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04.06.2013

14:23 Uhr

Software-Konzern

SAP feiert Party mit leisen Misstönen

Die SAP-Chefs haben leichtes Spiel: Bei der Hauptversammlung loben die Aktionäre Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe für die starken Zahlen. Mit den Gehältern der Manager sind sie allerdings nicht einverstanden.

Optimistischer Ausblick: Die SAP-Chefs Jim Hagemann Snabe (l.) und Bill McDermott bestätigen die Prognose für 2013. dpa

Optimistischer Ausblick: Die SAP-Chefs Jim Hagemann Snabe (l.) und Bill McDermott bestätigen die Prognose für 2013.

MannheimDer Software-Hersteller SAP feierte sich bei der Hauptversammlung selbst – und die Aktionäre störten die Party kaum. „Es ist Gelegenheit, einmal Glückwunsch zu sagen“, lobte etwa Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz am Dienstag in Mannheim. 2012 habe der Konzern das beste Ergebnis der Firmengeschichte erzielt, es sei „absolut außerordentlich“. „Man kann ganz vieles nur loben“, pflichtete Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger bei. Kritisch sahen die Anleger vor allem die schwache Entwicklung der Profitabilität und die hohen Vorstandsgehälter.

Große Kontroversen waren vor der Aktionärsversammlung nicht zu erwarten gewesen. Denn im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte der weltgrößte Hersteller von Software zur Unternehmenssteuerung einen Rekordumsatz von 16,22 Milliarden Euro erwirtschaftet. Nicht so gut entwickelte sich das Betriebsergebnis, das wegen kräftiger Investitionen um 17 Prozent auf 4,06 Milliarden Euro sank – einer der wenigen Kritikpunkte auf der Hauptversammlung. Die Profitabilität sei auf der Strecke geblieben, sagte Benner-Heinacher.

Die Entwicklung der vergangenen drei Jahre zeige trotzdem, dass SAP die richtige Strategie verfolge, sagte Co-Chef Jim Hagemann Snabe. Das Unternehmen habe sich besser als der Markt und auch besser als der größte Wettbewerber entwickelt – damit meinte er den US-Konzern Oracle, ohne ihn ausdrücklich zu erwähnen. Auch der Aktienkurs habe sich hervorragend entwickelt, er stieg seit 2010 um 90 Prozent.

Zukäufe von SAP

Wachstum dank Zukäufen

Der Walldorfer Software-Konzern SAP hat in den vergangenen Jahren hohe Milliardenbeträge für Großübernahmen ausgegeben. Damit verstärkte sich das Unternehmen für zukunftsträchtige Geschäftsfelder.

Business Objects

2007 übernahmen die Deutschen den französischen Softwarehersteller Business Objects für 4,8 Milliarden Euro. SAP kauft sich damit Analyse-Software, die Daten aus einzelnen Geschäftsbereichen von Unternehmen auswertet – und ist inzwischen Marktführer.

Sybase

Den Datenbankspezialisten Sybase übernimmt SAP im Jahr 2010 für 5,8 Milliarden Dollar und erwirbt damit Expertise für den Mobilfunkmarkt. Mit Hilfe der Sybase-Plattform lassen sich die SAP-Programme leichter auf Smartphones und Tablets spielen. Die Software von Sybase stellt außerdem den Grundstock für das wachsende Datenbankgeschäft von SAP.

Success Factors

2012 geht SAP die Übernahme von Success Factors für 3,4 Milliarden Dollar an. Software, die nicht mehr auf Firmenservern lagert, sondern nach Bedarf „on Demand“ über das Internet abgerufen wird, ist bereits heute ein Milliardenmarkt.

Ariba

Mit der Handelsplattform Ariba, die SAP ebenfalls 2012 für 4,3 Milliarden Dollar übernahm, sicherte sich der Softwarekonzern weitere Fähigkeiten. Ariba ist nicht nur eine Art Ebay für Unternehmen. Die Firma verkauft auch Software, zum Beispiel Programme, mit deren Hilfe Firmen ihren Lieferanten digitale Rechnungen stellen können.

Als wichtigste Wachstumsfelder nannte der Däne Lösungen für mobile Geräte wie Smartphones und Tablet-Computer, die Datenbank-Technologie Hana, die komplexe Berechnungen deutlich beschleunigt, sowie das sogenannte Cloud Computing, bei dem Anwendungen über das Internet bezogen werden. Das Geschäft mit diesen Online-Diensten hatte SAP in den vergangenen Jahren mit milliardenschweren Übernahmen gestärkt. Mit diesen Innovationen werde SAP das Marktpotenzial bis 2015 auf 230 Milliarden Dollar verdoppeln, sagte der andere Co-Chef Bill McDermott.

Dabei handle es sich allerdings bislang nur um eine Wette auf die Zukunft, kritisierte Aktionärsvertreterin Benner-Heinacher. Mit seiner Datenbank-Technologie sei SAP nur die Nummer 4 im Markt, beim Cloud Computing seien Salesforce und Oracle vorn. Daher stelle sich die Frage: Wie wird SAP die Nummer 1?

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