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23.01.2015

20:06 Uhr

Smartphone des Fotopioniers

Warum es bei Kodak wieder Klick macht

VonChristof Kerkmann

Ironie der Wirtschaftsgeschichte: Der Fotopionier Kodak, den Digitalkameras in die Pleite trieben, bringt jetzt ein Kamera-Smartphone heraus. Warum die Firma in den umkämpften Markt dringt – wie so viele Konkurrenten.

Große Logos, einfache Bedienung: Das Kodak-Smartphone IM5 richtet sich an die Babyboomer-Generation. dpa

Große Logos, einfache Bedienung: Das Kodak-Smartphone IM5 richtet sich an die Babyboomer-Generation.

DüsseldorfDenkwürdige Situationen werden in den USA Kodak-Momente genannt: Man muss sie einfach fotografieren. Die gelben Filmrollen mit dem Kodak-Logo reisten früher in jeden zweiten Urlaub mit und waren bei fast jeder Hochzeit dabei, sie bannten Millionen solcher Augenblicke auf Zelluloid. Doch die starke Marke half nicht, als das Unternehmen den Trend zur digitalen Fotografie verpasste und in die Insolvenz rutschte.

In diesen Tagen feiert Kodak ein Comeback. Auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas kam das erste Smartphone mit dem bekannten Schriftzug heraus. Das IM5 soll es Nutzern besonders leicht machen, Fotos zu knipsen, per E-Mail oder Facebook zu teilen und später auszudrucken, ob zu Hause am PC oder auf einem Automaten im Fotogeschäft oder in der Drogerie.

All das klingt nach einer Geschichte über den Fall und Wiederaufstieg einer bekannten Marke. Doch hört man genauer hin, ist es eher eine Geschichte darüber, wie der Smartphone-Markt heutzutage funktioniert – und warum so viele Firmen wagen, großen Herstellern wie Samsung, Apple und Microsoft Konkurrenz zu machen.

Smartphone-Markt im Wandel

Samsung weniger dominant

Samsung ist der mit Abstand größte Hersteller von Smartphones, doch die Dominanz bröckelt. Im dritten Quartal 2014 verkaufte der südkoreanische Konzern 78,1 Millionen Smartphones und damit deutlich weniger als ein Jahr zuvor, als er 85 Millionen Geräte absetzte. Der Marktanteil sank von 32,5 auf 23,8 Prozent, wie der Marktforscher IDC ermittelt hat. Wegen niedrigerer Verkaufspreise sinkt auch der Profit.

Apple setzt auf Premium

Apple hält seinen Marktanteil mit 12 Prozent weitgehend stabil. Der Absatz stieg deutlich auf 39,3 Millionen Geräte, wozu die neuen Modelle iPhone 6 und iPhone 6 Plus einen deutlichen Beitrag leisteten. Weil der Konzern Premiumpreise verlangt, arbeitet er mit Margen, um die ihn die Konkurrenten beneidenk.

Xiaomi holt rasant auf

Im Westen ist Xiaomi kaum bekannt, doch in China ist der Smartphone-Hersteller äußerst populär. Dank dreistelliger Wachstumsraten ist das Unternehmen nun mit einem Marktanteil von 5,3 Prozent drittgrößer Hersteller. Im dritten Quartal verkaufte er 17,3 Millionen Handys, wozu vor allem das Highend-Gerät Mi4 beitrug. Die spannende Frage: Kann Xiaomi auch im Westen Fuß fassen?

Lenovo wächst mit Motorola

Lenovo hat sich als PC-Hersteller einen Namen gemacht, drängt aber auch in den wachsenden Smartphone-Markt. Im dritten Quartal 2014 verkaufte der Konzern 16,9 Millionen Geräte, vor allem in Asien, dem Nahen Osten und Afrika. Der Marktanteil betrug 5,2 Prozent. Mit der Übernahme von Motorola dürfte der Konzern weiter wachsen.

LG legt deutlich zu

Der koreanische Hersteller LG verkauft viele günstige Geräte, ist mit dem G3 aber auch im Premiumsegment vertreten. Im dritten Quartal verkaufte er laut IDC 16,8 Millionen Geräte und sicherte sich damit 5,1 Prozent des Smartphone-Marktes. Das Resultat: LG konnte zuletzt auch den Gewinn deutlich steigern.

Große Namen, kleiner Marktanteil

Jenseits der Top 5 finden sich viele bekannte Namen: Sony und Blackberry etwa, aber auch Microsoft als Käufer der Nokia-Gerätesparte. Auch der chinesische Hersteller Huawei zählt dazu. 48,6 Prozent des Marktes fallen in diese Sammelkategorie, die IDC nicht weiter aufschlüsselt.

Auch wenn das Handy den berühmten Namen trägt: Kodak baut das Smartphone nicht selbst, der mittlerweile gerettete Fotopionier stellt nur seine bekannte Marke zur Verfügung. Das Gerät stammt von der Bullitt Group. Das britische Unternehmen ist darauf spezialisiert, Elektronikgeräte für andere Marken zu fertigen, etwa robuste Smartphones für den Baumaschinenhersteller Caterpillar oder Lautsprecher und Kopfhörer für die britische Modekette Ted Baker.

„Wir überlegen: Wo ist eine Lücke im Markt?“, erklärt Oliver Schulte, der das Geschäft mit mobilen Geräten verantwortet. Dafür entwickle das Unternehmen ein passendes Produkt – und suche eine Marke, die dieses glaubwürdig verkörpere. Bullitt verspricht, dabei die Designsprache der Marke aufzugreifen und so ihre DNA nicht zu verfälschen.

Die Marktforschung ergab beispielsweise, dass bisher nur jeder vierte Babyboomer ein Smartphone nutzt, dieses Segment aber stark wachsen wird. „Die Babyboomer bringen Kodak immer noch eine große Loyalität entgegen“, sagt Schulte. Also kontaktierte seine Firma den Fotopionier, um in Lizenz ein Foto-Smartphone zu bauen. Der Kodak-Moment als Vermarktungsargument.

Das Resultat heißt IM5 und soll älteren Nutzern das Leben erleichtern: Es hat große, leicht zu treffende Schaltflächen; Enkel oder Kinder können Probleme über eine Fernwartungsfunktion beheben; und Fotos lassen sich direkt aus der App verschicken. Weil der Zielgruppe echte Bilder noch wichtig sind, verhandelt das Unternehmen außerdem mit den Betreibern von Fotodruckern über eine Integration.

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