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26.09.2014

13:53 Uhr

Smartphone-Hersteller in der Krise

Blackberry rutscht in die roten Zahlen

Sie folgen einem konsequenten Sparkurs, doch Altlasten hängen dem Smartphone-Hersteller Blackberry nach: Kurz nach der Vorstellung den neuen Modells müssen die Kanadier nun weniger erfreuliche Neuigkeiten präsentieren.

Er kann den Konzern nicht vor den Auswirkungen der Versäumnisse in der Vergangenheit bewahren: Der neue Blackberry CEO John Chen bei der Vorstellung des neuen Modells in Toronto. Reuters

Er kann den Konzern nicht vor den Auswirkungen der Versäumnisse in der Vergangenheit bewahren: Der neue Blackberry CEO John Chen bei der Vorstellung des neuen Modells in Toronto.

WaterlooDer mit Absatzproblemen kämpfende Smartphone-Pionier Blackberry ist wegen einer Abschreibung tief in die roten Zahlen gerutscht. Im den Ende August abgeschlossenen zweiten Geschäftsquartal gab es einen Verlust von 207 Millionen Dollar, wie das kanadische Unternehmen am Freitag mitteilte.

In den drei Monaten davor hatte Blackberry überraschend noch einen kleinen Gewinn von 23 Millionen Dollar verbucht. Im Vorjahresquartal hatte der damals noch deutlich größere Blackberry-Konzern 965 Millionen Dollar verloren. Seitdem wurden unter anderem die Ausgaben für Marketing drastisch gesenkt. Den Ausschlag für den aktuellen Verlust gaben eine Abschreibung in Höhe von 167 Millionen Dollar auf den Wert von Schuldverschreibungen sowie Sanierungskosten von 33 Millionen Dollar.

Die Neuerungen von Blackberry 10

Zentrale für Nachrichten

Blackberrys sind als E-Mail-Maschinen bekannt geworden. Mit dem Betriebssystem Blackberry 10, eingeführt im Januar 2013, werden die Geräte zu multimedialen Alleskönnern: In der neuen Kommunikationszentrale – dem Blackberry Hub – sind auch Kurznachrichten, Facebook- oder LinkedIn-Meldungen, verpasste Anrufe und aktuelle Kalendereinträge zu sehen. Öffnen lässt sich die Oberfläche mit einer einzigen Geste.

Navigation ohne Knöpfe

Früher hatten praktisch alle Blackberry-Geräte Tasten – diese Zeiten sind vorbei, etliche Modelle haben nur einen Touchscreen. Deswegen hat das Unternehmen eine Navigation entwickelt, die stark auf Gesten setzt. Ein Beispiel: Das Smartphone kann mit einem Wisch vom unteren zum oberen Bildschirmrand freigegeben werden. Mit einer anderen Geste öffnet sich die Kommunikationszentrale, der Hub.

Schneller tippen auch ohne Tasten

Auch das Schreiben auf Touchscreens wird erleichtert. Zum einen erstellt die Software auf Grundlage von E-Mails oder Facebook-Nachrichten ein persönliches Wörterbuch und kennt damit häufig verwendete Begriffe. Zudem lernt das Gerät und korrigiert regelmäßige Tippfehler automatisch. Außerdem werden gleich diverse Begriffe vorgeschlagen, die der Nutzer möglicherweise eintippen will. Bis zu zwei Drittel Tastaturanschläge kann das System nach Einschätzung von Blackberry einsparen.

Privat und Dienstliches wird getrennt

Blackberry 10 richtet auf dem Gerät einen privaten und einen dienstlichen Bereich ein. Ist der Geschäftsmodus aktiviert, läuft die gesamte Kommunikation verschlüsselt über die Server des eigenen Unternehmens. Im privaten Bereich hat dagegen der Nutzer das Sagen. So sollen die Geräte einen hohen Sicherheitsstandard ermöglichen, wie ihn der Systemadministrator in der Firma fordert, aber dem Nutzer trotzdem ermöglichen, Apps zu installieren oder ins Internet zu gehen.

Mehrere Programme gleichzeitig

Blackberry 10 erlaubt Multitasking – es können also mehrere Apps gleichzeitig laufen. Mit einer Geste gelangen Nutzer zur Übersicht der aktiven Anwendungen.

Neue Funktionen dank Apps

Apps spielten bei den früheren Blackberry-Generationen kaum eine Rolle. Das hat sich mit dem Betriebssystem Blackberry 10 geändert. Allerdings ist die Auswahl bei den Konkurrenz-Systemen iOS und Android um ein Vielfaches höher. Daher erlaubt Blackberry seit dem Update auf Version 10.2 auch die Installation von Android-Apps, ohne dass Nutzer die Dateien vorher konvertieren müssen.

Virtueller Assistent

Nach Siri und Cortana kommt der Blackberry Assistent: Das Unternehmen für mit der Betriebssystemsversion 10.3 eine Software ein, die eine Sprachsteuerung des Gerätes ermöglicht.

Blackberry verbuchte im vergangenen Geschäftsquartal einen Absatz von 2,1 Millionen Smartphones. Der seit vergangenem Herbst amtierende Konzernchef John Chen stellte diese Woche das neue Modell Passport vor, dass mit einem großen quadratischen Bildschirm und einer Tastatur Kunden in Unternehmen zurückgewinnen soll. Das Hardware-Geschäft sorgt mit 46 Prozent immer noch für knapp die Hälfte der Blackberry-Erlöse.

Der Quartalsumsatz fiel im Jahresvergleich um 46 Prozent auf 916 Millionen Dollar. Im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres bedeutete das einen Rückgang von gut fünf Prozent.

Von

dpa

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