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17.11.2011

11:16 Uhr

Seitensprung-Portale

Das Bunga-Bunga-Business

Quelle:WirtschaftsWoche Online

Kein Trend erregt die Datingindustrie derzeit stärker als die Vermittlung von Sexkontakten: Während klassische Online-Partnerbörsen an Wachstumsgrenzen stoßen, entwickelt sich das Geschäft mit Affären zur Geldmaschine.

Das Online-Dating boomt. Millionen Singles durchforsten regelmäßig das Netz nach einer neuen Liebe dpa

Das Online-Dating boomt. Millionen Singles durchforsten regelmäßig das Netz nach einer neuen Liebe

Die Münchner Tanzbar Paradiso war in schummriges Rotlicht getaucht, die Wände mit goldenen Masken drapiert, und auf der Bühne rekelte sich die Burlesquetänzerin Lili Marleen zum James-Bond-Song „Goldfinger“. Mit der erotischen Folklore-Show startete die Singlebörse Friendscout24, eine Tochter der Deutschen Telekom, vor wenigen Monaten ihren neuen Online-Ableger Secret. „Prickelnde Abenteuer“ und „Spaß mit Gleichgesinnten“ verheißt die Seite. Kurz: Der Online-Dienst will Sextreffs und Affären zwischen seinen Mitgliedern vermitteln.

Ein paar Häkchen bei den sexuellen Wünschen, ein paar Euro für die Kontaktanbahnung, und schon startet „die lustvolle Entdeckungsreise“, so das Versprechen. Für Diskretion, Datenschutz und Sicherheit bürgt letztlich auch der Friendscout-Eigentümer Deutsche Telekom.

Internetbörsen für Sexkontakte und Seitensprung

Ashley Madison

Wer einen geeigneten Partner für den Seitensprung sucht, kann es bei Ashley Madison versuchen. Die Kosten richten sich nach einem Credit-Point-System. Zielgruppe sind verheiratete Männer und Frauen.

C-Date

C-Date richtet sich an 35-40-Jährige mit gehobenem Niveau. Frauen zahlen nichts, Männer rund 120 Euro pro Quartal.

First Affair

Im Schnitt sind die Nutzer von First Affair Anfang 30. Mit einem Preis von 40 Euro ist es für Männer vergleichsweise erschwinglich, Frauen dürfen umsonst mitmachen.

Flirt-Fair

Auch Flirt-Fair hat die Zielgruppe der Anfang-Dreißigjährigen. Männer können sich für 120 Euro pro Quartal auf die Suche nach erotischen Abenteuern machen, Frauen zahlen nichts.

Joy-Club

Joy-Club hat eine breite Zielgruppe, die auch nicht vom Alter abhängig ist. Egal ob Singles, Paare oder Transsexuelle - Männer können für rund 60 Euro im Quartal mitmachen.

Lovepoint

Auch Lovepoint ist breit angelegt. Interessierte können hier den Traumpartner finden oder jemanden für einen Seitensprung: Die Kosten liegen für Männer bei 99 Euro.

Meet 2 Cheat

Wer schon mit Mitte 30 auf der Suche nach einem Seitensprung ist, kann bei Meet 2 Cheat fündig werden. Männer zahlen knapp 90 Euro pro Quartal.

Secret

Secret richtet sich vor allem an Frauen. Die Kosten orientieren sich an eine Credit-Point-System.

Ausgerechnet ein braver Dax-Konzern mit dem Bund als Großaktionär verdient am Bunga-Bunga-Business? Vor wenigen Jahren hätte die frivole Unternehmung noch einen Skandal ausgelöst. Heute bleibt die Entrüstung aus. Stattdessen feiert Friendscout-Chefin Martina Bruder ihren „Einstieg in einen echten Wachstumsmarkt“ und empfiehlt ihr Unternehmen als „Full-Service-Anbieter“ für alle Liebeslagen.

Tatsächlich ist das Segment, das im Branchenjargon unter der sittsamen Vokabel Casual Dating firmiert, noch vergleichsweise klein. Nur ein Bruchteil der 190 Millionen Euro Umsatz, den die deutsche Datingindustrie 2010 insgesamt eingespielt hat, entfiel auf Sexvermittler à la Secret. Dennoch vermag das Gewerbe die Fantasie von Investoren wie Nutzern zu beflügeln. Noel Biderman, Chef der weltweit größten Online-Seitensprungagentur Ashley Madison, wähnt bereits die Chance, seinen Fremdgehclub als „eines der am schnellsten wachsenden sozialen Netzwerke auf dem ganzen Planeten zu etablieren“.

Beseelt vom Glauben an den Erfolg der Mission „und ausgestattet mit reichlich Selbstbewusstsein“, will der Kanadier nun auch in Deutschland durchstarten. Doch Biderman und Friendscout-Chefin Bruder müssen sich auf harten Wettbewerb einstellen. Rivalen wie Joy-Club, Prime-Date, First Affair oder C-Date tummeln sich bereits in der Branche.

Die großen Online-Partnervermittlungen

Der kleine Unterschied

Grundsätzlich muss man unterscheiden zwischen Online-Partnervermittlungen und Online-Flirt-Portalen. Es folgt eine Auflistung der wichtigsten Anbieter.

Friendscout 24

Das Online-Flirt-Portal kommt auf 761.000 Besucher pro Monat. Gemessen wurden die Daten im Juni 2011. Der Preis liegt bei knapp 90 Euro pro Quartal. Die Stiftung Warentest gibt der Seite in ihrer Untersuchung eine 3,3.

Flirt Café

Auf Rang zwei der Online-Flirt-Portale folgt mit einigem Abstand das Flirt Café mit 464.000 Besuchern pro Monat.

Neu.de

Auf Rang drei folgt Neu.de mit 355.000 Besuchern.

Dating Cafe

Abgesehen von den größten Drei gibt es eine Reihe von weiteren Flirtbörsen. In einer Untersuchung von Stiftung Warentest erreicht DAting Cafe die beste Note - nämlich eine 2,7. Pro Quartal kostet die Mitgliedschaft 51 Euro. Die Zielgruppe sind Singles mit Niveau, im Schnitt Ende 30.

Finya

Kostenlos und dennoch gut bewertet ist Finya. Bei Stiftung Warentest kommt die Flirtbörse für junge Manschen ab 18 auf eine Durchschnittsnote von 2,9.

50plus-Treff

Wie der Name schon sagt, richtet sich 50plus-Treff an Single in höherem Alter. Die Mitgliedschaft kostet rund 60 Euro im Quartal.

Flirtcafe

Zumindest die Stiftung Warentest hält nicht besonders viel von der Börse Flirtcafe, denn sie vergab die Note 5,2. 57 Euro kostet Flirtcafe im Quartal.

Elitepartner

Bei den Online-Partnervermittlungen liegt Elitepartner.de klar vorne. Das Portal kommt auf 352.000 Besucher. Auch hier wurde im Juni 2011 gemessen. Mit 60 Euro pro Monat ist die Teilnahme aber nicht gerade ein Schnäppchen.

Parship

Mit einigem Abstand folgt auf dem zweiten Rang Parship. Hier klicken monatlich 180.000 Besucher.

Edarling

Auf dem dritten Platz folgt Edarling mit 141.000 Besuchern. Die Daten stammen von Singlebörsen-Vergleich, Bitkom und Nielsen.

partnersuche.de

Nicht gerade ein Schnäppchen ist das Portal partnersuche.de - denn pro Quartal kostet die Teilnahme 179 Euro. Dabei bewertet die Stiftung Warentest das Portal nur mit 3,4. Parship (2,2), Elitepartner (3,1) und Edarling (3,3) kommen da besser weg.

Be2

Be2 richtet sich an Single ab 25 Jahren, die eine feste Beziehung suchen. Pro Quartal kostet es 150 Euro. Die Durchschnittsnote liegt bei 3,0.

Partner.de

Mit einer Gebühr von 74,50 Euro pro Quartal ist partner.de die günstigste Partnerbörse. Die Zielgruppe ist im Schnitt Mitte 40.

Erfahrung nach Altersgruppe

Der Aussage "Ich habe ein Date via Internet verabredet" stimmen vor allem die 14- bis 29-Jährigen zu: 47 Prozent sagen hier: das habe ich schon mal getan. Bei den 30- bis 49-Jährigen sind es 21 Prozent, bei den 50- bis 64-Jährigen neun Prozent und bei den über 65-Jähringen immer noch 13 Prozent.

Zwei übergreifende Trends sind für den Zeitenwandel in der Datingindustrie verantwortlich:

Neue Freizügigkeit: Die Wahrnehmung von Sex in der Gesellschaft hat sich verändert. Sex werde zunehmend als „eine Art Freizeitbeschäftigung“ mit Wellness-Charakter gesehen, konstatiert der Soziologe Jean-Claude Kaufmann von der Pariser Sorbonne-Universität. Jenseits aller Tugendtümelei wirft die Entwicklung grundsätzliche Fragen zu Moralvorstellungen und dem Wesen von Beziehungen auf. Für einen Teil der Bevölkerung war und ist die Suche nach losen Kontakten oder Affären schon immer Normalität. Neu ist: Die offene Akzeptanz dafür hat zugenommen - und das nicht mehr nur bei Männern. Das Selbstbewusstsein von Frauen in Sachen Sex wächst.

Wirtschaftlicher Druck: Die Goldgräberzeiten sind für das Gros der traditionellen Online-Kuppler vorbei, die Suche nach Alternativen und Ergänzungen zum lahmenden Kerngeschäft beginnt. Denn während die Umsätze vieler Datingdienste in der Vergangenheit allein schon deshalb zulegten, weil die Zahl der Internet-Nutzer stieg und die Partnersuche via Netz gesellschaftsfähig wurde, ist das Marktwachstum in Deutschland inzwischen deutlich abgeflaut. Der Werbedruck steigt, zugleich sind Einstiegsbarrieren für neue Anbieter gering. Web-Spezialisten bieten Seitenbetreibern bereits Fertigbausätze für den Start eigener Nischenplattformen an ? inklusive einer Grundausstattung an Mitgliederprofilen. Und so tummeln sich neben den Schwergewichten Parship, eDarling und Elitepartner zig Singlefundgruben im Netz.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

10.05.2012, 11:55 Uhr

Die Telekom als Zuhälter im Namen des Profit.

Account gelöscht!

10.05.2012, 14:48 Uhr

Ups, was ist denn hier heute mit Kontakte Internet los?
Macht man doch heute alles über Facebook? :))

schwedenpeter

05.11.2012, 12:40 Uhr

schwarzesglueck.de ist kein Portal für Satanisten, sondern überwiegend für die Gothicszene. Schlechte Recherche...

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