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20.12.2013

14:54 Uhr

Smartphone-Hersteller

Blackberry macht Milliardenverlust

Für Blackberry geht es weiter rasant bergab: Der Smartphone-Hersteller verbuchte im dritten Quartal ein gigantisches Minus. Eine Partnerschaft mit Foxconn soll dem kanadischen Konzern wieder auf die Beine helfen.

Düstere Aussichten: Blackberry steht weiter unter Druck. ap

Düstere Aussichten: Blackberry steht weiter unter Druck.

TorontoBlackBerry rennen die Kunden in Scharen davon und bringen den Smartphone-Pionier immer stärker in die Bredouille. Das kanadische Unternehmen verkaufte im dritten Quartal lediglich 4,3 Millionen seiner einst weltweit dominierenden mobilen Alleskönner - 1,6 Millionen Stück weniger als noch in den drei Monaten zuvor. Zum Vergleich: Im abgelaufenen Quartal wanderten 33,8 Millionen iPhones von Apple über die Ladentische. BlackBerrys Kundenschwund führte zu einer milliardenschweren Abschreibung auf den Wert der Lager und unter dem Strich zu einem Verlust von 4,4 Milliarden Dollar. Im Vorjahr stand noch ein magerer Gewinn in der Bilanz. Nun soll eine Partnerschaft mit dem weltgrößten Produzenten von elektronischen Produkten, Foxconn, der auch für Apple arbeitet, für neuen Schwung sorgen.

Die in New York notierte Aktie gab vorbörslich sieben Prozent nach. Am Donnerstag war sie mit 6,25 Dollar aus dem Handel gegangen. Zu ihren besten Zeiten 2008 hatte die Aktie 148 Dollar gekostet.

Foxconn und BlackBerry, die eine fünfjährige Kooperation vereinbart haben, wollen als erstes ein Smartphone für Indonesien entwickeln und dies im April auf den Markt bringen. Danach sollen weitere Schwellenländer folgen. Ob im Rahmen der neuen Zusammenarbeit auch Gelder fließen, ist nicht bekannt.

Der Abstieg von Blackberry

Ein unterschätzter Konkurrent

Apple stellt im Januar 2007 das iPhone vor. Während Steve Jobs gewohnt großspurig von einer Revolution spricht, gibt sich Blackberry-Hersteller RIM konziliant: Nicht jeder könne auf Glas tippen, das Design der Blackberry-Geräte sei daher überlegen. Im neuen Segment der Smartphones ist RIM jedenfalls eine Bank.

Erstes Blackberry ohne Tasten

Gänzlich unbeeindruckt ist RIM aber nicht: Einige Monate nach dem iPhone-Start bringt das kanadische Unternehmen sein erstes Gerät mit Touchscreen heraus, das Blackberry Storm. Es soll die RIM-Smartphones auch unter normalen Verbrauchern zum Must have zu machen. Das Gerät ist pannenanfällig und bekommt allenfalls durchwachsene Rezensionen. Trotzdem steigert RIM seinen Marktanteil weiter.

Neues Betriebssystem

RIM übernimmt im April 2010 die Software-Schmiede QNX, deren Betriebssystem später die veraltete Blackberry-Software ersetzen und Smartphones, Tablets, aber auch Systeme wie Autoelektronik antreiben soll. Zu diesem Zeitpunkt steht Apple bereits kurz vor der Einführung des iPhone 4. RIM ist technologisch ins Hintertreffen geraten.

Ein Konkurrent fürs iPad?

RIM äußert sich öffentlich zwar skeptisch über Tablet-Computer, arbeitet aber selbst an einem solchen Gerät. Im April 2011 kommt das Playbook heraus. Es hat bereits das neue Betriebssystem QNX an Bord, enttäuscht aber trotzdem die Fachwelt, nicht zuletzt weil anfangs Programme für E-Mail, Kalender und Adressbuch fehlen. Der Absatz verfehlt die Erwartungen, bis der Preis deutlich sinkt.

Der Brain Drain beginnt

RIM kündigt im Juli 2011 an, 2000 Mitarbeiter zu entlassen – offiziell, um die „Kosten zu optimieren“. In den Vorjahren war die Belegschaft rasant gewachsen. Die Moral leidet unter den Einschnitten, viele Talente und auch etliche Führungskräfte verlassen von sich aus das Unternehmen im kanadischen Waterloo nahe der US-Grenze.

Serverausfall erschüttert Vertrauen

Im Oktober 2011 fallen die Server von RIM vier Tage lang aus, weltweit haben Nutzer Probleme, auf ihre Mails und Nachrichten zuzugreifen. Die Panne trifft RIM ins Mark: Sicherheit und Zuverlässigkeit sind bisher ein Markenzeichen der kanadischen Firma. Die schlechte Krisenkommunikation sorgt für zusätzlichen Frust.

Probleme mit dem neuen System

Auch das noch: RIM darf sein neues Betriebssystem aus markenrechtlichen Gründen nicht BBX nennen. Der neue Name lautet Blackberry 10, oder BB 10, wie RIM im Dezember 2011 erklärt. Zudem verschiebt die Firma den Start auf Ende 2012.

Die Chefs treten ab

Der Druck wird zu groß – die langjährigen Firmenchefs Mike Lazaridis und Jim Balsilie treten im Januar 2012 zurück, bleiben aber im Verwaltungsrat. Der bisherige Vorstand Thorsten Heins, 54, übernimmt.

Neue Geräte, neues Glück?

Nach mehreren Verzögerungen präsentiert RIM im Januar 2013 das neue Betriebssystem Blackberry 10 und sechs neue Smartphones. Sie sollen nicht nur Managern die Arbeit erleichtern, sondern auch Spaß machen – so wie das iPhone oder die zahlreichen Android-Geräte. Doch der Absatz bleibt hinter den Erwartungen zurück, der Marktanteil fällt immer weiter. Das Unternehmen benennt sich um und heißt nun wie sein wichtigstes Produkt.

Neuer Chef krempelt Blackberry um

2013 denkt das Blackberry-Management über einen Verkauf des Unternehmens nach. Am Ende stellt die kanadische Finanzfirma Fairfax mit anderen Investoren eine Milliarde Dollar frisches Geld zur Verfügung. Der deutsche Chef Thorsten Heins geht im November 2013, der frühere Sybase-Chef John Chen übernimmt. Er richtet das Unternehmen neu aus und stellt Software in den Mittelpunkt. Das Hardware-Geschäft lagert er aus - und beendet damit eine traditionsreiche Geschichte.

BlackBerry hatte erst kürzlich beschlossen, sich doch nicht mehr um einen Käufer zu bemühen, sondern eigenständig wieder auf die Beine zu kommen - offenbar aufgrund fehlender Offerten. Dies dürfte aber trotz einer Geldspritze in Höhe von einer Milliarde Dollar von Langzeit-Investoren wie dem Großaktionär Fairfax Financial schwer werden.

Während Rivalen wie Samsung und Apple auf dem hart umkämpften Smartphone-Markt weiterhin hervorragende Geschäfte machen, entpuppen sich die BlackBerry-Geräte trotz aller Bemühungen zusehends als Ladenhüter. Der Marktanteil bricht weiter ein und auch bei der einst sicheren Kundenbank - den Geschäftsleuten - sind BlackBerrys ersetzlich geworden. Da half es nichts, dass sich das Unternehmen die Soulsängerin Alicia Keys als Kreativdirektorin ins Boot holte und seine neuen Modelle mit viel Tamtam weltweit bewarb. Der Umsatz brach im abgelaufenen Quartal bis Ende November um 56 Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar ein.

Im November hatte der Konzern den deutschen Chef Thorsten Heins nach weniger als zwei Jahren im Amt vor die Tür gesetzt und engagierte stattdessen den Software-Spezialisten John Chen. Dieser kündigte nun an, den Sparkurs fortzusetzen. Längst steht fest, dass jeder Dritte der knapp 13.000 Mitarbeiter gehen muss. Zugleich gab sich Chen zuversichtlich, dass dem Konzern angesichts seiner Bargeld-Reserven die Kehrtwende gelingt.

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Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

21.12.2013, 05:08 Uhr

Hiermit bewerbe ich mich offiziell für den Chef-Posten bei Blackberry. Nach so vielen Versagern und Fehlentscheidungen kann ich nicht mehr länger zuschauen, wie dieses Unternehmen komplett an die Wand gefahren wird und wie Quartal für Quartal Milliarden von Dollar verbrannt werden. Da es mir um Sache geht, sind meine Gehaltsvorstellungen minimal: Eigenes, kleines, ruhiges Büro sowie einen Smart als Firmenwagen. Statt Gehalt nehme ich Taschengeld- soviel, das es für eine ruhige 1-Zimmer-Whg. und Essen reicht. Mehr brauche ich nicht. Bei Blackberry braucht es ein Reset und Neuanfang mit völlig anderer Strategie. Das Marketing ist von Vorgestern. Also bitte zeitnah melden ! Freue mich!

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