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13.08.2013

17:34 Uhr

Schnäppchenportal

Groupon kämpft um seinen Ruf

VonChristof Kerkmann

Einmal Börsenstar und zurück: Groupon stieg erst rasant auf, stürzte dann ebenso rasant wieder ab. Jetzt plant das Schnäppchenportal sein Comeback mit mehr Lifestyle und Seriosität – auch in Deutschland.

Groupon muss beweisen, dass das Geschäftsmodell trägt. dapd

Groupon muss beweisen, dass das Geschäftsmodell trägt.

DüsseldorfDer Name Groupon stand lange für rasante Expansion. Die Manager rühmten ihre Schnäppchen-Plattform gern als das „am schnellsten wachsende Unternehmen aller Zeiten“. Auf 30 Milliarden Dollar schätzen Banker an der Wall Street den Wert des Start-ups einst. Da war es keine drei Jahre alt. Doch die imposanten Zahlen waren nicht von Dauer, dem beispiellosen Aufstieg folgte ein beispielloser Absturz, der im März zur Entlassung des Firmengründers Andrew Mason führte.

Ein paar Monate danach will das Unternehmen nicht mehr nur von Wachstum reden: „Wichtig ist, dass wir das Geschäft zunehmend auf Nachhaltigkeit ausrichten“, sagte Emanuel Stehle, neuer Deutschland-Chef von Groupon, in seinem ersten Interview. Das Portal soll künftig nicht allein für Schnäppchen stehen. Und die Kleinunternehmer, die darüber Gutscheine anbieten, sollen wieder Vertrauen schöpfen.

Groupon hat den Rabatt-Coupon ins Internetzeitalter gebracht: Das Unternehmen verkauft vergünstigte Gutscheine für Restaurants und Bars, Frisöre und Schönheitssalons, Yogakurse und Autowäschen. Finden sich ausreichend Käufer, kommt der Deal zustande. Für die Vermittlung behält Groupon eine hohe Gebühr ein, zumeist die Hälfte des Preises.

Geschichte von Groupon

Nur ein Experiment

Das Schnäppchenportal Groupon begann 2008 als ein Nebenprojekt. Gründer Andrew Mason arbeitete für die mäßig erfolgreiche Plattform The Point, die Menschen helfen sollte, gemeinsam Probleme zu lösen. Diese gehörte Eric Lefkofsky, der bei Groupon einstieg, Mason über Jahre begleitete und heute selbst Chef der Plattform ist.

Portal für kleine Geschäfte

Mason hatte von Anfang an kleine Geschäfte im Blick: Groupon sollte ihnen helfen, die Kapazität besser auszulasten und an Cash zu kommen – kurz zuvor hatte die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers die Welt in eine Wirtschaftskrise gestürzt.

Chicago ist nicht genug

Das erste Angebot stammte von einer Pizzeria, die im Gebäude der Groupon-Macher in Chicago saß. Das Gutscheinkonzept verfing: Nicht nur in der Heimat Chicago, sondern in vielen amerikanischen Städten, bald auch im Ausland. Angetrieben von Lefkofsky setzte Groupon auf rasche Expansion, nicht zuletzt um den vielen Nachahmern zuvorzukommen.

Das Angebot von Google

Der wahnwitzige Erfolg machte die Größen des Silicon Valley aufmerksam. Medienberichten zufolge gab erst Yahoo ein Übernahmeangebot ab, dann Google. Rund sechs Milliarden Dollar wollte der Suchmaschinen-Riese für die damals nur 18 Monate alte Firma zahlen – vergeblich. Mason und Lefkofsky wollten das Heft in der Hand behalten.

Die Samwer-Brüder stoßen dazu

Im Mai 2010 übernahm Groupon den deutschen Nachahmer Citydeal, den die Samwer-Brüder aufgebaut hatten – die damalige Bewertung lag bei 126 Millionen Dollar. Die Internet-Unternehmer erhielten dafür Groupon-Aktien – und Einfluss. Sie trieben die Expansion des Unternehmens weiter voran.

Kasse machen an der Börse

Als Groupon das Angebot von Google ablehnte, war klar: Das Startup muss bald an die Börse, damit die Investoren Kasse machen können. Im Juni 2011 reichte es seine Unterlagen bei der Börsenaufsicht in New York ein.

Zweifelhafte Bewertung

Die Groupon-Unterlagen für die Börsenaufsicht SEC förderten Erstaunliches zutage: Das Unternehmen war zwar nach seiner eigenen Einschätzung profitabel, nicht jedoch nach den Maßstäben, die die Aufseher anlegten. So verlor Groupon 2010 mehr als 400 Millionen Dollar. Das nährte plötzlich Zweifel am Geschäftsmodell.

Gang aufs Parkett

Mit der Platzierung erlöste das Unternehmen schließlich rund 700 Millionen Dollar, der gesamte Börsenwert des Unternehmens lag bei rund 12,6 Milliarden Dollar und damit deutlich niedriger als wenige Monate zuvor erwartet. Banker hatten der „New York Times“ eine Bewertung von 30 Milliarden Dollar zugeflüstert.

Andrew Mason gefeuert

Das rasante Wachstum flaute mit den Monaten immer ab – und so wurden Zweifel am Geschäftsmodell lauter, nicht zuletzt weil auch Amazon fast die gesamte Investition in den Groupon-Rivalen Livingsocial abschrieb. Groupon-Gründer Andrew Mason geriet immer mehr unter Druck, im Februar 2013 entließ ihn der Vorstand. Sein langjähriger Weggefährte Eric Lefkofsky übernahm die Geschäfte.

Dieses Geschäftsmodell funktionierte anfangs blendend. Von Chicago aus eroberte das Unternehmen erst die USA, dann auch zahlreiche andere Länder. Groupon galt als Goldgrube. Doch die aggressive Expansion hatte ihren Preis: Die hohen Kosten für Personal, Marketing und Übernahmen trieben das Unternehmen tief ins Minus. Zudem endeten etliche Deals im Fiasko. Denn gerade vor dem Börsengang im Herbst 2011 war der Druck auf die Verkäufer offenbar extrem.

„Eine schlechte Woche kann reichen und du bist weg”, zitierte das Portal Gründerszene im April 2012 einen Groupon-Mitarbeiter. Entsprechend rücksichtslos seien viele Vertriebsmitarbeiter zu Werk gegangen und hätten beispielsweise gegenüber den Händlern verschwiegen, dass sie die Zahl der verkauften Gutscheine begrenzen konnten. Für kleine Unternehmen ein großes Risiko: Werden zu viele Coupons mit hohen Rabatten abgesetzt, kann das im schlimmsten Fall den Ruin bedeuten. Es gab Restaurants, die aus Versehen mehrere Tausend Essen zu extrem niedrigen Preisen verkauften.

Groupon-Chef im Interview: „Es liegt ein Wahnsinnsmarkt vor uns“

Groupon-Chef im Interview

„Es liegt ein Wahnsinnsmarkt vor uns“

Er soll Groupon zum Comeback verhelfen: Emanuel Stehle leitet das Deutschland-Geschäft des kriselnden Gutscheinportals. In seinem ersten Interview verspricht er Nachhaltigkeit – „der Händler muss etwas vom Deal haben.“

„Groupon ist extrem schnell gewachsen, gerade in Europa“, resümiert Bernd Skiera, Professor für Electronic Commerce an der Goethe-Universität Frankfurt. Dabei habe es für den Außendienst Anreize gegeben, möglichst viele Deals reinzuholen. „Da ist teilweise Schindluder getrieben worden. Für Groupon ist es eine Herausforderung, gegen dieses Image anzukämpfen.“

Das Geschäftsmodell hält er jedoch nicht grundsätzlich für gescheitert. Wegen des hohen Rabatts lohne sich eine Rabattaktion für Händler zwar nicht kurzfristig. Aber: „Wenn man Kunden binden kann, kann daraus ein profitables Geschäft entstehen.“ Gerade für kleine Firmen seien Gutscheine sinnvoll, weil sie nur im Erfolgsfall zahlen müssten. Allerdings müssten die Geschäftsleute den Deal richtig durchrechnen, und daran sei es oft gescheitert. Der E-Commerce-Experte hat deswegen einen „Coupon Calculator“ entwickelt.

Kommentare (7)

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Berliner

13.08.2013, 16:57 Uhr

Schöne Worte!
Die Realität ist schlimm.
Absolutes Chaos in Verwaltung und Vertrieb.
Die Angebote bekommt man i.d.R. über jede Preissuchmaschine günstiger!
Das Einlösen der Gutscheine funktioniert nur teilweise und
der ganze Prozeß ist eine Einladung für Betrüger!
Nie wieder Groupon!

Account gelöscht!

13.08.2013, 18:25 Uhr

Umsatz generieren? Umsatz ist kein Gewinn.
Lieber weniger Umsatz mit mehr Gewinn als viel Umsatz und kein Gewinn. Alles keine Kaufleute.

TomXXX

13.08.2013, 18:32 Uhr

Nachhaltigkeit?

Was habe ich gelacht, als ich den Gutschein von Groupon zur Brustvergrösserung bzw. Brustverkleinerung gesehen habe. Mein Grinsen hat mich wohl daran gehindert, festzustellen, ob der Preis für eine oder zwei Brüste galt...

Und das Ding wurde sogar gekauft...

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