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31.10.2014

04:06 Uhr

Schnäppchenportal

Groupon-Verlust weitet sich aus

Die Rabattplattform Groupon will ihr angestammtes Revier verlassen und sich neu erfinden. Doch zunächst steckt das Unternehmen in den roten Zahlen fest. Dennoch übertrifft Groupon die Erwartungen.

Das US-amerikanische Unternehmen Groupon hat auch in Deutschland ein Standbein. dpa

Das US-amerikanische Unternehmen Groupon hat auch in Deutschland ein Standbein.

ChicagoBei Groupon können Kunden Rabattgutscheine kaufen, die sie etwa beim Friseur, im Restaurant oder Fitnessstudio einlösen. Doch dieses Geschäft hat mit Imageproblemen zu kämpfen: Käufer beschweren sich über Schwierigkeiten beim Einlösen, Kleinunternehmen klagen über einen schlechten Schnitt.

Deshalb will sich das Unternehmen vom Schnäppchenanbieter zum Internethändler wandeln. Als Marktplatz für lokale Produkte und Dienstleistungen plant Groupon den Neubeginn. Unter anderem macht das Unternehmen dem Empfehlungsportal Yelp Konkurrenz und bietet ein Tablet-basiertes Kassensystem an. Doch bisher schlägt sich das in den Unternehmenszahlen nicht nieder.

Geschichte von Groupon

Nur ein Experiment

Das Schnäppchenportal Groupon begann 2008 als ein Nebenprojekt. Gründer Andrew Mason arbeitete für die mäßig erfolgreiche Plattform The Point, die Menschen helfen sollte, gemeinsam Probleme zu lösen. Diese gehörte Eric Lefkofsky, der bei Groupon einstieg, Mason über Jahre begleitete und heute selbst Chef der Plattform ist.

Portal für kleine Geschäfte

Mason hatte von Anfang an kleine Geschäfte im Blick: Groupon sollte ihnen helfen, die Kapazität besser auszulasten und an Cash zu kommen – kurz zuvor hatte die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers die Welt in eine Wirtschaftskrise gestürzt.

Chicago ist nicht genug

Das erste Angebot stammte von einer Pizzeria, die im Gebäude der Groupon-Macher in Chicago saß. Das Gutscheinkonzept verfing: Nicht nur in der Heimat Chicago, sondern in vielen amerikanischen Städten, bald auch im Ausland. Angetrieben von Lefkofsky setzte Groupon auf rasche Expansion, nicht zuletzt um den vielen Nachahmern zuvorzukommen.

Das Angebot von Google

Der wahnwitzige Erfolg machte die Größen des Silicon Valley aufmerksam. Medienberichten zufolge gab erst Yahoo ein Übernahmeangebot ab, dann Google. Rund sechs Milliarden Dollar wollte der Suchmaschinen-Riese für die damals nur 18 Monate alte Firma zahlen – vergeblich. Mason und Lefkofsky wollten das Heft in der Hand behalten.

Die Samwer-Brüder stoßen dazu

Im Mai 2010 übernahm Groupon den deutschen Nachahmer Citydeal, den die Samwer-Brüder aufgebaut hatten – die damalige Bewertung lag bei 126 Millionen Dollar. Die Internet-Unternehmer erhielten dafür Groupon-Aktien – und Einfluss. Sie trieben die Expansion des Unternehmens weiter voran.

Kasse machen an der Börse

Als Groupon das Angebot von Google ablehnte, war klar: Das Startup muss bald an die Börse, damit die Investoren Kasse machen können. Im Juni 2011 reichte es seine Unterlagen bei der Börsenaufsicht in New York ein.

Zweifelhafte Bewertung

Die Groupon-Unterlagen für die Börsenaufsicht SEC förderten Erstaunliches zutage: Das Unternehmen war zwar nach seiner eigenen Einschätzung profitabel, nicht jedoch nach den Maßstäben, die die Aufseher anlegten. So verlor Groupon 2010 mehr als 400 Millionen Dollar. Das nährte plötzlich Zweifel am Geschäftsmodell.

Gang aufs Parkett

Mit der Platzierung erlöste das Unternehmen schließlich rund 700 Millionen Dollar, der gesamte Börsenwert des Unternehmens lag bei rund 12,6 Milliarden Dollar und damit deutlich niedriger als wenige Monate zuvor erwartet. Banker hatten der „New York Times“ eine Bewertung von 30 Milliarden Dollar zugeflüstert.

Andrew Mason gefeuert

Das rasante Wachstum flaute mit den Monaten immer ab – und so wurden Zweifel am Geschäftsmodell lauter, nicht zuletzt weil auch Amazon fast die gesamte Investition in den Groupon-Rivalen Livingsocial abschrieb. Groupon-Gründer Andrew Mason geriet immer mehr unter Druck, im Februar 2013 entließ ihn der Vorstand. Sein langjähriger Weggefährte Eric Lefkofsky übernahm die Geschäfte.

Groupon steckt in den roten Zahlen fest: Im dritten Quartal stieg der Fehlbetrag im Jahresvergleich von 2,58 auf 21,2 Millionen Dollar (16,8 Mio. Euro), wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Zudem gab das Management einen schwächeren Ausblick ab als angenommen.

Doch in der Quartalsbilanz schimmert auch ein Lichtblick: Der Umsatz kletterte um 27 Prozent auf 757 Millionen Dollar und überbot damit die Erwartungen der Analysten. Nachbörslich handelte die Aktie des einstigen Börsenstars leicht im Plus.

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