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17.01.2012

01:38 Uhr

Smartphone-Markt

Spekulationen um neuen Nokia-Aufsichtsratschef

Seit 2008 ist der finnische Unternehmer Risto Siilasmaa Vorstandsmitglied bei Nokia. Laut Medienbericht wird der Gründer der Software-Firma F-Secure im Laufe diesen Jahres wahrscheinlich Aufsichtsratschef bei Nokia.

Der finnische Unternehmer Risto Siilasmaa, vielleicht der neue Aufsichtsratschef bei Nokia dpa

Der finnische Unternehmer Risto Siilasmaa, vielleicht der neue Aufsichtsratschef bei Nokia

New York/LondonSeit 2008 ist der finnische Unternehmer Risto Siilasmaa Vorstandsmitglied bei Nokia und laut „Wall Street Journal“ wird der Gründer der im Bereich Computer-Sicherheit tätigen Software-Firma F-Secure, im Laufe des Jahres vermutlich Aufsichtsratschef bei Nokia. Außerhalb von Finnland ist Siilasmaa wenig bekannt.
Die finnische Zeitung „Helsingin Sanomat“ hatte ohne Quellenangabe Anfang des Monats auf den Wechsel an der Führungsspitze hingewiesen. Nokia hat bisher abgelehnt, diese Spekulationen zu kommentieren. Es wird allerdings vermutet, dass die Bekanntgabe mit dem vierten Quartalsbericht am 26. Januar einhergehen wird.

Siilasmaa würde den jetzigen Aufsichtsratschef Jorma Ollila ablösen, dem es gelungen ist, einen Industrieriesen in einen großen Handy-Hersteller zu verwandeln. Allerdings hat Nokia seinen Nimbus stark eingebüßt.

Ollila ist sei 1995 Mitglied des Firmenvorstands und seit 1999 Aufsichtsratsvorsitzender. Die Wahl des Nachfolgers, so das „Wall Street Journal“ ist ein Hinweis dafür, dass die Firma in einer krisengeschüttelten Phase „nahe ihren finnischen Wurzeln bleiben will.“
Manche Analysten, so das „Wall Street Journal“, haben bei Siilasmaa Bedenken. Er habe nicht ausreichend Erfahrungen mit ausländischen Investoren, da Nokia derzeit sich im US-Market neu zu etablieren versucht. Helena Nordman-Knutson, Analystin bei der Investment-Bank Pareto Oehman, sieht das anders. Seine unternehmerische Erfahrung wäre für die strategischen Entscheidungen von Vorteil, die jetzt bei Nokia anstehen.
Im Herbst bei der Hausmesse „Nokia World“ konnte man bei Nokia-Managern die lange vermissten entspannte Gesichter gesehen. Die Besucher kamen um die ersten Handys des einstigen Branchenprimus mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone 7 zu begutachten. Und die Mission Comeback scheint geklappt zu haben: Die meisten Vertreter zeigten sich beeindruckt von den beiden in der britischen Hauptstadt präsentierten Geräte. „Das ist schon ein sehr wichtiger Schritt in die richtige Richtung“, sagte damals eine Sprecherin eines großen europäischen Telekom-Konzerns dem Handelsblatt.

Für den ins Schlingern geratenen Handy-Riesen sind Urteile wie diese überlebenswichtig, denn schließlich sind die Mobilfunkbetreiber die wichtigsten Kunden. Zeigen sie die rote Karte und bieten die Geräte nicht an, sieht es düster aus für den finnischen Konzern.

Nokia war mächtig ins Schleudern gekommen, weil der Konzern 2007, als Apple sein iPhone präsentierte, die enorme Faszination der intuitiven Bedienung auf dem Touchscreen völlig unterschätzt hatte und erst eineinhalb Jahre später ein Smartphone mit ähnlichen Bedienungsmöglichkeiten auf den Markt brachte. Das war zu spät, weil die Konkurrenten mit dem von Google entwickelten Betriebssystem Android eine Vielzahl von iPhone-ähnlichen Alleskönnern auf den Markt brachten.
Außerdem zeigte sich, dass das Nokia-System Symbian für viele Smartphone-Funktionen nicht geeignet war. Lag Nokias Handy-Weltmarktanteil vor zwei Jahren noch bei 40 Prozent, ist er jetzt auf unter 23 Prozent gesunken. Deshalb beschloss der ehemalige Microsoft-Manager Stephen Elop und jetzige Nokia-Chef im Februar dieses Jahres einen radikalen Strategiewechsel: Künftig sollen alle Smartphones mit dem Windows-System arbeiten.
Mit der Präsentation des neuen Windows-Handys Lumia 800 und dem kurz darauffolgenden Lumia 710 hat Elop das erste kleine Teilziel erreicht. Die schwierigsten Aufgaben warten allerdings noch auf ihn. Denn künftig muss er auch seinen ehemaligen Arbeitgeber Microsoft davon überzeugen, dass der das strikte Regelwerk für die Verwendung von Windows Phone 7 lockert.

Bislang dürfen Lizenznehmer, also die Handy-Hersteller, die graphische Oberfläche des Bildschirms kaum verändern. Für Nokia wäre es mittelfristig überaus wichtig, seinen Kunden ein typisches Nokia-Gefühl zu vermitteln. Sollte Microsoft von einer Regellockerung nicht überzeugt werden können, droht den Finnen, dass deren Produkte sich nicht von denen der Konkurrenten wie Samsung und HTC unterscheiden lassen.
Während der Krise von Nokia ist oftmals vergessen worden, dass der Handy-Riese über die Jahre ein perfektes Zulieferer- und Logistik-System aufgebaut hat, dass die Finnen sich in den vergangenen 20 Jahren ein Fertigungs- und Design-Know How wie keiner der Konkurrenten erarbeitet haben. Von diesen Kenntnissen und den engen Kontakten profitierte der Konzern während der Krise. Mit Elop kehrte auch ein neues Selbstverständnis bei Nokia ein: „Nicht Arroganz, sondern Demut gegenüber dem Kunden“, wie es ein Nokia-Manager beschrieb.

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