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09.10.2014

09:38 Uhr

Smartphone-Hersteller HTC

Mit einer Kamera gegen das Nokia-Schicksal

VonAxel Postinett

Die Geschichte klingt bekannt: HTC, einst erfolgreicher Smartphone-Hersteller, kommt gegen die Konkurrenz nicht mehr an. Nun soll eine Action-Kamera Kunden zurückgewinnen. Reicht das, um dem Nokia-Schicksal zu entgehen?

Die Action-Kameras von HTC: Der Hersteller will neue Märkte erschließen. Reuters

Die Action-Kameras von HTC: Der Hersteller will neue Märkte erschließen.

New YorkDas lässt sich Cher Wang nicht nehmen: Die Mitgründerin des Smartphone-Herstellers HTC und eine der reichsten Frauen Asiens sitzt in der vordersten Reihe in einer alten Fabrik in Manhattan. Über die Bühne flanieren wie in einer Modenschau langbeinige Models, dann stellt Firmenchef Peter Chou ein Smartphone und eine kleine Kamera namens Re vor. Sie sieht aus wie ein gebogenes Rohr, hat keinen Sucher oder Bildschirm, nur eine Linse – und soll bei HTC eine neue Ära einläuten.

Für HTC sind es schwierige Zeiten: Der Smartphone-Absatz des taiwanischen Herstellers schwächelt seit Jahren, Apple und Samsung, aber auch zahlreiche chinesische Neulinge machen ihm Konkurrenz. Neue Produkte sollen für neues Wachstum sorgen – neben der Kamera auch das Smartphone Desire Eye, das speziell für Selfies konstruiert ist, sowie ein Programm zur Videobearbeitung. Firmenchef Peter Chou verspricht einen „Meilenstein“. Der muss es allerdings auch sein, sonst droht nach nur 17 Jahren Firmengeschichte das Schicksal, das Nokia, Motorola und Blackberry ereilt hat: der Absturz in die Bedeutungslosigkeit.

Fakten zu HTC

Smartphone-Pionier aus Taiwan

HTC ist den meisten wohl erst seit einigen Jahren ein Begriff, dabei gibt es das taiwanische Unternehmen bereits seit 1997. Lange arbeitete es als Auftragsfertiger und baute für andere Firmen Notebooks, Handys und elektronische Assistenten (PDAs).

Schwenk zu Android

Anfangs baute HTC Handys mit dem Microsoft-System Windows Mobile. Nachdem Google sein Betriebssystem Android vorgestellt hatte, setzte HTC aber verstärkt auf das offene Betriebssystem – zunächst mit einigem Erfolg.

Keine Chance gegen Samsung

Nach anfänglichen Erfolgen mit Android-Smartphones litt HTC jedoch unter der wachsenden Konkurrenz. Gerade der Konkurrent Samsung mit seinem riesigen Marketingbudget hängte den taiwanischen Hersteller ab. Der Umsatz schrumpfte, der Marktanteil ebenso, auch der Aktienkurs ging auf Talfahrt.

Misserfolg mit Beats

HTC übernahm 2011 für rund 300 Millionen Dollar den Kopfhörerhersteller Beats. Doch die Hoffnung auf einen Verkaufserfolg insbesondere bei jüngeren Nutzern erfüllte sich nicht – und das Unternehmen gab seine Anteile an den Finanzinvestor Carlyle weiter. Inzwischen hat Apple Beats übernommen.

Weniger, aber bessere Geräte

Ein Grund für die Misere lag in der unübersichtlichen Modellpalette. HTC-Chef Peter Chou will sich nun auf weniger Produkte konzentrieren. Das größte Augenmerk gilt den Topmodellen, etwa dem HTC One und dem Nachfolger HTC One M8.

Werbung in der Champions League

Um die eigene Marke bekannter zu machen, wirbt HTC in der Champions League. Zudem gewann das Unternehmen den Schauspieler Robert Downey Jr. („Iron Man“) für eine Marketingkampagne.

Die Kamera ist für HTC die erste große Produktneuerung seit der – letztlich erfolglosen – Einführung von Tablets vor drei Jahren. Angesiedelt ist sie irgendwo zwischen der erfolglosen und mittlerweile eingestellten Flip-Cam und der erfolgreichen Actioncam von Börsenneuling Gopro. Ein einziger Knopf löst Foto- oder Videoaufnahmen aus, ein Weitwinkel-Objektiv sorgt dafür, dass alles aufs Bild kommt, wenn man das kleine, wasserdichte Periskop ungefähr in die richtige Richtung hält.

Ziel sei es, so Chou, den Nutzer vom Starren auf den Bildschirm des Smartphones wegzubekommen. Das Erlebnis der Situationen rückt wieder in den Mittelpunkt, nicht das Aufzeichnen. Gopro macht das auch so, Extremsportler und Action-Profis sind die Zielgruppen. Re hingegen spricht Eltern an und kostet mit 199 Euro deutlich weniger als das Vorbild.

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