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09.01.2014

17:05 Uhr

Smartphones

Blackberry bekommt Verschnaufpause

Da Großaktionär Fairfax die Neuorientierung gefällt, gewährt er Blackberry ein bisschen Luft, nimmt Anleihen auf. Die Smartphone-Firma muss schnell neue Märkte erschließen, die bisherigen dominieren Apple und Samsung.

Haben auf dem herkömmlichen Smartphone-Markt keine Chance: Blackberrys. dpa

Haben auf dem herkömmlichen Smartphone-Markt keine Chance: Blackberrys.

WaterlooDer angeschlagene Smartphone-Hersteller Blackberry bekommt nach seinem Führungswechsel eine Finanzspritze. Als Vertrauensbeweis in die Marschrichtung, die der neue Chef John Chen eingeschlagen hat, kauft Großaktionär Fairfax Financial noch einmal Wandelanleihen im Wert von 250 Millionen Dollar hinzu. Die Transaktion könne bereits am 16. Januar abgeschlossen sein, teilte Blackberry am Donnerstag mit. Mit den neuen Anleihen stocke die kanadische Investmentfirma ihren Anteil von 9,9 auf maximal 17,6 Prozent auf.

Auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas hatte Chen noch für dieses Jahr ein neues Smartphone angekündigt, das unter 200 Dollar kosten soll und vor allem für Schwellenländer optimiert sein dürfte. Dort erwarten Branchenbeobachter in nächster Zeit das größte Wachstum - allerdings auch geringere Gerätepreise. Das Smartphone solle vom Auftragsfertiger Foxconn produziert werden, bei dem auch Apple Aufträge vergibt.

Mit der Auslagerung an den chinesischen Hersteller kann Blackberry Abschreibungen auf nicht verkaufte Geräte vermeiden, da die Smartphones kurzfristig der Marktnachfrage entsprechend produziert werden können. Ein zweites, höherwertiges Gerät soll ebenfalls in diesem Jahr mit traditioneller Tastatur herauskommen. Die Handys mit sicherem E-Mail-Verkehr und integrierter Hardware-Tastatur galten vor dem Auftauchen von Apples iPhone vielfach als Status-Symbole.

Der globale Smartphone-Markt

Gesamtmarkt

Von Juli bis September 2013 wurden nach Zahlen des Marktforschers Gartner weltweit etwa 456 Millionen Mobiltelefone verkauft, knapp 5,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Davon waren 250 Millionen Smartphones – damit verkauften die Hersteller mehr Handy-Computer (55 Prozent) als einfache Mobiltelefone.

Platz 5

Auf Rang fünf vorgeschoben hat sich der chinesische Hersteller Huawei. Im zweiten Quartal 2013 hatten den Rang noch der Konkurent ZTE belegt. Huawei verkaufte 11,7 Millionen Smartphones (Marktanteil 4,7 Prozent).

Platz 4

Der südkoreanische Hersteller LG Electronics verkaufte 12,1 Millionen Smartphones, der Markanteil liegt bei 4,8 Prozent. Einschließlich einfacher Mobiltelefone verkaufte LG 18 Millionen Geräte (4,0 Prozent Marktanteil).

Platz 3

Lenovo ist bislang vor allem vom chinesischen Heimatmarkt abhängig. Der Konzern verkaufte von Juli bis September 2013 12,8 Millionen Smartphones (5,1 Prozent globaler Marktanteil).

Platz 2

Apple war im dritten Quartal 2013 mit etwas mehr als 30 Millionen verkauften iPhones die Nummer zwei, der Marktanteil bei Smartphones rutschte jedoch in Erwartung neuer Modelle von 14,3 Prozent im Vorjahreszeitraum auf rund 12,1 Prozent ab.

Platz 1

Nach Stückzahlen ist Samsung die unangefochtene Nummer eins unter den Smartphone-Herstellern. Die Südkoreaner verkauften im dritten Quartal 2013 nach Schätzungen Gartners über 80 Millionen Computer-Handys. Damit kam nahezu jedes dritte weltweit verkaufte Smartphone von Samsung. Insgesamt setzte der Konzern 117 Millionen Handys ab und baute seinen Marktanteil damit von 22,7 Prozent im Vorjahr auf 25,7 Prozent aus.

Die Tastaturen sieht Blackberry so sehr als eigenes Markenzeichen, dass das Unternehmen laut Medienberichten derzeit gegen ein Start-up aus Los Angeles gerichtlich vorgeht, das ein Cover mit integrierter Tastatur für das iPhone anbietet. Er wolle die Rechte von Blackberry verteidigen, sagte Chen in einem Interview mit dem Magazin „Forbes“.

Im vergangenen Quartal war das Geschäft des kanadischen Herstellers um mehr als die Hälfte eingebrochen. Einst gehörte das damals unter Research in Motion firmierende Unternehmen zu den Pionieren des Smartphone-Marktes. Doch schon seit Jahren kommt Blackberry nicht mehr gegen die wachsende Konkurrenz durch Apples iPhones oder die zahlreichen Android-Geräte etwa von Samsung an.

John Chen hatte erst im November das Ruder von dem deutschen Manager Thorsten Heins übernommen und dem Unternehmen eine Schrumpfkur und fundamentale Neuausrichtung verordnet. Blackberry will sich nun auf seine 80.000 Unternehmenskunden konzentrieren und außerdem günstigere Geräte für Entwicklungs- und Schwellenländer anbieten. Hier erwarten Marktbeobachter in den kommenden Jahren die mit Abstand meisten Zuwächse – allerdings auch geringere Umsätze pro Gerät.

Chen war zunächst als Interims-Chef angetreten. Das Unternehmen habe aber die Suche nach einem neuen Chef zunächst auf unbestimmte Zeit ausgesetzt, sagte Chen gegenüber „c'net“. Er werde mindestens die kommenden 18 Monate an der Spitze des Unternehmens bleiben.

Von

dpa

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