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15.10.2012

15:53 Uhr

Software hilft bei Plagiatssuche

Lukrativer Kampf gegen die Kopierer

VonChristof Kerkmann

Kampf dem „Copy & Paste“: Anbieter von Spezial-Software versprechen Hilfe im Kampf gegen wissenschaftliche Plagiate. Doch die Programme haben Lücken – viele Schummeleien entdecken sie nicht.

Im Guttenplag-Wiki durchforsteten Freiwillige gemeinsam die Doktorarbeit von Karl-Theordor zu Guttenberg auf Plagiate. Spezial-Software soll den Hochschulen die Suche erleichtern.

Im Guttenplag-Wiki durchforsteten Freiwillige gemeinsam die Doktorarbeit von Karl-Theordor zu Guttenberg auf Plagiate. Spezial-Software soll den Hochschulen die Suche erleichtern.

Ob Annette Schavan in ihrer Doktorarbeit wirklich abgekupfert hat, muss die Universität Düsseldorf beurteilen. Doch die Plagiatsvorwürfe gegen die Bundesbildungsministerin erinnern daran, dass an den Hochschulen seit eh und je getrickst und getäuscht wird – ob vorsätzlich oder fahrlässig, ob offensichtlich per „Copy & Paste“ oder gut versteckt. Im Kampf gegen die Kopierer ist in den vergangenen Jahren ein neues Geschäftsfeld entstanden: Dutzende Firmen bieten Anti-Plagiats-Software an. Allerdings geraten die Programme schnell an ihre Grenzen. Im Fall Schavan wären sie etwa gescheitert.

Große Schlagzeilen haben Projekte wie das Guttenplag-Wiki gemacht, in denen Freiwillige gemeinsam Doktorarbeiten durchforsten wie die des ehemaligen Verteidigungsministers. Doch mit einem solchen Aufwand lassen sich die tausenden von Seminar-, Bachelor- und Masterarbeiten an den deutschen Hochschulen nicht überprüfen, ebenso wenig die meist hunderte Seiten schweren Wälzer, die viele Doktoranden einreichen.

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Dr. Annette Schavan

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Bei der systematischen Überprüfung verspricht Spezial-Software Abhilfe. Wie viele Universitäten damit nach Schummeleien suchen, ist nicht bekannt. Auch die Hochschulrektorenkonferenz hat keinen genauen Überblick.

Aber: „Das Interesse ist gestiegen, seit die Probleme bei der Doktorarbeit von zu Guttenberg publik geworden sind“, sagt Jens Brandt, Geschäftsführer von Docoloc. Die Firma in Braunschweig zählt mehr als 100 Hochschulen und 90 Schulen zu den Kunden. 2011 prüfte sie rund 20 Prozent mehr Seiten als im Vorjahr. Allein auf den Guttenberg-Faktor mag Brandt das aber nicht zurückführen: „Prominente Fälle verändern die Meinungsbildung, aber die Prozesse an den Universitäten sind langwierig.“ Deswegen dauere es oft, bis eine Entscheidung getroffen werde.

Auch die Firma Mediaphor hat die Plagiatejagd als Geschäftsfeld entdeckt. Ihre Software Plagiarism Finder entwickelte Geschäftsführer Gunter Wielage bereits 2004. Ursprünglich stellte sie sicher, dass Autoren, die für ihn Bücher schrieben, sich nicht anderswo bedienten. Heute vermarktet das Paderborner Unternehmen das Programm an Bildungseinrichtungen.

Kommentare (1)

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15.10.2012, 22:38 Uhr

Das kann nur der Betreuer durch seine Begleitung der Arbeit leisten. Mit der Software kann man vielleicht dokumentieren, dass man etwas unternimmt, mehr aber nicht.

Außerdem ist da noch das Thema Datenschutz. Wo landen die Arbeiten, die etwa in der Medizin Patientendaten oder in den Ingenieurwissenschaften vertrauliche Daten aus einer externen Thesis enthalten können? Die meisten Anbieter speichern diese dauerhaft auf eigenen Servern, manche sogar in datenschutzrechtlichen Entwicklungsländern wie den USA. We braucht noch Industriespionage wenn er gleich so einen Server anzapfen kann?

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