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12.12.2013

12:25 Uhr

Software-Branche

Kronos kommt in neue Hände

Sie verdienten gut mit Kronos, in den vergangenen Jahren ließen sich die Eigner Hellman & Friedman Dividenden in Milliardenhöhe ausbezahlen – nun wollen sie sie den Softwarespezialisten offenbar verkaufen.

Nächster Deal im Software-Bereich: Der Hersteller Kronos könnte neue Eigentümer bekommen. AFP

Nächster Deal im Software-Bereich: Der Hersteller Kronos könnte neue Eigentümer bekommen.

New YorkIn der US-Softwarebranche bahnt sich ein neuer Milliardendeal an: Zwei Finanzinvestoren loten Insidern zufolge den Verkauf des auf Software spezialisierten Unternehmens Kronos aus. Der Wert der Firma könnte bei mehr als vier Milliarden Dollar liegen, berichteten mehrere mit den Vorbereitungen vertraute Personen in der Nacht zum Donnerstag gegenüber Reuters. Die Kronos-Eigner Hellman & Friedman und JMI Equity führten bereits erste Gespräche mit anderen Private-Equity-Firmen wie KKR, TPG und Bain Capital. Attraktiv wäre das Unternehmen, das auf Software für die Personalsteuerung spezialisiert ist, aber vor allem für die Software-Giganten SAP und Oracle, die sich bislang aber zurückhielten, sagten die Kenner. Hellman & Friedman habe die US-Investmentbank Morgan Stanley mit der Suche nach einem Käufer beauftragt, sagten zwei der Personen. Kronos habe im Jahr 350 Millionen Dollar operativen Gewinn (Ebitda) erwirtschaftet. Die genannten Unternehmen wollten keine Stellungnahme abgeben oder waren nicht erreichbar.

Die Stärken von SAP

Hoher Börsenwert

Hohe Schulden, wenig Innovationen, kritische Kunden: SAP stand 2009 gehörig unter Druck. Der niedrige Aktienkurs befeuerte Übernahmegerüchte. Heute brummt das Geschäft wieder, an der Börse ist der Software-Konzern deswegen deutlich mehr wert. Ein Garant für die Eigenständigkeit.

Lukratives Wartungsgeschäft

SAP ist ein Software-Konzern, macht aber inzwischen mehr Umsatz mit der Wartungsverträgen als mit Lizenzen. Das beschert dem Unternehmen langfristig planbare Einnahmen. Das gilt auch für Cloud-Dienste, die bislang noch relativ wenig zum Umsatz beitragen, aber stark wachsen und daher als Geschäft der Zukunft gelten.

Zukunftstechnologie Hana

Mit der superschnellen Datenbank-Technologie Hana hat SAP ein Ass im Ärmel: Weil sie Daten im schnellen Hauptspeicher vorhält und nicht erst von einem langsameren Datenträger holen muss, kann sie laut SAP hunderte Milliarden Datensätze in Echtzeit auswerten. Damit beschleunigt der Software-Hersteller seine betriebswirtschaftlichen Anwendungen – eine Kampfansage an den Rivalen Oracle. SAP will die Technologie aber auch außerhalb des Kerngeschäfts vermarkten, etwa für die medizinische Analytik oder der Steuerung von Stromnetzen. Der Umsatz damit ist noch gering, aber die Chancen sind immens.

Eine der größten Transaktionen in der US-Softwarebranche ging im Mai über die Bühne: Ein Konsortium um die Finanzinvestoren Bain Capital und Golden Gate Capital schluckte den amerikanischen SAP-Konkurrenten BMC für knapp sieben Milliarden Dollar.

Unternehmenskunden aus über 100 Ländern nutzen die Software-Pakete von Kronos. Vorteil des Geschäftsmodells: Die breite Kundenbasis und die stetig sprudelnden Einnahmen aus Abo- und Wartungsgebühren für die Programme bescheren Kronos nach Einschätzung der Ratingagentur Moody's ein stabiles Umsatz- und Ebitda-Wachstum. Die Finanzfirmen Hellman & Friedman sowie JMI Equity legten 2007 für Kronos 1,8 Milliarden Dollar auf den Tisch und nahmen das Unternehmen von der Börse. Später nutzten die neuen Besitzer die hohe Ertragskraft von Kronos und entzogen der Firma insgesamt mehr als 1,5 Milliarden Dollar, die sie sich als Dividenden auszahlen ließen.

Die Schwächen von SAP

Schwache Position auf US-Markt

Der US-Markt ist für SAP äußerst wichtig – allerdings hat das Unternehmen hier mit Oracle einen sehr agilen und aggressiven Konkurrenten. Mit dem US-Konzern beharkt sich SAP auch juristisch, in einem Streit um den Diebstahl von Geschäftsdaten fordert dieser saftigen Schadenersatz. Die Übernahme der beiden amerikanischen Cloud-Dienstleister Ariba und SuccessFactors für insgesamt 7,8 Milliarden Dollar soll das US-Geschäft von SAP stärken.

Abhängigkeit von Großkunden

Trotz aller Bemühungen um Mittelständler ist SAP stark von den Großkunden abhängig. Damit leidet das Unternehmen stärker unter Konjunkturschwankungen – im Abschwung schieben die Konzerne große Investitionen lieber auf. SAP will mit alternativen Geschäftsmodellen gegensteuern, etwa Miet-Software (Software as a Service), für die die Kunden monatliche Gebühren statt Lizenzen zahlen.

Wechselkursrisiken

Im abgelaufenen Geschäftsjahr haben Wechselkurseffekte den Gewinn niedriger ausfallen lassen. Die Euro-Stärke gegenüber asiatischen Währungen kostete den Weltmarktführer für Software zur Unternehmenssteuerung beispielsweise 400 Millionen Euro Gewinn.

Von

rtr

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