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05.01.2005

12:23 Uhr

Sender kämpft gegen schlechtes Image

RTL 2 gerät mit Werbetochter El Cartel Media unter Druck

VonHans-Peter Siebenhaar

Der Versuch des Fernsehsenders RTL 2, einen dritten großen TV-Werbevermarkter zu etablieren, steht vor einer Bewährungsprobe. Der Geschäftsführer der Werbetochter El Cartel Media, Christian Overlack-Baudis, wird Ende Januar das Unternehmen verlassen. Das bestätigte ein Sprecher dem Handelsblatt.

DÜSSELDORF. In Branchenkreisen war bereits in den vergangenen Monaten über Probleme bei der Werbetochter El Cartel Media („Der Wegweiser“) spekuliert worden. Overlack- Baudis war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. In Unternehmenskreisen war von Meinungsverschiedenheiten mit RTL2-Chef Josef Andorfer die Rede. Denn die Einnahmen blieben hinter den Erwartungen zurück. „Ein Sender, der nur nach der Quote schielt, nicht nach den Einnahmen, kann einen Gesellschafter nicht befriedigen“, sagte RTL2-Gesellschafter Herbert Kloiber bereits im Herbst.

El Cartel Media kommt bei den Agenturen und Werbekunden nicht wie gewünscht an. Bei einer Untersuchung des Traunsteiner IFAK Instituts über die Zufriedenheit von Werbekunden im November, die dem Handelsblatt vorliegt, bekam El Cartel Media schlechte Noten. RTL 2 bemüht sich, den Schaden durch das Ausscheiden von El-Cartel-Media Chef Overlack-Baudis zu begrenzen. Seine Aufgaben wird Andorfer übernehmen. RTL 2 ist der profitabelste Sender in Deutschland. 2003 erzielte er bei einem Umsatz von 331 Mill. Euro einen Vorsteuergewinn von 64,2 Mill. Euro.

RTL 2 dementiert unterdessen Spekulationen über ein Ende der Werbetochter. „El Cartel Media hat sich als dritte Kraft im Markt bestens etabliert“, sagt ein Sprecher. Ursprünglich wollte RTL 2 mit der Gründung von El Cartel Media das Duopol der Fernsehkonzerne RTL und Pro Sieben Sat 1 aufbrechen. Deshalb sollte die im Januar 2004 gegründete Verkaufstochter schnell weitere Sender als Kunden zu finden. Doch Gespräche mit dem Kinderkanal Super RTL führten zu keinem Ergebnis.

Trotz der gescheiterten Expansion ist RTL 2 für seine Werbetochter optimistisch. „Der Sender steht voll und ganz hinter El Cartel Media. Das Team ist professionell und ausgesprochen motiviert“, sagte ein RTL2-Sprecher am Dienstag. Der Führungswechsel bei der Werbetochter kommt für RTL 2 zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Der „Big-Brother“-Kanal kämpft nicht nur gegen die schwierige Werbekonjunktur, sondern auch gegen das miserable Image. „Das schlechte Umfeld durch Formate wie Big Brother ist nicht gerade attraktiv für Werbekunden“, sagt ein Insider.

Bei der Quote blieb RTL 2 hinter den Erwartungen zurück. Statt der von Andorfer angekündigten 8,5 Prozent Marktanteil in der werberelevanten Zielgruppe waren es durchschnittlich nur 7,5 Prozent. Das ist aber noch eine Steigerung um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch offenbar kann RTL 2 die Quote nicht in Werbeeinnahmen ummünzen. „Das Problem ist, dass der Sender es nicht schafft, die Marktanteile im Werbemarkt zu kapitalisieren“, sagte ein Insider. Der Sender wollte gestern keine Netto-Werbeumsätze nennen. Ein Sprecher sagte nur: „Wir haben unsere Brutto-Werbeerlöse 2004 um zehn Prozent gesteigert.“ Allerdings öffnet sich die Brutto-Netto-Schere immer weiter. 2003 lag der Rabatt im Durchschnitt aller Sender bereits bei 48,7 Prozent. Zahlen für 2004 liegen noch nicht vor.

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