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10.12.2011

00:21 Uhr

Smartphone-Betriebssystem

HP verschenkt WebOS und greift Google an

VonAxel Postinett

WebOS sollte einmal die zentrale Software für alle Geräte von Hewlett-Packard werden. Jetzt macht der Konzern das Smartphone-Betriebssystem frei verfügbar. Das ist als Frontalangriff auf den Rivalen Google zu sehen.

Das „Touchpad“ von HP funktioniert mit WebOS. dapd

Das „Touchpad“ von HP funktioniert mit WebOS.

San FranciscoDie Software WebOS steht in Zukunft jedermann zur freien Verfügung. Das teilte der kalifornische IT-Konzern in Palo Alto mit. Hersteller können auf Basis des Betriebssystems jetzt eigene Geräte entwickeln. Privatleute oder Softwarefirmen werden das Betriebssystem, das dann unter einer „Open Source“-Lizenz verteilt wird, weiterentwickeln.

Auch HP, so die Konzernchefin Meg Whitman, werde sich aktiv daran beteiligen. WebOS wird damit zu einer Konkurrenz für Googles Software Android, die ebenfalls frei verfügbar ist und deren Entwicklung Google aktiv vorantreibt. Android ist derzeit Marktführer bei den Smartphone-Betriebssystemen und bei den Tablets die Nummer zwei hinter Apples iOS.

Mit dem Schritt zieht Whitman einen Schlussstrich unter die über 1,2 Milliarde Dollar teure Akquisition des Handheld-Pioniers Palm, der erfolglos Smartphones mit WebOS produziert hatte. HP hatte Palm übernommen und das Betriebssystem in seinem ersten Tablet-PC „Touchpad“ eingesetzt. WebOS sollte später die zentrale Software für alle Geräte des Konzerns bis hin zu Druckern oder Computern werden.

Aber auch das Touchpad scheiterte, und in einem spektakulären Schritt beendete der Computerkonzern unter dem damaligen Chef Léo Apotheker seinen Ausflug in den Smartphone- und Tablet-Markt nach nur zwei Monaten komplett.

Es wird erwartet, dass HP in Zukunft vor allem auf Windows 8 für Tablets setzt. Vor der Entscheidung WebOS allgemein verfügbar zu machen war vergeblich versucht worden, Lizenznehmer zu finden oder das System zu verkaufen.

Ob WebOS tatsächlich zu einer ernsten Konkurrenz zu Googles Android werden oder irgendwann sang- und klanglos in der Versenkung verschwinden wird, hängt jetzt in erster Linie vom Engagement freier Entwickler und der Risikofreude asiatischer Hardware-Hersteller ab.

Nach HP-Aussagen sind derzeit rund 750.000 WebOS-Geräte im Markt. Kommen neue Geräte, etwa Smartphones oder Tablets, mit WebOS im unteren Preissegment auf den Markt, wird auch die Entwicklung weiterer Apps, kleiner Zusatzprogramme, nicht aufhören.

Viele Hardwarehersteller sind durchaus an einer kostenlosen Alternative zu Googles Android interessiert, das von zahlreichen Patentklagen heimgesucht wird. Ersten Anbietern drohen mittlerweile Verkaufsstopps für ihre Geräte. Google ist zudem mit der Übernahme von Motorola zur ernsten Konkurrenz für seine Partner geworden.

HP selbst geht davon aus, dass mit der Freigabe des „einzigen von Grund auf mit der Cloud verknüpften Betriebssystems“ neue Hardwarepartner auftauchen werden. Namen werden aber nicht genannt.

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