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26.02.2016

10:31 Uhr

Sky und die Bundesligarechte

Ein Jubiläum ohne Feierlaune

Die Konkurrenz im Kampf um die Bundesliga scheint für den Marktführer Sky so groß wie nie. 25 Jahre, nachdem der Pay-TV-Sender erstmals eine Partie live übertrug, muss Sky um sein wichtigstes Zugpferd bangen.

Die Rechte an der Fußballbundesliga sind das Kerngeschäft des Bezahlsenders. dpa

Sky

Die Rechte an der Fußballbundesliga sind das Kerngeschäft des Bezahlsenders.

UnterföhringIm Jahr des Jubiläums geht es für Sky Deutschland um alles oder nichts. Die Fußball-Bundesliga schreibt in wenigen Wochen die Medien-Rechte aus – und kein anderes Unternehmen der Branche ist davon so abhängig wie Deutschlands größter Pay-TV-Anbieter. Ohne „Alle Spiele, alle Tore“, wie Sky sein umfangreiches Bundesliga-Programm bewirbt, drohen dem chronisch defizitären Unternehmen massive Probleme.

„Wir verteidigen, was wir haben“, sagte Sky-Chef Carsten Schmidt im vergangenen Jahr während eines Kongresses in Köln. Bei einem seiner eher raren Auftritte in der Öffentlichkeit erklärte der Vorsitzende der Geschäftsführung zur Rechtevergabe: „Man bekommt mit der Zeit eine gewisse Gelassenheit, ohne es zu unterschätzen.“

An der Bedeutung der Bundesliga für das Unternehmen besteht kein Zweifel. Die Sky-Führung ist sich „im Klaren, wie wichtig Fußball ist“, sagte Schmidt der „Süddeutschen Zeitung“. „Wahrscheinlich ist unsere Verbindung zum Fußball viel intensiver und enger als die jedes anderen Unternehmens in Deutschland.“

Konkurrenz für Sky: Eurosport bekräftigt Interesse an Bundesliga-Rechten

Konkurrenz für Sky

Eurosport bekräftigt Interesse an Bundesliga-Rechten

Die Deutsche Fußball-Liga will in den kommenden Wochen mit der Ausschreibung der Medienrechte beginnen. Im Poker um die Bundesliga könnte auch die Discovery-Tochter Eurosport mitmischen. Allerdings nicht um jeden Preis.

Die 612 Live-Spiele pro Saison und die beliebten Konferenzschaltungen der beiden Ligen sind der Kern des Geschäfts. Immerhin war Sky unter dem alten Namen Premiere (bis 2009) der Vorreiter für Bundesliga-Fußball im Pay-TV. Am 2. März 1991 übertrug der Abonnement-Sender erstmals ein Spiel live – den 4:3-Sieg von Eintracht Frankfurt gegen den späteren Meister 1. FC Kaiserslautern. Premiere-Gründer waren der Medienkonzern Bertelsmann, der französische Bezahlsender Canal Plus und der Münchner Filmhändler Leo Kirch. Sie wollten mit 400 Spielfilmen im Jahr und Live-Übertragungen von Bundesliga-Spielen Pay-TV auch in Deutschland profitabel machen.

Doch das Angebot von öffentlichen und privaten Fernsehsendern in Deutschland ist breit – zu wenige Zuschauer wollten auch noch Geld für ein Abo-TV bezahlen. Bertelsmann und Canal-Plus stiegen aus. Premiere häufte Verlust auf Verlust, und 2002 ging der in Milliardenhöhe überschuldete Kirch-Konzern Pleite.

Premiere wurde zwar gerettet, ein Börsengang spülte 2005 frisches Geld in die Kasse. Aber kurz darauf unterlag der Sender im Kampf um die Bundesliga-Rechte gegen den Neuling Arena – die Aktie verlor sofort die Hälfte ihres Werts. Arena kam schließlich nicht in die Gänge und ließ Premiere die Bundesliga über Kabel, 2007 auch wieder über Satellit verbreiten. Die Zahlen blieben dennoch rot.

Das Imperium des Rupert Murdoch

Geerbtes Unternehmen

Rupert Murdoch kam 1931 in Australien zur Welt. Das Unternehmertum liegt in der Familie: Sein Vater kaufte sich in die Zeitungskette News Limited ein, Sohn Rupert erbte sie 1952 – und baute sie zu einem Medienimperium aus, zu dem heute neben den Zeitungen in aller Herren Länder auch der Buchverlag Harper Collins, Internetbeteiligungen, Fernsehsender und mit „20th Century Fox“ ein legendäres Hollywood-Studio gehören.

Von der „Sun“ bis zum „Wall Street Journal“

Begonnen hat alles mit der Zeitung „The News“ aus dem australischen Adelaide, die der damals Anfang 20-jährige Rupert von seinem Vater übernahm. Später verleibte sich Murdoch in Großbritannien die renommierte Londoner „Times“ ein, außerdem das Massenblatt „Sun“. Die britische Sonntagszeitung „News of the World“ stampfte Murdoch nach einem Abhörskandal kurzerhand ein. Im Jahr 2007 landete Murdoch einen seiner größten Coups, indem er den US-Konzern Dow Jones übernahm, den Herausgeber Wirtschaftsblatts „Wall Street Journal“.

Fox-Fernsehsender

Flaggschiff des Konglomerats sind die amerikanischen Fox-Fernsehsender, die wegen ihrer konservativen Ausrichtung berühmt-berüchtigt sind. Hier ist aber auch die Heimat der Kultsendung „Die Simpsons“. Die gelbe Zeichentrick-Familie mit Oberhaupt Homer und der guten Seele Marge nimmt in vielen Folgen den Sender und seinen Patriarchen selbst auf die Schippe.

Auch in Deutschland aktiv

Murdoch hält die Mehrheit am Bezahlsender Sky, dem früheren Premiere. Sein Sohn James ist seit 2016 wieder Vorsitzender des Aufsichtsrates beim britischen Mutterkonzern.

Schiffbruch mit MySpace

Murdoch erkannte früh die Chancen des Internet und traute sich als einer der ersten großen Verleger, Geld für Nachrichten im Netz zu verlangen. Mit einem anderen Projekt erlitt er indes Schiffbruch: Das einstmals größte Online-Netzwerk MySpace ist nach dem Siegeszug von Facebook heute nur noch ein Schatten seiner selbst.

Aufspaltung in zwei Bereiche

2013 spaltete Murdoch sein Imperium in zwei Reiche auf: die profitable Filmsparte 21st Century Fox und das schwächelnde Verlagsgeschäft News Corp.

Der Medienunternehmer Rupert Murdoch baute seine Anteile aus: Der Sender wurde in Sky umbenannt, 2013 übernahm Murdoch die Mehrheit. Heute hat Sky in Deutschland und Österreich 4,5 Millionen Kunden und setzt 1,8 Milliarden Euro im Jahr um. Unter dem Strich steht aber immer noch ein Verlust – im vergangenen Halbjahr 47 Millionen Euro.

Von 1998 an übertrug Premiere drei Bundesligapartien pro Spieltag, je eines am Freitag, Samstag und Sonntag. Zwei Jahre später hieß es erstmals „Alle Spiele, alle Tore“: Premiere zeigte alle Partien des Spieltages und startete zudem die Konferenz-Schaltung. Unterbrochen wurde die Bundesliga-Berichterstattung von Premiere/Sky nur durch das letztlich gescheiterte Arena-Gastspiel in der Saison 2006/2007.

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