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08.11.2013

04:24 Uhr

Schnäppchen-Portal

Groupon wächst und schreibt Verluste

Verluste und kein Ende in Sicht: Groupon kommt nicht aus den roten Zahlen. Die Anleger strafen das Unternehmen ab. Hoffnung bereitet dem Schnäppchen-Portal das mobile Geschäft.

Groupon überarbeitet sein Geschäftsmodell. Profitabel ist das Unternehmen derzeit nicht. dapd

Groupon überarbeitet sein Geschäftsmodell. Profitabel ist das Unternehmen derzeit nicht.

Chicago/New YorkLicht und Schatten beim Schnäppchen-Portal Groupon: Zwar konnte das Unternehmen unter seinem neuen Chef wieder wachsen, gleichzeitig fiel zum wiederholten Male ein Verlust an. Unterm Strich verlor Groupon im dritten Quartal annähernd 3 Millionen Dollar (2 Mio Euro) und damit so viel wie im Vorjahreszeitraum, wie das Unternehmen am Donnerstag bekanntgab.

Auch für das Schlussquartal mit dem wichtigen Weihnachtsgeschäft machte Groupon nicht viel Hoffnung auf einen Gewinn. Die Aktie fiel nachbörslich um 9 Prozent. Das Unternehmen leidet unter hohen Kosten. Immerhin legte der Umsatz zuletzt um 5 Prozent auf 595 Millionen Dollar zu.

„Wir sind zufrieden mit unseren Fortschritten, aber es gibt noch Arbeit zu tun“, erklärte Firmenchef Eric Lefkofsky am Sitz in Chicago. Der Mitgründer hatte das Ruder übernommen, nachdem sein Kompagnon Andrew Mason im Februar wegen Erfolglosigkeit gefeuert worden war.

Schnäppchenportal: Groupon kämpft um seinen Ruf

Schnäppchenportal

Groupon kämpft um seinen Ruf

Einmal Börsenstar und zurück: Groupon stieg erst rasant auf, stürzte dann ebenso rasant wieder ab. Jetzt plant das Schnäppchenportal sein Comeback mit mehr Lifestyle und Seriosität – auch in Deutschland.

Analyst Edward Woo von Ascendiant Capital Markets war sich mit Lefkofsky einig, dass es noch viel zu tun gibt. „Es wird härter für sie wegen des starken Wettbewerbs im E-Commerce-Markt“, sagte Woo der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Außerdem gibt es eine gewisse Müdigkeit bei den Konsumenten und sie sind einfach nicht mehr so interessiert.“

Groupon präsentierte jüngst eine umgestaltete Webseite und neue Smartphone-Apps. Neu bietet das Schnäppchenportal personalisierte Angebote an, die aufgrund vorheriger Käufe und Interessen von Nutzern basieren. Die Smartphone-Apps bestimmt außerdem den Ort, an dem sich Nutzer befinden, und bietet ihnen lokale Angebote an.

Mehr als 50 Prozent der Transaktionen in Nordamerika und 40 Prozent weltweit würden über mobile Geräte wie Smartphones und Tablet abgewickelt, teilte das Unternehmen. Neun Millionen Nutzer hätten die Groupon-App im dritten Vierteljahr heruntergeladen; die Zahl der aktiven Nutzer sei im Jahresvergleich um zehn Prozent auf 43,4 Millionen gestiegen.

Geschichte von Groupon

Nur ein Experiment

Das Schnäppchenportal Groupon begann 2008 als ein Nebenprojekt. Gründer Andrew Mason arbeitete für die mäßig erfolgreiche Plattform The Point, die Menschen helfen sollte, gemeinsam Probleme zu lösen. Diese gehörte Eric Lefkofsky, der bei Groupon einstieg, Mason über Jahre begleitete und heute selbst Chef der Plattform ist.

Portal für kleine Geschäfte

Mason hatte von Anfang an kleine Geschäfte im Blick: Groupon sollte ihnen helfen, die Kapazität besser auszulasten und an Cash zu kommen – kurz zuvor hatte die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers die Welt in eine Wirtschaftskrise gestürzt.

Chicago ist nicht genug

Das erste Angebot stammte von einer Pizzeria, die im Gebäude der Groupon-Macher in Chicago saß. Das Gutscheinkonzept verfing: Nicht nur in der Heimat Chicago, sondern in vielen amerikanischen Städten, bald auch im Ausland. Angetrieben von Lefkofsky setzte Groupon auf rasche Expansion, nicht zuletzt um den vielen Nachahmern zuvorzukommen.

Das Angebot von Google

Der wahnwitzige Erfolg machte die Größen des Silicon Valley aufmerksam. Medienberichten zufolge gab erst Yahoo ein Übernahmeangebot ab, dann Google. Rund sechs Milliarden Dollar wollte der Suchmaschinen-Riese für die damals nur 18 Monate alte Firma zahlen – vergeblich. Mason und Lefkofsky wollten das Heft in der Hand behalten.

Die Samwer-Brüder stoßen dazu

Im Mai 2010 übernahm Groupon den deutschen Nachahmer Citydeal, den die Samwer-Brüder aufgebaut hatten – die damalige Bewertung lag bei 126 Millionen Dollar. Die Internet-Unternehmer erhielten dafür Groupon-Aktien – und Einfluss. Sie trieben die Expansion des Unternehmens weiter voran.

Kasse machen an der Börse

Als Groupon das Angebot von Google ablehnte, war klar: Das Startup muss bald an die Börse, damit die Investoren Kasse machen können. Im Juni 2011 reichte es seine Unterlagen bei der Börsenaufsicht in New York ein.

Zweifelhafte Bewertung

Die Groupon-Unterlagen für die Börsenaufsicht SEC förderten Erstaunliches zutage: Das Unternehmen war zwar nach seiner eigenen Einschätzung profitabel, nicht jedoch nach den Maßstäben, die die Aufseher anlegten. So verlor Groupon 2010 mehr als 400 Millionen Dollar. Das nährte plötzlich Zweifel am Geschäftsmodell.

Gang aufs Parkett

Mit der Platzierung erlöste das Unternehmen schließlich rund 700 Millionen Dollar, der gesamte Börsenwert des Unternehmens lag bei rund 12,6 Milliarden Dollar und damit deutlich niedriger als wenige Monate zuvor erwartet. Banker hatten der „New York Times“ eine Bewertung von 30 Milliarden Dollar zugeflüstert.

Andrew Mason gefeuert

Das rasante Wachstum flaute mit den Monaten immer ab – und so wurden Zweifel am Geschäftsmodell lauter, nicht zuletzt weil auch Amazon fast die gesamte Investition in den Groupon-Rivalen Livingsocial abschrieb. Groupon-Gründer Andrew Mason geriet immer mehr unter Druck, im Februar 2013 entließ ihn der Vorstand. Sein langjähriger Weggefährte Eric Lefkofsky übernahm die Geschäfte.

„Groupon steht nicht still“, sagte Peter Krasilovsky, Analyst des Marktforschers BIA/Kelsey, der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Die Firma hat sich im letzten Jahr stark verändert, und einige recht dramatische Änderungen am Geschäftsmodell gemacht.“

Bei Groupon können Kunden Rabattgutscheine von Dienstleistern, Restaurants oder Händlern kaufen. Mit dem Zukauf des südkoreanischen Anbieters Ticket Monster verstärkt sich Groupon. Bisheriger Besitzer ist der US-Rivale LivingSocial, der 260 Millionen Dollar in Barem und Aktien bekommt. Das Geschäft soll in der ersten Hälfte des kommenden Jahres abgeschlossen werden.

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