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26.05.2014

13:29 Uhr

Smartphone-Nachrichtendienst

Kakao Talk fusioniert mit Portal Daum

Der Whats-App-Konkurrent Kakao Talk aus Südkorea will sich stärker im Ausland aufstellen. Dazu sucht Kakao sich einen starken Partner aus dem Web. Eine Fusion mit dem zweitgrößten Internetportal des Landes soll her.

Kakao und Daum wollen sich stärker gegen das führende südkoreanische Internetportal Naver positionieren. ap

Kakao und Daum wollen sich stärker gegen das führende südkoreanische Internetportal Naver positionieren.

SeoulDer führende südkoreanische Smartphone-Nachrichtendienst Kakao Talk will durch eine Fusion mit dem zweitgrößten Internetportal des Landes seine Wettbewerbsfähigkeit im In- und Ausland stärken. Der Zusammenschluss mit dem börsennotierten Daum Communications zu Daum Kakao soll bis zum Oktober abgeschlossen werden, sagte eine Sprecherin von Kakao Talk am Montag.

Mit der Fusion wollen beide Unternehmen nach eigenen Angaben ihre Präsenz im Internet ausbauen und die Expansion im Ausland vorantreiben. Durch den Deal würde Kakao mit 3,1 Billionen Won (etwa 2,22 Milliarden Euro) bewertet. Für jede Aktie sollen die Anteilseigner von Kakao 1,56 Anteile am neuen Unternehmen erhalten. Daum will dazu 43 Millionen neue Aktien an die Kakao-Aktionäre ausgeben.

Es ist das jüngste Fusionsabkommen im Bereich des Markts für mobile Kurztext-Anwendungen. Im April hatten die US-Regulierer den Kauf des Kurznachrichtendienstes WhatsApp durch Facebook genehmigt. Das Online-Netzwerk zahlt für WhatsApp 19 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: WhatsApp hat inzwischen rund 480 Millionen Kunden. Konkurrent Kakao Talk, der inzwischen auch auf Deutsch verfügbar ist, kommt weltweit auf 140 Millionen Nutzer.

Was an WhatsApp Kopfschmerzen bereitet

Laxer Umgang mit Datenschutz

WhatsApp überträgt die Kontakte im Adressbuch auf seine Server in den USA – in Zeiten mächtiger Geheimdienste kein angenehmer Gedanke. Hinzu kommt: Durch die Offenlegung der Handynummern erfahren andere Leute, dass man die App nutzt – zumindest, wenn sie diese auch installiert haben und im Adressbuch stehen.

Zweifel an der Verschlüsselung

Lange wurden die WhatsApp-Nachrichten unverschlüsselt übertragen. Auch an der inzwischen eingesetzten Verschlüsselungstechnologie hegen Experten Zweifel.

Sicherheitsbedenken

Schon mehrfach stand Whatsapp wegen des laxen Umgangs mit Sicherheitsfragen in der Kritik – das betrifft nicht nur die Verschlüsselung. So konnten eine Zeit lang Whatsapp-Nutzerkonten relativ leicht gekapert werden. Nach Einschätzung einer Sicherheitsfirma kann auch der Bezahlprozess ausspioniert werden.

Soziale Kontrolle

Für jeden App-Nutzer ist einsehbar, wann die Kontakte das letzte Mal den Dienst genutzt haben. Es kommt vor, dass darüber Mütter kontrollieren, ob ihre Babysitter zu Hause noch wach sind – denn die verdaddeln die Zeit oft genug mit WhatsApp. Die App ermöglicht also eine gewisse soziale Kontrolle.

Undurchsichtige Firma

Über die Firma WhatsApp ist wenig bekannt, die Macher meiden die Öffentlichkeit weitgehend. Das stärkt nicht gerade das Vertrauen. Auch der Anfang 2014 angekündigte Verkauf an Facebook stößt auf Skepsis – das Soziale Netzwerk gilt nicht wenigen als Datenkrake.

Mit ihrem geplanten Zusammenschluss wollen sich Kakao und Daum auch stärker gegen das führende südkoreanische Internetportal Naver positionieren. Zu Naver gehört auch der Messenger-Dienst Line mit etwa 400 Millionen Nutzern.

„Kakaos Wettbewerbsfähigkeit auf mobilen Plattformen und Daums Know-how bei Inhalten und Geschäftsdienstleistungen werden das Wachstum ankurbeln“, sagte Daum-Chef Cho Sae Hoon vor Journalisten in Seoul. Nach Berichten der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap wird Daum Kakao das zweitgrößte Unternehmen sein, dessen Aktien im Technologieindex Kosdaq der südkoreanischen Aktienbörse notiert sind. Daum hat rund 2600 und Kakao 600 Beschäftigte. Anfang dieses Jahres hatte Kakao Pläne für einen Börsengang für 2015 fallengelassen.

Von

dpa

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