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30.01.2005

18:50 Uhr

Schweizer Verlag setzt auf weitere Expansion in Osteuropa und Asien – Erlöse steigen um 3,5 Prozent

Ringier will im Ausland wachsen

VonH.-P. Siebenhaar (O. Stock; Handelsblatt)

Das größte Schweizer Medienunternehmen Ringier („Blick“, „Cash“, „Schweizer Illustrierte“) setzt auf Expansion in Mittel- und Osteuropa. Dabei will sich Ringier vor allem auf kleinere Länder konzentrieren.

ZÜRICH. „Wir kommen aus der Schweiz. Unsere Wachstumsstrategie ist auf vergleichbare Märkte ausgerichtet. Wir sehen uns beispielsweise Kroatien sehr genau an“, sagte Verleger Michael Ringier dem Handelsblatt.

Von größeren Ländern will der Schweizer angesichts der mächtigen deutschen Konkurrenz künftig die Finger lassen. „Ich lasse mich nicht auf Elefantenschlachten ein. Deshalb haben wir uns auch aus Polen zurückgezogen“, erläuterte Ringier. Russland habe man sich angesehen, „aber das ist lebensgefährlich“, sagt der gelernte Journalist. Die Strategie seines Hauses sei, der Einzige oder der Größte in einem überschaubaren Markt zu sein.

In Polen sind vor allem die deutsche Konkurrenten wie Axel Springer („Bild“, „Fakt“), Gruner + Jahr („Stern“, „Geo“) und der bayerische Zeitungsverlag Passauer neue Presse präsent. Auch in Ungarn musste Ringier im November vergangenen Jahres eine Niederlage einstecken. Die Eidgenossen verkauften die ungarische Zeitung „Magyar Hirlap“ nachdem Springer im Oktober mit der Tageszeitung „Reggel“ (zu deutsch: „Morgen“) den Schweizer Konkurrenten angegriffen hatte. Ringier verlegt in Ungarn das noch immer das Boulevardblatt „Blikk“, meistgelesene Zeitung des Landes.

Zuletzt erzielte der Schweizer Marktführer knapp ein Viertel seiner Erlöse in Mittel- und Osteuropa und 4,3 Prozent in Asien. Das soll sich in den nächsten Jahren ändern. „Ich glaube, dass wir die Hälfte unseres Umsatz im Ausland machen werden“, sagt Ringier. Im Fokus stehe dabei auch China. Im Reich der Mitte ist Ringier seit elf Jahren präsent. Gewinne wurden aber bisher nicht geschrieben. „Wir können sehr viel Geduld haben. Das ist ein riesiger Vorteil“, sagt der 55-Jährige zum Interesse am weltgrößten Medienmarkt, der angesichts mangelnder Pressefreiheit aber „extrem schwierig“ sei. „Wir sind sehr kosteneffizient aufgestellt und haben uns keine großen Exzesse geleistet“, sagt Michael Ringier, dem zusammen mit seinen beiden Schwestern der Verlagsriese gehört.

Hintergrund der forcierten Expansion im Ausland ist der anhaltend miserable Werbemarkt in der Schweiz und Westeuropa. „Eine Erholung in der Schweiz ist nicht in Sicht. Wenn es Deutschland gut geht, geht es auch der Schweiz gut“, sagt Ringier. An eine schnelle Konjunkturerholung glaubt er aber nicht.

Ringier steht auf einem wirtschaftlich guten Fundament. Obwohl die Jahreszahlen für 2004 noch nicht vorliegen, ist bereits klar: Der Verlag mit 5 400 Mitarbeitern hat im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben das beste Ergebnis seiner Geschichte erzielt. Sogar das Rekordergebnis des Jahres 2000 – auf dem Höhepunkt des Werbebooms – hat Ringier übertroffen. „2004 sind wir um rund 3,5 Prozent gewachsen“, betont Ringier. Genaue Zahlen wollen er und Vorstandschef Martin Werfeli aber erst im Frühjahr vorstellen. 2003 hatte der Printkonzern mit einem Umsatzrückgang von 2,1 Prozent auf 1,01 Mrd. Schweizer Franken (665,2 Mill. Euro) abgeschlossen. Der Gewinn hingegen stieg um 10,2 Prozent auf 43,2 Mill. Franken (28,4 Mill. Euro).

In Deutschland ist Ringier nur mit dem Politik-Magazin „Cicero“ präsent. Das vom früheren „Welt“- Chefredakteur Wolfram Weimer geleitete Magazin mit Sitz in Potsdam erfüllt aus der Sicht der Züricher Holding die Erwartungen. Der Boulevard-Verleger hält vor allem aus Prestigegründen an dem Monatsmagazin nach dem Vorbild der US-Magazine „Atlantic Monthly“ und „New Yorker“ fest. Die konservative Zeitschrift „Cicero“ ist eine der wenigen Neugründungen der vergangenen Jahre in Deutschland

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