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08.04.2014

14:15 Uhr

Smartphone-Primus

Billighandys aus China setzen Samsung zu

Nach einer langen Serie mit Rekordergebnissen, machte Samsung das zweite Quartal in Folge Verluste. Grund dafür sind die Billighandys aus China. Der Smartphone-Marktführer setzt nun alles auf das neue Galaxy S5.

Billighandys aus China bringen Verluste beim Marktführer Samsung ein. Das neue Galaxy S5, dass am Freitag weltweit auf den Markt kommt, soll wieder Gewinn einbringen. ap

Billighandys aus China bringen Verluste beim Marktführer Samsung ein. Das neue Galaxy S5, dass am Freitag weltweit auf den Markt kommt, soll wieder Gewinn einbringen.

SeoulDie Billigkonkurrenz aus China macht dem erfolgsverwöhnten Smartphone-Marktführer Samsung zu schaffen. Nach einer fast zwei Jahre langen Serie mit Rekordergebnissen ging der Gewinn bereits das zweite Quartal in Folge zurück. In den ersten drei Monaten verdiente der südkoreanische Apple-Rivale mit umgerechnet 5,8 Milliarden Euro 4,3 Prozent weniger als vor Jahresfrist, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Neben dem abebbenden Smartphone-Boom in den Industrieländern bekommt der Elektronikriese auch einen verschärften Preiskampf in den Schwellenländern zu spüren. Die Hoffnungen ruhen nun auf dem neuen Aushängeschild Galaxy S5, das am Freitag weltweit in die Läden kommt. Schon jetzt zeichnet sich aber ab, dass Samsung auf den ersten Gewinnrückgang im Gesamtjahr seit drei Jahren zusteuert.

Denn das Debüt des S5 auf dem Heimatmarkt war verhalten ausgefallen. Kritiker bemängeln, dass es dem neuen Modell an Innovationen und Besonderheiten mangele. Damit wird es ähnlich wie bei Apple auch für Samsung immer schwieriger die Erwartungen zu erfüllen und mit technischen Neuerungen zu überzeugen. Zudem durften ausgerechnet zum Marktstart die größten Mobilfunkanbieter in der Heimat Südkorea keine neuen Modelle mehr verkaufen, weil sie gegen Wettbewerbsregeln verstoßen haben. Wie schwierig Samsung selbst die Lage einschätzt, zeigt auch der Preis für das neue Smartphone: Das Galaxy S5 kostet zehn Prozent weniger als sein Vorgänger, obwohl Apple voraussichtlich nicht vor September mit einem neuen iPhone-Modell dagegenhalten wird.

Das Samsung Galaxy S5 im Detail

Ausdauernder Akku

Der Akku ist recht groß dimensioniert, zudem hat Samsung eine neue Software zum Energiemanagement entwickelt. Diese Kombination soll rund zwölf Stunden Videowiedergabe oder zehn Stunden Surfen ermöglichen.

Bessere Kamera

Die 16-Megapixel-Kamera soll besonders schnell fokussieren und auslösen, Samsung verspricht eine Verzögerung von nur 0,3 Sekunden. Zudem macht das Gerät Aufnahmen mit hohem Dynamikumfang (HDR) in Echtzeit.

Fingerabdruck-Sensor

Man kennt es schon vom iPhone: Das Galaxy S5 hat einen Fingerabdruck-Scanner. Wischt der Nutzer darüber hinweg, wird das Gerät entsperrt. Zusätzlich sollen man sich damit für Online-Einkäufe ausweisen können, Samsung arbeitet dafür mit Paypal zusammen.

Pulsmesser

Eine weitere Neuigkeit ist der Pulsmesser an der Rückseite. Legt man den Finger auf, misst er die Herzfrequenz. Die Daten können Nutzer in einer Fitness-App auswerten.

Schnelle Datenübertragung

Das neue Samsung-Modell beherrscht den Datenturbo LTE mit einer theoretischen Geschwindigkeit von bis zu 150 Megabit pro Sekunde. Zudem lassen sich WLAN und Mobilfunkverbindung simultan nutzen, um noch schneller Daten zu übertragen.

Schutz gegen Wasser und Staub

Das S5 ist nach der Schutzklasse IP 67 gegen Staub und Wasser geschützt.

Bildschirm mit Helligkeitsregler

Das S5 hat einen Sensor, der die Helligkeit des Bildschirms auf die Umgebung einstellt. Damit im prallen Sonnenschein etwas zu erkennen ist, leuchtet das Gerät stark, im Dunklen dimmt es deutlich herunter. Das AMOLED-Display ist 5,1 Zoll große und hat eine Full-HD-Auflösung.

Vier Kerne und 16 Gigabyte

Als Prozessor kommt ein Vierkern-Chip mit 2,5 Gigahertz zum Einsatz, der Arbeitsspeicher ist 2 Gigabyte groß. Der interne Speicher beträgt zunächst 16 Gigabyte.

Damit stellt sich Samsung auch auf das erschwerte Geschäftsumfeld ein: Der Markt für hochwertige Alleskönner-Handys nähert sich der Sättigung, der Konkurrenzkampf dort wird immer schärfer. Zudem üben zunehmend Druck die Billiganbieter aus China aus, allen voran Huawei und Lenovo. Sie bieten ihre Geräte häufig günstiger an als die beiden Platzhirsche und jagen ihnen vor allem in Schwellenländern Geschäft ab. In diesen aufstrebenden Volkswirtschaften ist ein harter Konkurrenzkampf um Kunden aus der wachsenden Mittelschicht entbrannt. Ende 2013 lag zwar Samsung mit einem weltweiten Marktanteil von fast 30 Prozent immer noch mit Abstand an der Spitze, doch die kleineren Billig-Rivalen holen rapide auf.

Der Samsung-Umsatz fiel im ersten Quartal den vorläufigen Zahlen zufolge mit rund 36,6 Milliarden Euro geringer aus als erwartet. Die Aktien gaben leicht nach. Details zum Smartphone-Geschäft legte der Konzern, der auch Speicherchips Fernseher, Kameras, Computer und eine ganze Palette von Haushaltsgeräten herstellt, nicht vor. Das Geschäft mit mobilen Geräten steuert aber üblicherweise rund 70 Prozent zum Gewinn bei. Experten raten Samsung nun, auf die Kostenbremse zu treten. Demnach könnte der Konzern beim Komponenteneinkauf und beim Marketing sparen. Außerdem müsse er Produkte entwickeln, die eine größere Käuferschaft ansprechen. „Ohne eine Steigerung der Effizienz kann Samsung den Gewinnrückgang nicht stoppen“, sagte Analyst Greg Roh von der Hyundai-Investmenttochter. Den vollständigen Quartalsbericht will das Unternehmen am 25. April veröffentlichen.

Von

rtr

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