vorgelegt, in dem Schneiders Sportagentur Zitzewitz beschuldigt haben soll, Schmiergelder kassiert zu haben, wie später Infineon-Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley erklärte. Kley hatte zugleich betont, entsprechende interne Ermittlungen hätten damals Schumachers Vorwürfe nicht bestätigt.

Zwischen dem Aufsichtsrat und Schumacher, der bei seinem Abgang eine Abfindung von über 5 Mill. Euro zugesprochen bekam, herrscht seit langem erbitterter Streit. Zuletzt stellte Infineon die Ratenzahlung der Millionenabfindung an Schumacher im Oktober ein, nachdem der Ex-Konzernchef ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten war.

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