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18.07.2016

12:56 Uhr

Softbank kauft ARM

Eine japanische Milliardenwette

VonCarsten Herz

Der japanische Mobilfunkriese Softbank kauft den britischen Chipkonzern ARM und wappnet sich so für das Internet der Dinge. Für die Briten ist der Deal vor allem Beweis, dass die Insel trotz Brexit noch attraktiv ist.

Mega-Übernahme

Softbank greift nach britischem Chipdesigner ARM

Mega-Übernahme: Softbank greift nach britischem Chipdesigner ARM

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LondonEs ist ein Milliardendeal wie ein Ausrufezeichen: Gut drei Wochen nach dem Brexit-Votum auf der Insel greift der japanische Telekommunikations-Anbieter Softbank nach dem britischen Chipdesigner ARM Holdings. Der Kaufpreis liegt bei 24,3 Milliarden Pfund, also rund 29 Milliarden Euro, wie beide Firmen mitteilten. Der britische Konzern empfahl am Montag den Aktionären, die Offerte anzunehmen.

Der Kauf ist eine der größten Übernahmen in Europa im Technologiesektor. Er ist auch der erste Riesen-Deal in Großbritannien, seitdem der Kurssturz im Gefolge der Brexit-Entscheidung auch den Wert der britischen Unternehmen gedrückt hat. Für Softbank ist der Deal die zweite Megaübernahme nach dem Kauf des US-Mobilfunkriesens Sprint im Jahr 2012.

Doch der Deal ist nicht nur eine Mega-Übernahme. Er ist auch ein Politikum. Der neue britische Schatzkanzler Philip Hammond feierte den Deal fast erleichtert. Niemals zuvor habe eine asiatische Firma so viel Geld in Großbritannien investiert, betonte der frühere Außenminister, der erst vergangene Woche den neuen Posten des Finanzministers übernommen hat.

Die größten Chiphersteller der Welt

Intel

Mit einem Umsatz von rund 50 Milliarden Dollar ist Intel der mit Abstand größte Chiphersteller der Welt. Seit fast einem Vierteljahrhundert führt Intel die Rangliste nun schon an. Der Konzern aus dem Silicon Valley lebt vor allem von seinen Prozessoren. Sie sind das Gehirn eines jeden Rechners. Die Halbleiter des Unternehmens stecken insbesondere in PCs, Notebooks und Servern. Im Geschäft mit Smartphones konnte Intel nie so recht Fuß fassen. Alles in allem erreicht Intel auf dem Halbleitermarkt einen Anteil von mehr als 15 Prozent.

Samsung Electronics

Die Chipsparte des koreanischen Elektronikkonzerns ist nach Intel weltweit die Nummer zwei und kommt den Experten von Gartner zufolge auf gut elf Prozent Markanteil. Die Asiaten sind vor allem stark in Speicherchips. Samsung beliefert unter anderem auch Apple. Halbleiter sind freilich nur ein Geschäft von vielen von Samsung Electronics. Die Koreaner liefern auch viele andere elektronische Bauteile sowie Waschmaschinen, Smartphones, Fernseher und sogar Kühlschränke und Staubsauger.

SK Hynix

Der zweite große südkoreanische Halbleiteranbieter heißt SK Hynix und liegt in der Weltrangliste auf Platz drei. Der Umsatz: Mehr als 16 Milliarden Dollar. SK Hynix produziert insbesondere Speicherchips und wurde in der Vergangenheit vom Staat gestützt, um eine Insolvenz abzuwenden. Als einer der ganz wenigen großen Chipkonzerne ist SK Hynix 2015 gewachsen.

Qualcomm

In der Öffentlichkeit ist Qualcomm zu gut wie unbekannt, doch in der Halbleiterbranche sind die Kalifornier die Nummer vier mit zuletzt rund 16 Milliarden Dollar Umsatz. Die Firma liefert vor allem Chips für Smartphones. So stark ist Qualcomm auf diesem Feld, dass der Konzern wiederholt mit den Kartellämtern Probleme hatte. Das Unternehmen betreibt keine eigenen Fabriken sondern lässt alle seine Chips in sogenannten Foundries fertigen. Zudem verdient Qualcomm an Lizenzgebühren, weil jeder Handyhersteller auf geistiges Eigentum der Amerikaner zurückgreifen muss. 2015 war jedoch kein gutes Jahr für Qualcomm, der Umsatz ist kräftig gefallen. Mit einem Kurseinbruch von einem Drittel lief es auch auf dem Parkett alles andere als rund.

Micron Technology

Der US-Konzern arbeitet eng mit Intel zusammen und steht auf Rang fünf der Umsatzrangliste der Halbleiterindustrie. Zuletzt lagen die Erlöse bei rund 14,5 Milliarden Dollar. Micron verkauft hauptsächlich Speicherchips. Gemeinsam mit Intel hofft Micron derzeit auf eine ganz neue Generation an Speicherchips. Die neuen Chips sollen 1000 Mal schneller sein als die derzeit gebräuchlichen NAND-Speicherchips. Gleichzeitig können die fortschrittlichen Halbleiter zehn Mal mehr Daten fassen als die herkömmlichen Arbeitsspeicher, die sogenannten DRAMs. Im Gegensatz zu den DRAM-Chips, und ähnlich wie bei NAND, gehen die Informationen bei der neuen Technik nicht verloren, wenn der Strom erlischt. NAND hat in den vergangenen Jahren in vielen Rechnern die Festplatten verdrängt und wird jetzt womöglich selbst durch die neue Technik abgelöst. Intel und Micron haben die neue Technik 3D Xpoint genannt.

Texas Instruments

Vielen Menschen ist der US-Konzern vor allem wegen der Taschenrechner ein Begriff. Dabei lebt Texas Instruments vor allem von Chips und gilt als einer der verlässlichsten und über Jahrzehnte hinweg profitabelsten Anbieter. Der Umsatz lag zuletzt bei gut elf Milliarden Dollar, damit rangiert die Firma auf Platz sechs der Weltrangliste.

Toshiba Semiconductor

Der größte japanische Chiphersteller kam zuletzt auf Erlöse von 8,5 Milliarden Dollar, das reicht für Platz sieben in der Weltrangliste. Der Marktanteil beträgt fast drei Prozent.

Broadcom

Der US-Konzern ist der große Wettbewerber von Qualcomm im Geschäft mit Handychips und liegt auf Platz acht der größten Halbleiterhersteller. Allerdings wird es Broadcom nicht mehr lange geben. Arvago schluckt den Konkurrenten gerade und gibt dafür die Rekordsumme von 37 Milliarden Dollar aus. So viel wurde in der Industrie noch nie bei einer Übernahme auf den Tisch gelegt.

ST Microelectronics

Bislang der größte europäische Halbleiterhersteller, doch diese Position wird der Konzern nicht mehr lange behalten. Der Grund: NXP aus Eindhoven hat Ende 2015 den amerikanischen Rivalen Freescale übernommen und ist wird damit vom Umsatz her an ST Microelectronics vorbei ziehen. Das französisch-italienische Unternehmen ST Microelectronics erreichte zuletzt einen Jahresumsatz von fast sieben Milliarden Euro, das ergab den Marktforschern von Gartner zufolge Platz neun. Die Firma mit Hauptsitz in Genf beliefert zahlreiche Industrien, tut sich aber seit Jahren wirtschaftlich schwer. Eine Bürde ist die Historie, weil es viele Standorte in den beiden Ursprungsländern Frankreich und Italien gibt.

Infineon

Der wichtigste deutsche Chipproduzent und der einzige Hersteller hierzulande in den Top-ten der Branche. Die Münchener sind 2015 um rund ein Drittel gewachsen, vor allem aufgrund der Übernahme des US-Rivalen International Rectifier. Auch an der Börse lief es vergangenes Jahr prächtig, mit einem Kursplus von gut 50 Prozent gehörte die ehemalige Siemens-Sparte zu den größten Gewinnern im Dax. Infineon wird seinen Platz unter den zehn größten Herstellern vermutlich bald verlieren, weil der holländische Wettbewerber NXP den amerikanischen Rivalen Freescale jüngst geschluckt hat.

Autor: Joachim Hofer

Der Kauf würde dafür sorgen, dass sich die Mitarbeiterzahl von ARM im Heimatland im Laufe der nächsten fünf Jahre verdoppeln und sich die Technologiefirma zu einem „globalen Phänomen“ entwickeln werde. „Nur drei Wochen nach dem EU-Referendum zeigt der Deal, dass Großbritannien nicht seine Attraktivität verloren hat, internationale Investoren anzulocken“, frohlockte der Minister.

Mit dem Kaufpreis bietet Softbank einen satten Aufschlag von etwa 43 Prozent auf den Schlusskurs aus der vergangenen Woche. So zahlt Softbank einen hohen Preis. Mit den gebotenen knapp 24,3 Milliarden Pfund bieten die Japaner das 24,4fache von ARMs Umsatz aus dem Jahr 2015 von 968,3 Millionen Pfund und schätzungsweise das 56,8fache des bereinigten Nachsteuer-Ergebnisses von 428,9 Millionen Pfund. Doch mit dem Kauf der Technologiefirma aus Cambridge, deren Technologie in fast jedem Smartphone steckt, greifen die Japaner nach einem Unternehmen, das seit Jahren eine Schlüsselstellung im Mobilfunk innehat.

Softbank-Chef Masayoshi Son: Der nächste Coup des großen Zockers

Softbank-Chef Masayoshi Son

Der nächste Coup des großen Zockers

Masayoshi Son spielt gerne mit hohem Einsatz: Der Chef des japanischen Softbank-Konzerns überrascht regelmäßig mit gewagten Deals. Jetzt setzt er knapp 30 Milliarden Euro auf den britischen Chipkonzern ARM.

So stellt Softbank mit der Akquisition auch einen Fuß in die Tür für den Zukunftsmarkt der „Internet der Dinge“. ARM kündigte erst jüngst neue Prozessoren-Entwürfe unter anderem für kleine vernetzte Technik im sogenannten Internet der Dinge an. Das könnte für Softbank besonders interessant sein: Telekom-Firmen weltweit versuchen, sich als Dienstleister für vernetzte Geräte aller Art neu zu erfinden. „Der Markt wird den Deal in einem positiven Licht sehen“, befindet Amir Anvarzadeh von BGC Partners.

Denn das vor 25 gegründete britische Unternehmen ARM mit rund 4000 Beschäftigten ist einer der heimlichen Könige der Smartphone-Welt. Der Firma, die in einem flachen Verwaltungsgebäude aus beigefarbenem Backstein im Osten der Universitätsstadt Cambridge residiert, hat geschafft, worum sich der Chipriese Intel aus den USA jahrelang vergeblich bemüht hat: bei Chips für mobile Geräte zum Maß aller Dinge zu werden.

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