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19.03.2014

17:05 Uhr

Sicherheitsrisiko

Wie Windows XP den Bundestag gefährdet

VonChristof Kerkmann

Dem Bundestag droht ein gewaltiges Sicherheitsproblem: Auf den meisten Rechnern läuft das Uralt-Betriebssystem Windows XP. Weil es dafür bald keine Sicherheits-Updates mehr gibt, haben Hacker und Spione leichtes Spiel.

Das Gebäude des Deutschen Bundestages ist gut abgesichert, für die IT-Systeme gilt das aber nur bedingt. dpa

Das Gebäude des Deutschen Bundestages ist gut abgesichert, für die IT-Systeme gilt das aber nur bedingt.

DüsseldorfDas Jahr 2001 ist in der schnelllebigen Politik fast vergessen. Rot-Grün regierte das Land, im Bundestag ging es um Haushaltslöcher und den Kampf gegen den Terror. Doch technisch sind die Abgeordneten noch auf dem Stand von damals: Auf den meisten Rechnern im Parlament ist das Betriebssystem Windows XP installiert, das Hersteller Microsoft im Herbst des Krisenjahres auf den Markt brachte.

Bei allen großen politischen Debatten ist das keine Nebensache. Der Software-Oldie geht achteinhalb Jahre nach Bundeskanzler Schröder in den Ruhestand: Am 8. April stellt Microsoft die Unterstützung ein. Damit schließt der Konzern auch nicht mehr neu aufreißende Sicherheitslücken. Kriminelle Hacker und Spione haben somit es leichter denn je, die Volksvertreter auszuspähen. Auch einige Landesparlamente und -verwaltungen nutzen immer noch das Uralt-System. Ein Offenbarungseid im Jahr 1 nach den Snowden-Enthüllungen.

Die Risiken der überalterten Software sind immens. „Angreifer können die komplette Kontrolle übernehmen“, warnt Professor Gordon Rohrmair von der Hochschule Augsburg. Das heißt: Sie können sämtliche Inhalte auf dem Rechner ausspähen, unter fremdem Namen E-Mails verschicken oder über Webcam und Mikrofon den Raum ausspionieren. Womöglich bietet der Rechner gar Zugang zum ganzen Netzwerk. Ob es um Mittelständler mit Hightech-Produkten oder den Bundestag geht: ein beunruhigender Gedanke.

Alles rund um Windows XP

System mit langem Leben

Windows XP ist langlebig: Microsoft brachte es im Herbst 2001 auf den Markt. Den Verkauf stoppte der Hersteller erst 2008, billige Notebooks mit dem System gab es sogar noch länger. Weltweit läuft es noch auf 14 Prozent der Computer, in Deutschland liegt der Marktanteil im einstelligen Bereich.

Stabiler und einfacher

Microsoft gelang mit Windows XP ein großer Schritt nach vorne: Der Software-Riese gestaltete sein wichtigstes Produkt stabiler und benutzerfreundlicher. Im Nachhinein führte er außerdem mit Hilfe von Service Packs wichtige neue Funktionen wie eine Firewall ein, die das System verbesserten.

Ende nach fast 13 Jahren

Am 8. April 2014 stellt Microsoft endgültig den Support ein. Das bedeutet, dass der Hersteller keinen Kundendienst mehr bietet, aber auch Sicherheitslücken nicht mehr schließt. Gerade das ist für Anwender gefährlich. Gewerbliche Kunden können gegen Aufpreis einen Zusatzvertrag abschließen, um Schwachstellen noch zu schließen.

Einsatz in Fabriken und Geldautomaten

Windows XP und eine modifizierte Variante des Betriebssystems kommen nicht nur auf Computern zum Einsatz, sondern etwa auch in Fabriken und Geldautomaten. Die Umstellung betrifft also weit mehr Firmen, als man auf den ersten Blick denken mag.

Zeit für die Umstellung

Microsoft rät zur Umstellung von Windows XP auf eine moderne Variante seines Betriebssystems – natürlich nicht ganz uneigennützig. Doch auch unabhängige Experten raten dringend von XP ab, etwa das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Als Alternativen empfiehlt die Behörde entweder ein aktuelles Windows oder Linux; wer auf Apple aufsteigen will, kann auch einen Rechner mit Mac OS kaufen.

Nicht alle Bundesländer sind fertig

Auch Behörden müssen ihre Rechner umrüsten – und sind damit teilweise überfordert. Die meisten Bundesländer haben ihre Verwaltungen und Landtage bereits umgerüstet: Bayern, Baden-Württemberg, Bremen, Hessen, Brandenburg, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und das Saarland beispielsweise. Andere Länder wollen die Migration zum 8. April abgeschlossen haben, etwa Thüringen. Niedersachsen und Berlin brauchen dagegen noch mehrere Monate.

Schon seit 2007 ist klar, dass der Software-Konzern die Unterstützung für Windows XP zum 8. April einstellt und keine Sicherheitsupdates mehr entwickelt. Doch bei der Umstellung auf ein sicheres System haben sich viele Firmen, Behörden und Privatleute Zeit gelassen – sie ist aufwendig und teuer.

Ausgerechnet der Deutsche Bundestag ist ein schlechtes Vorbild. Die Bundestagsverwaltung betreut 7300 IT-Arbeitsplätze, auf knapp drei Vierteln (73 Prozent) kommt das System noch zum Einsatz. Die Umstellung – im Fachjargon Migration genannt – dauere bis zum Jahresende, teilte ein Sprecher auf Anfrage von Handelsblatt Online mit. Die Abgeordnetenbüros sollen bis Ende Mai umgerüstet werden.

Berlin und Niedersachsen sind spät dran

Auch einige Bundesländer bummeln. Niedersachsen etwa will die Arbeitsplätze der Verwaltung und der Landtagsabgeordneten erst im zweiten und dritten Quartal mit neuer Software ausstatten. Im klammen Berlin werden zum Stichtag noch rund 32.000 der 70.400 IT-Arbeitsplätze Windows XP nutzen. Die Umstellung sei Aufgabe der jeweiligen Senats- oder Bezirksverwaltung, betont ein Sprecher auf Anfrage.

Ob in Berlin oder Hannover: Angreifer haben es damit deutlich leichter.

Kommentare (12)

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19.03.2014, 17:12 Uhr

Also ich glaube, hier wird schmalos übertrieben. Wir alle lieben unsere Parlamentarier, die sich selbst ernannt haben und die nichts so sehr hassen, wie die ehrliche Meinung des Volkes. Eoin Referendum erzeugt bei denen schlimmstes Magengrummeln und darum schimpfen sie auf ehrliche Menschen, wie gerade in der Schweiz und gerade zum Referendum auf der Krim.

Ist das eine Drohung, oder ein Versprechen, dass Windows XP den Bundestag ölahm legt?

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19.03.2014, 17:31 Uhr

Für MERKEL ist das Internet Neuland. Sie laesst sich zwar gerne auf der CEBIT oder sonstwo mit IT-Groessen ablichten, aber damit endet ihre IT-Affinitaet auch schon.

Und der Schmalspurinnenminister FRIEDRICH und sein Nachfolger De MAIZIERE verstehen beide ebenfalls wenig von IT. Stattdessen kuemmern oder kuemmerten sie sich lieber um die auch so gefaehrlichen Migranten und Asylsuchenden. Dabei stellen beide eine viel groeßere Bedrohung fuer unsere Demokratie dar.

MERKELS Gurkenministerkoennen ja kaum die Gefaehrdungslage einschaetzen geschweige denn fristgerecht loesen.

Aber bei der Diaetenerhoehung da waren alle mal wieder sehr schnell. Geld und Dienstfahrzeuge - da koennen selbst die lahmsten Politiker auf´s Gaspedal treten.

Account gelöscht!

19.03.2014, 17:38 Uhr

Man bedenke: der Reichstag im Würgegriff von Microsoft^^.

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