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16.01.2017

16:35 Uhr

Smart-Home-Firma

Nest startet jetzt in Deutschland

VonChristof Kerkmann

Nest Labs ist ein Vorreiter in Sachen Smart Home. Nun verkauft die Google-Tochter vernetzte Rauchmelder, Kameras und Thermostate auch in Deutschland. Sicherheitsbedenken will Mitgründer Matt Rogers zerstreuen.

Nutzer sollen ihr Zuhause rund um die Uhr überwachen können. Nest Labs

Nest-Kamera

Nutzer sollen ihr Zuhause rund um die Uhr überwachen können.

MünchenDas eigene Zuhause immer im Blick, ob im Urlaub oder bei der Arbeit – diese Idee ist in den letzten Monaten in Misskredit geraten. Denn vernetzte Überwachungskameras, die über das Smartphone einen Einblick gewähren, haben mehrfach mit gravierenden Sicherheitsmängeln Schlagzeilen gemacht. Bei einigen Modellen können andere Nutzer mit wenigen Klicks im Internet verfolgen, was sich vor dem Objektiven abspielt.

Die Firma Nest Labs, vor drei Jahren für 3,2 Milliarden Dollar von Google übernommen, will es besser machen. Sie hat am Montag auf der Konferenz DLD in München angekündigt, ihre Produkte fürs vernetzte Zuhause nun auch in Deutschland und Österreich zu verkaufen. Neben zwei Kameras gehören dazu ein Rauchmelder und mit etwas Verzögerung ein Thermostat. Datenschutz und IT-Sicherheit seien dabei von vornherein mitbedacht worden, betonte Mitgründer Matt Rogers gegenüber dem Handelsblatt: „Das Vertrauen der Nutzer ist alles.“

Mit den Kameras sollen Nutzer ihr Zuhause rund um die Uhr überwachen können. Software zur Bilderkennung analysiert Bewegungen, um Fehlalarme zu vermeiden, etwa wenn eine Katze durch den Garten läuft. Der Rauchmelder erkennt Brände und Kohlenmonoxid. Bei verdächtigen Werten gibt er über Lautsprecher eine Warnung aus und sendet eine Mitteilung aufs Smartphone. Andere Geräte lassen sich in das System integrieren: So können vernetzte Lampen eines anderen Herstellers bei einem Feuer rot aufleuchten.

Das Internet der Dinge

Alltägliche Objekte im Netz

Das Internet ist bekannt als Infrastruktur, über die Menschen Daten austauschen – ob mit dem PC, Laptop oder Smartphone. Es geht also letztlich um Computer, die miteinander kommunizieren. Doch heutzutage lassen sich immer mehr Objekte vernetzen: Heizung und Haustür, T-Shirt und Brille, Auto und Heizung.

Eine Sache, viele Begriffe

Den Begriff „Internet der Dinge“ prägten Wissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston Ende der 90er Jahre. Es kursieren aber viele Begriffe. „Industrial Internet“ betont die wirtschaftliche Bedeutung, „Machine to Machine“ (abgekürzt M2M) beschreibt eher technisch, dass Geräte autonom Daten austauschen.

Einsatz in der Wirtschaft

Bislang ist das Internet der Dinge vor allem eine Sache der Wirtschaft: Logistikunternehmen verfolgen beispielsweise den Weg von Lieferungen. Technologie-Hersteller bringen aber zunehmend auch Produkte für Verbraucher auf den Markt, etwa Heizungssteuerungen.

Mini-Computer und Funkantenne

Vernetzte Objekte benötigen eine Art Mini-Computer und eine Funkantenne, außerdem Sensoren – im Fall einer Heizungssteuerung etwa, um die Temperatur zu messen. Diese Komponenten sind in den vergangenen Jahren so geworden, dass immer neue Einsatzgebiete in Frage kommen.

Sextillionen von Adressen

Damit vernetzte Objekte übers Internet gesteuert werden können, muss man sie eindeutig ansprechen können. Ein neuer Standard namens IPv6 soll dafür sorgen, dass auch im Zeitalter vernetzter Autos und Heizungen genügend IP-Adressen vorhanden sind – es sind 340 Sextillionen, also eine 340 mit 36 Nullen.

Markt mit Riesenpotenzial

Es ist schwierig, den Vernetzungstrend in Zahlen zu fassen, der Markt ist noch zu jung. Der Marktforscher Gartner wagt die Prognose, dass bis 2020 rund 26 Milliarden Geräte im Internet der Dinge sind – PCs, Tablets und Smartphones sind darin nicht eingeschlossen. Der Umsatz mit Produkten und Diensten werde auf mehr als 300 Milliarden Dollar wachsen. Noch optimistischer ist der Netzwerkausrüster Cisco, der bis dahin 50 Milliarden vernetzte Geräte erwartet.

Diskussion über Datenschutz

Der Siegeszug der vernetzten Geräte dürfte einige Diskussionen über den Datenschutz nach sich ziehen. Ein Beispiel: Darf eine Versicherung die Bewegungsdaten eines Autobesitzers auswerten, um den Tarif ans Fahrverhalten anzupassen? Oder darf die Polizei nach einem Unfall überprüfen, ob der Fahrer zu schnell war?

Das Thermostat, mit dem das Unternehmen bekannt geworden ist, soll allerdings erst im Laufe des Jahres folgen. Es muss noch an die hierzulande verbreiteten Heizungssysteme angepasst werden, die sich von den Geräten in anderen Ländern unterscheiden. Derzeit sprechen die Nest-Entwickler noch mit den Herstellern über eine Integration. Das Münchner Start-up Tado bietet in Deutschland bereits ein Produkt an, das die Steuerung übernimmt.

Nest verspricht, dass sie die Kontrolle über ihre Daten behalten. „Wir sind wie ein Gast in Ihrem Zuhause – und so benehmen wir uns auch“, sagte Rogers, der beim Unternehmen inzwischen die Produktentwicklung verantwortet. Ohne Zustimmung der Nutzer geschehe nichts; „opt-in“ nennen Datenschützer dieses Verfahren. Selbst Mutterkonzern Alphabet oder die Schwesterfirma Google hätten keine besondere Rechte, betonte Rogers.

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