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12.11.2013

14:27 Uhr

Schwierige Bedienung

Smart-TV schreckt Nutzer ab

Die Elektronikhersteller wollen den Fernseher zum Internet-Gerät machen. Doch die Zuschauer nutzen die Funktion bislang kaum: Ins Internet gehen die meisten lieber über Smartphone oder Tablet – weil es einfacher ist.

Auch Events wie der „Samsung Smart TV Media Day” können die Beliebtheit der Geräte offenbar nicht erhöhen. AFP

Auch Events wie der „Samsung Smart TV Media Day” können die Beliebtheit der Geräte offenbar nicht erhöhen.

FrankfurtVerbraucher nutzen die Internet-Funktionen moderner Fernseher mit Online-Anbindung einer Studie zufolge bislang kaum. Nur 28 Prozent verwendeten ihre sogenannten Smart-TVs mehrmals wöchentlich, um im Internet zu surfen, hieß es in einer am Dienstag in Frankfurt am Main veröffentlichten Umfrage der Unternehmensberatung PwC. Sechs von zehn Verbrauchern nutzen die Online-Funktionen ihrer internetfähigen Fernseher demnach nicht, weil Tablet-Computer oder Notebooks einfacher zu bedienen seien.

Zu den bislang wichtigsten Funktionen bei der Nutzung von Smart-TVs gehören Online-Mediatheken von Fernsehsendern oder Videoclip-Seiten, hieß es in der Studie. 40 Prozent der Smart-TV-Besitzer nutzten entsprechende Angebote mehrmals pro Monat. Videospiele, Online-Netzwerke oder Internet-Shopping seien bei den Verbrauchern hingegen weniger gefragt. 60 Prozent der für die Untersuchung Befragten hätten mit diesen Funktionen ihrer Fernseher noch keine Erfahrung gesammelt.

Kleines Fernseh-Glossar

Technologie verkauft Fernseher

Die TV-Hersteller arbeiten permanent an neuen Verfahren, um die Bildqualität weiter zu verbessern und die Funktionen zu erweitern – Technologie verkauft Geräte. Welche Schlagwörter sind derzeit angesagt?

Ultra HD (4K)

Ultra HD – oft auch als 4K bezeichnet – ist ein TV-Format mit sehr hoher Auflösung. Diese beträgt 3840 x 2160 Pixel, also 8,3 Megapixel. Das ist vier Mal so viel wie bei einem HD-Bild. Es mangelt noch an passenden Inhalten, allerdings werden herkömmliche Bilder hochgerechnet. Da die Geräte immer billiger werden, eignen sie sich langsam für den Massenmarkt.

OLED

OLED steht für Organic Light Emitting Diode, es handelt sich also um organische Leuchtdioden. Diese Technologie ermöglicht ein sehr kontrastreiches Bild und weite Blickwinkel, zudem verbraucht sie wenig Strom. Allerdings ist die Produktion der Paneele kompliziert und somit noch vergleichsweise teuer. Daher ist der Marktanteil der OLED-Geräte gering.

Gebogene Displays

Früher mussten Fernseher unbedingt flach sein – geht es nach einigen Herstellern, geht es heute nicht ohne gebogenes Display. Samsung, LG & Co. versprechen ein besseres Bild mit weniger optischen Verzerrungen. Der Vorteil liegt indes wohl eher im Design als im Seherlebnis. Dafür müssen Verbraucher einen hohen Preis in Kauf nehmen.

Smart TV

Fast alle neuen Fernseher sind inzwischen „smart“: Sie können nicht nur die herkömmlichen Kanäle, sondern auch Inhalte aus dem Internet darstellen, beispielsweise das Videoportal Youtube, Online-Videotheken oder extra für den großen Bildschirm programmierte. Dazu braucht es nur einen Breitbandanschluss. Allerdings nutzen viele Zuschauer diese Funktionen noch nicht. Zudem hapert es teils noch an der Bedienung – eine Kopplung mit Smartphone und Tablet soll Verbesserungen bringen.

Second Screen

Viele Fernsehzuschauer surfen nebenbei im Internet – entweder mit dem Smartphone oder dem Tablet-Computer. Dieses vergleichsweise junge Phänomen erlaubt TV-Herstellern, Filmemachern und Sendern, den zweiten, kleinen Bildschirm einzubinden. Etwa mit Informationen über die Sendung und Schauspieler oder Werbung. Zudem können die mobilen Geräte die klassische Fernbedienung ersetzen.

Rund 30 Prozent der Smart-TV-Anwender nutze heute bereits kostenpflichtige Angebote zum Abruf von Filmen oder anderer Videos, hieß es in der Studie. Ein Fünftel zahle regelmäßig für solche Angebote. Bei den Jungen sei dabei die Bereitschaft, für Inhalte auf dem Fernseher zu bezahlen, größer als bei Älteren. Fast die Hälfte der Befragten zwischen 18 und 30 Jahren rufe bereits Inhalte auf dem Fernseher gegen Bezahlung ab oder denke darüber nach dies zu tun. In der Altersgruppe über 45 Jahren seien es nur 37 Prozent.

Das Geschäft mit dem Verleih digitaler Inhalte werde in den nächsten Jahren deutlich wachsen, hieß es in der Studie. 2013 werde sich das Marktvolumen auf schätzungsweise 175 Millionen Euro belaufen, 2017 auf 511 Millionen Euro. Mit Smart-TVs würden 2017 rund 35 Prozent dieser digitalen Erlöse eingefahren. Im vergangenen Jahr habe dieser Anteil noch bei 15 Prozent gelegen.

An der Untersuchung nahmen im Sommer 2013 rund 1900 Online-Nutzer zwischen 18 und 65 Jahren teil. 440 Teilnehmer der Befragung besaßen ein vernetztes Fernsehgerät.

Von

dpa

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