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17.03.2006

10:13 Uhr

Softbank zahlt 12,3 Mrd. Euro

Vodafone verkauft japanische Tochter

Um die angeschlagene japanische Tochter des britischen Mobilfunkkonzerns Vodafone hatten bis zuletzt drei Interessenten gebuhlt. Gewonnen hat am Freitag der einheimische Kommunikationsanbieter Softbank. Vodafone darf sich über Milliarden freuen.

HB/bas TOKIO. Den Verkauf teilten die beiden beteiligten Unternehmen am Freitag in London und Tokio mit. Softbank werde 1,75 Billionen Yen oder 8,9 Mrd. Pfund (rund 12,3 Mrd. Euro) für einen Anteil von 97,7 Prozent an der Vodafone-Tochter zahlen, erklärte das Unternehmen. Das Geschäft solle in ein bis zwei Monaten abgeschlossen sein. Vodafone erklärte, es werde vom Kaufpreis 6,8 Mrd. Pfund (9,8 Mrd. Euro) in bar erhalten. 6 Mrd. Pfund sollen an die Aktionäre ausgeschüttet werden.

Die Aquisition ist eine der bisher teuersten Unternehmensübernahmen in Japan. Damit wird Softbank zum drittgrößten Telekommunikationskonzern Japans nach der NTT-Gruppe und KDDI Corp. Vodafone hatte Anfang des Monats Gespräche über einen Verkauf seiner Japan-Tochter an Softbank bestätigt. Softbank ist der größte Breitband-Internet-Anbieter in Japan und will dort zum führenden Kommunikationsunternehmen werden.

Softbank hatte nicht alleine um Vodafone Japan gebuhlt. Wie mehrere US-Medien am Donnerstag übereinstimmend berichteten, hatten auch zwei Private-Equity-Fonds aus den USA Angebote in Höhe von rund 15 Mrd. US-Dollar vorbereitet, was etwa der von Softbank bezahlten Summe entspricht. Bei den Fonds sollte es sich um Cerberus Capital Partners und Providence Equity Partners handeln.

Mit gut 15 Mill. Kunden und einem Marktanteil von 17 Prozent ist Vodafone in Japan der drittgrößte Mobilfunkanbieter hinter NTT Docomo und KDDI. Seit zwei Jahren kämpft die Tochter aber mit Problemen. Der einzige ausländische Spieler auf dem japanischen Mobilfunkmarkt machte viele Fehler. So verspielte er nach der Übernahme von J-Phone dessen Image als innovativer Anbieter für ein junges Zielpublikum. Noch 2002 war J-Phone der aggressivste Wettbewerber, hatte als erster Kamerahandys und innovative Tarife im Angebot. Doch mit dem Ziel, Japan stärker in sein globales Netz einzubinden, ignorierte der weltweit größte Mobilfunkanbieter die Besonderheiten des Marktes. Die Briten ersetzten die erfolgreiche Marke J-Phone 2003 durch das in Japan unbekanntere und für Japaner schwer auszusprechende Vodafone.

Mit viel Energie drückten sie ihre globalen Handymodelle auf den japanischen Markt – und scheiterten. Das weniger verspielte Design der US- und Europamodelle kam nicht an. Die Japaner brachten ihre Handys in die Läden zurück. „Wir haben die Bedürfnisse des Kunden aus dem Auge verloren“, gestand Japan-Präsident Bill Morrow. Hinzu kam ein schlecht ausgebautes Mobilfunknetz für die Handys der dritten Generation.

Im ersten Halbjahr 2005 liefen Vodafone die japanischen Kunden in Scharen davon. Seit Sommer haben Morrow und Shiro Tsuda, der Chairman von Vodafone KK, wie die japanische Tochter heißt, den Trend zwar gestoppt. Die Kundenzahlen steigen seither wieder, wenn auch weniger dynamisch als bei den Konkurrenten. Mit 95 Mill. Handys ist der japanische Mobilfunkmarkt weitgehend gesättigt. Er lebt vom Wechsel zum schnelleren Mobilfunkstandard, Multimediaangeboten und neuen Diensten.

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