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24.06.2014

21:03 Uhr

Smartphone für 129 Euro

Microsofts Zukunft heißt Android

VonAxel Postinett

Kehrtwende bei Microsoft: Vor Jahren brandmarkte der IT-Gigant Open-Source-Projekte wie Googles Android als „Krebsgeschwür“. Das neue Microsoft-Smartphone läuft aber mit Android – doch Google wird keinen Cent verdienen.

Das Nokia X2 läuft mit einem kastrierten Android-System PR

Das Nokia X2 läuft mit einem kastrierten Android-System

San FranciscoEin Schlag gegen Google: Am Tag vor dem Beginn der Google Hausmesse I/O in San Francisco präsentiert Microsoft sein neuestes Smartphone. Es läuft mit Android, und Opera aus Norwegen ist der Standardbrowser. Was komplett fehlt, das sind alle Google-Dienste mit denen der Konkurrent Geld verdienen könnte. Microsoft ist der nächste Angreifer nach Amazon, Samsung und Mi, dem Superstar aus China.

Es begann als Experiment von Nokia, jetzt wird es ein ernstzunehmendes Projekt von Microsoft und zeigt die Dramatik, mit der sich der Riese aus Redmond wandelt. Das Microsoft Nokia X2 ist ein Mittelklasse-Smartphone zunächst für Schwellenländer wie Russland, China und Indien. Das Betriebssystem ist ein modifiziertes Android von Google, bei dem alle Google-Angebote wie Browser, Google-Maps, App-Store oder E-Mail herausoperiert sind.

In Deutschland wird es im zweiten Halbjahr in den Markt gehen. Das X2 hat einen attraktiven 4,3-Zoll Bildschirm, ein Gigabyte Arbeitsspeicher, 16 GB Hauptspeicher, einen 1,2 GHz-Prozessor und eine 5 Megapixel-Kamera. Das ist nicht mehr als ein solides Angebot für Einsteiger, aber der Preis reißt es raus. Das Nokia X2 wird für ganze 129 Euro Endpreis angeboten.

Die Zeiten ändern sich, und zwar dramatisch. Noch 2001 fuhr der Software-Gigant aus Redmond scharfes Geschütz gegen die Konkurrenz auf, betrieb eifrige Lobbyarbeit in Washington. Für alle offene Software wie Linux, aus dem auch Android entstand, war demnach der Erzfeind des American Way of Live, Zerstörer der Wirtschaft, der Demokratie, ach was, der ganzen Welt! „Ich kann mir nichts vorstellen, das schlimmer ist für die Software-Industrie und das Patentrecht als Open Source“, orakelte Microsofts damaliger Chef für Betriebssysteme, um fortzufahren: „Ich bin Amerikaner, ich glaube an den amerikanischen Weg. Ich bin besorgt, dass die Politik das fördern wird. Ich glaube, wir haben zu wenig Aufklärungsarbeit geleistet, um den Gesetzgebern die Gefahr klarzumachen.“ Der damalige CEO Steve Ballmer bezeichnete Open Source als „Krebsgeschwür“.

Das ist vorbei. Der CEO heißt jetzt Satya Nadella und für ihn stehen Microsofts Internet-Dienste wie Onedrive, Outlook, Office365 oder Skype im Vordergrund. Egal auf welchem Betriebssystem. Dazu gehört auch Android. Stephen Elop, früherer Nokia-Chef und jetzt oberster Stratege für Microsofts Hardware-Business, macht es im Gespräch mit Handelsblatt Online klar: „Wer die nächste Milliarde Smartphone-Kunden erreichen will, der muss bei Android dabei sein.“

Googles Basissoftware hat den Einsteigermarkt weltweit und vor allem in den schnell wachsenden Märkten wie China, Indien oder Russland komplett im Griff. Die beiden Vorgänger des X2, das X und XL sind bereits Verkaufsrenner in Russland, so ein Nokia-Manager, der aber keine Zahlen nennen will. Der Marktführer für Suche und Kartendienste Yandex bootet hier Google aus. Yandex ist ebenfalls der Partner der Wahl als Google-Killer für Samsung mit seinem Smartphone auf Basis von Tizen. Das ist ebenfalls ein Linux-Betriebssystem wie Android. Das Samsung Z wird ebenfalls im zweiten Halbjahr starten.

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Kommentare (1)

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25.06.2014, 14:49 Uhr

Wann wird Windows XP Open source?
Immer noch rund ein Drittel aller PCs weltweit laufen mit diesem Betriebssystem, bei dem die Firma Microsoft immer noch über das absolute Know-How-Monopol verfügt. Niemand ausser ihnen ist in der Lage bekannt gewordene Sicherheitslücken zu beheben.
Dieses Monopol wird zu Erpressungszwecken mißbraucht. Die Erpressung heisst schlicht und einfach: Kaufen sie einen neuen PC mit einer neuen Windows-Lizenz.
Das deutsche Produkthaftungsgesetz ist hier erfrischend eindeutig: Die Haftung des Herstellers beträgt mindestens(!) zehn Jahre nach Produkteinführung, das aktuelle Windows XP ServicePack3 wurde in 2007 vorgestellt und ab 21. April 2008 ausgeliefert. Das sind noch lange keine zehn Jahre. Und genug verdient mit ihrem Betriebssystem haben sie auch. Die aktuellen Bargeldreserven von MS liegen im Bereich von rund 70 Milliarden, das hat sich schon gelohnt für die.
Es darf auch spekuliert werden, ob der reichste Softwarehersteller der USA und damit der Welt auch Einfluß auf die aktuell TTIP-Verhandlungen nimmt, mit der so etwas wie deutsches Recht, hier also das Produkthaftungsgesetz, für Firmen wie Microsoft ausgehebelt wird.
Die offizielle Microsoft Webseite ist hier ebenfalls erfrischend eindeutig:
<Zitat>
Sie haben nach dem Ende des Supports zwei Möglichkeiten, Ihren Computer zu schützen:
....
2. Kauf eines neuen PCs
<Zitat ende> siehe
http://windows.microsoft.com/de-de/windows/end-support-help

Noch Fragen?
Ach ja, fällt mir noch ein dazu, aktuell wurden beispielsweise im Berliner Bezirk Kreuzberg sämtliche Brunnen ausser Dienst gestellt, ein wichtiges Integrationsprojekt für deutsch-türkische Jugendliche nach über 40 Jahren komplett eingestellt, diverse andere Kinderfreizeiteinrichtungen geschlossen, um die geschätzten 2 Millionen Euro für die Neuanschaffung von rund 1100 bezirkseigenen PC plus Lizenzen zu finanzieren.
Nach Aussage des Bezirks-IT-Chefs gibt es keinen anderen Grund für die Neuanschaffungen ausser Erpressung.

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