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02.01.2014

14:07 Uhr

Smartphones

Sony greift Microsoft unter die Arme

Ob eine Annäherung stattfindet, ist noch nicht klar. Doch sollte Sony Windows-Betriebssysteme verwenden, wäre das ein wichtiger Schritt für Microsoft. Bei Smartphones ist der Konzern bisher ein kleiner Player.

Microsoft kann inpuncto Smartphone-Betriebssysteme jede Unterstützung gebrauchen: Sollte Sony eine strategische Annäherung planen, könnte der Konzern ein wenig Boden zu Google und Apple gutmachen. Reuters

Microsoft kann inpuncto Smartphone-Betriebssysteme jede Unterstützung gebrauchen: Sollte Sony eine strategische Annäherung planen, könnte der Konzern ein wenig Boden zu Google und Apple gutmachen.

BerlinMicrosoft könnte auf dem Smartphone-Markt ungewöhnliche Hilfe eines bisherigen Rivalen ins Haus stehen. Wie der Branchendienst „The Information“ berichtete, will Sony noch im Sommer dieses Jahres ein Gerät mit Microsofts Betriebssystem Windows Phone auf den Markt bringen. Der Fachdienst beruft sich dabei auf eine mit den Plänen zu dem Gerät und den Gesprächen der beiden Unternehmen vertraute Person. Sony setzt bei seinen Smartphones seit dem Wechsel von Windows Mobile auf Windows Phone ausschließlich auf Googles Betriebssystem Android.

Microsoft könnte im Smartphone-Geschäft Unterstützung gut gebrauchen. Der Softwarekonzern übernimmt gerade die Geräte-Sparte und ein Patent-Portfolio von seinem einst wichtigsten Partner Nokia. Anfang Dezember war der Plan auch von der EU-Kommission durchgewunken worden. Die Lumia-Reihe der Finnen als Aushängeschild Phone hatte allerdings nicht den gewünschten Erfolg für Windows Phone gebracht.

Windows Phone 8

Außen ähnlich, innen neu

Auch wenn Windows Phone 8 (WP 8) nach einer Fortsetzung von Version 7 klingt und mit dem Kachel-Design ähnlich aussieht: Microsoft wagte im Herbst 2012 einen echten Neuanfang. Denn das mobile Betriebssystem hat nicht mehr den alten Systemkern, der über Jahre zum Einsatz kam. Stattdessen nutzt WP 8 den gleichen Kern wie die PC-Software Windows 8. Das macht die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Geräten leichter, außerdem können Entwickler einen Teil ihrer Software auf beiden Systemen verwenden und somit leichter Apps entwickeln.

Mehr Vielfalt bei der Hardware

Microsoft setzte den Hardware-Herstellern mit Windows Phone 7 enge Grenzen – das hat mit dem Nachfolgesystem ein Ende: Es erlaubt Mehrkern-Prozessoren, hochauflösende Displays und unterstützt die Nachfunktechnologie NFC, die etwa beim kontaktlosen Bezahlen zum Einsatz kommt. Außerdem können Micro-SD-Karten nachgerüstet werden und so den Speicher aufrüsten.

Kacheln basteln erlaubt

WP 8 gibt den Nutzern mehr Gestaltungsfreiheit: Sie können die Kacheln auf dem Startbildschirm vergrößern oder verkleinern und neu anordnen, außerdem gibt es neue Oberflächen-Motive. Zudem bereichern einige Dienste das Kachel-System: der Internet Explorer 10 etwa, der für Touchscreens optimiert ist und Java-Script deutlich schneller verarbeiten soll. Außerdem hat Microsoft seinen Internet-Telefoniedienst Skype für die neuen Windows-Systeme überarbeitet und tief ins System integriert, ebenso den Online-Speicher Skydrive.

Nokia-Navigation kostenlos an Bord

Ein Pluspunkt sind die Kartendienste von Nokia, die künftig nicht nur auf den Geräten des finnischen Herstellers vorinstalliert sind, sondern fester Bestandteil von WP 8 sind und somit auf den anderen Smartphones ebenfalls laufen.

Eine Spielecke für Kinder

Wenn die Kinder gerne mit dem Smartphone der Eltern spielen, geht das oft schief. Deswegen hat Microsoft für Windows Phone 8 eine „Kinderecke“ entwickelt, die wie ein Gastzugang am PC funktioniert. In diesem abgesicherten Bereich können Nutzer beispielsweise bestimmte Spiele ablegen.

App-Auswahl ist noch durchwachsen

Die Software ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg eines Smartphone-Systems – zum Start von Windows Phone 8 im Herbst 2012 konnte Microsoft das Angebot auf 120.000 Apps weiten, 46 der 50 beliebtesten Smartphone-Anwendungen waren im Windows Store verfügbar. Zum Vergleich: Zu dem Zeitpunkt hatten Google und Apple jeweils mehr als 700.000 Apps im Angebot. Die Auswahl für Windows-Phone-Geräte ist in den letzten Monaten allerdings stetig gewachsen.

Was fehlt: Ein Mitteilungszentrum

Die Kacheln auf dem Bildschirm aktualisieren sich zwar automatisch, das Mailprogramm zeigt beispielsweise die Zahl der ungelesenen Nachrichten an. Ein Mitteilungszentrum, wie man es vom iPhone und Android-Geräten kennt, fehlt aber. Zudem unterstützte das Betriebssystem zunächst UKW-Radios nicht – diese Funktion schiebt Microsoft aber mit einem Firmware-Update nach.

Microsoft ist bisher weit davon entfernt, zu den großen Marktführern Apple und Google aufzuschließen. Die Marktforscher von Gartner sahen Windows Phone zuletzt im dritten Quartal bei einem Marktanteil von 3,6 Prozent. Android führte den Markt demnach mit 81,9 Prozent mit riesigem Abstand an, gefolgt von Apples iOS mit 12,1 Prozent.

Um das Geschäft voranzutreiben, erwägt Microsoft laut Medienberichten derzeit auch, Versionen von Windows Phone und des Tablet-Systems Windows RT ohne Lizenzkosten anzubieten. Demnach könnten die lizenzfreien Versionen mit dem Wechsel auf das System „Threshold“ angeboten werden, das allerdings erst für 2015 geplant ist.

Mit der geplanten Übernahme der Handy-Sparte von Nokia würde bereits ein maßgeblicher Lizenzgebühren-Zahler wegfallen. Zudem verdient Microsoft über seine Patente auch an Android-Geräten. Pro Jahr kämen so stolze zwei Milliarden Dollar, schätzte zuletzt ein Analyst der japanischen Firma Nomura.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Baier

02.01.2014, 13:26 Uhr

unter die Arme greifen? Microsoft ist weit stärker als Sony, es müsste eher umgekehrt lauten!

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