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19.04.2013

07:53 Uhr

Software-Konzern

SAP wächst weniger stark als erhofft

SAP hat im ersten Quartal des Jahres weniger erlöst als erwartet. Nur ein stärkeres Wachstum in Europa und Amerika konnte den Umsatzrückgang in Asien ausgleichen. Der Grund dafür sind auch Probleme beim Management.

SAP

„Das Wachstum wird langfristig sein“

SAP: „Das Wachstum wird langfristig sein“

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MünchenDer Softwareriese SAP ist zum Jahresauftakt nicht mehr so stark gewachsen wie erhofft. Probleme in Asien und ein gedämpftes Service-Geschäft machten dem Konzern im ersten Quartal zu schaffen. Der Umsatz legte binnen Jahresfrist dank wachsender Einnahmen aus dem Cloud Computing und den Datenbank-Produkten zwar um sieben Prozent auf 3,6 Milliarden Euro zu, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. Analysten hatten im Durchschnitt allerdings mit 200 Millionen Euro mehr gerechnet.

Dank einer niedrigeren Steuerlast kletterte der Periodengewinn überproportional. Der Überschuss wuchs um 17 Prozent auf 520 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr bekräftigte SAP seine Prognose, wonach das Betriebsergebnis (Non-IFRS) zwischen 5,85 und 5,95 Milliarden Euro liegen werde.

Die Schwächen von SAP

Schwache Position auf US-Markt

Der US-Markt ist für SAP äußerst wichtig – allerdings hat das Unternehmen hier mit Oracle einen sehr agilen und aggressiven Konkurrenten. Mit dem US-Konzern beharkt sich SAP auch juristisch, in einem Streit um den Diebstahl von Geschäftsdaten fordert dieser saftigen Schadenersatz. Die Übernahme der beiden amerikanischen Cloud-Dienstleister Ariba und SuccessFactors für insgesamt 7,8 Milliarden Dollar soll das US-Geschäft von SAP stärken.

Abhängigkeit von Großkunden

Trotz aller Bemühungen um Mittelständler ist SAP stark von den Großkunden abhängig. Damit leidet das Unternehmen stärker unter Konjunkturschwankungen – im Abschwung schieben die Konzerne große Investitionen lieber auf. SAP will mit alternativen Geschäftsmodellen gegensteuern, etwa Miet-Software (Software as a Service), für die die Kunden monatliche Gebühren statt Lizenzen zahlen.

Wechselkursrisiken

Im abgelaufenen Geschäftsjahr haben Wechselkurseffekte den Gewinn niedriger ausfallen lassen. Die Euro-Stärke gegenüber asiatischen Währungen kostete den Weltmarktführer für Software zur Unternehmenssteuerung beispielsweise 400 Millionen Euro Gewinn.

Während SAP in Amerika und Europa zuletzt weiter gewachsen sei, habe der Konzern in Asien wegen verwaister Länderchefsessel mit Umsatzrückgängen zu kämpfen gehabt, sagte Co-Chef Jim Snabe in einer Telefonkonferenz. Auch der chinesische Markt habe sich wegen der Verunsicherung im Zuge des Regierungswechsels verhalten entwickelt. Ab dem laufenden Quartal werde es aber auch wieder in Asien aufwärts gehen.

Snabe zeigte sich zufrieden. Das Cloud-Geschäft, das sich SAP für Milliarden zusammengekauft hat, laufe prima, vor allem in Amerika. Auch das Datenbanksystem Hana komme immer besser bei den Kunden an. Von der Wirtschaftsflaute in Europa spüren die Walldorfer nichts. „Wir hatten in der EMEA-Region eine exzellente Entwicklung“, sagte Snabe. Weltweit habe SAP die Nase immer weiter vor der Konkurrenz.

Die Stärken von SAP

Hoher Börsenwert

Hohe Schulden, wenig Innovationen, kritische Kunden: SAP stand 2009 gehörig unter Druck. Der niedrige Aktienkurs befeuerte Übernahmegerüchte. Heute brummt das Geschäft wieder, an der Börse ist der Software-Konzern deswegen deutlich mehr wert. Ein Garant für die Eigenständigkeit.

Lukratives Wartungsgeschäft

SAP ist ein Software-Konzern, macht aber inzwischen mehr Umsatz mit der Wartungsverträgen als mit Lizenzen. Das beschert dem Unternehmen langfristig planbare Einnahmen. Das gilt auch für Cloud-Dienste, die bislang noch relativ wenig zum Umsatz beitragen, aber stark wachsen und daher als Geschäft der Zukunft gelten.

Zukunftstechnologie Hana

Mit der superschnellen Datenbank-Technologie Hana hat SAP ein Ass im Ärmel: Weil sie Daten im schnellen Hauptspeicher vorhält und nicht erst von einem langsameren Datenträger holen muss, kann sie laut SAP hunderte Milliarden Datensätze in Echtzeit auswerten. Damit beschleunigt der Software-Hersteller seine betriebswirtschaftlichen Anwendungen – eine Kampfansage an den Rivalen Oracle. SAP will die Technologie aber auch außerhalb des Kerngeschäfts vermarkten, etwa für die medizinische Analytik oder der Steuerung von Stromnetzen. Der Umsatz damit ist noch gering, aber die Chancen sind immens.

„Wir haben Marktanteile gewonnen, speziell vom Hauptwettbewerber“, sagte der Chef des Oracle-Rivalen. Die Amerikaner hatten im ersten Quartal mit einem Umsatzschwund zu kämpfen und rüffelten deswegen ihre Verkäufer. Generell wird es für die Softwarebranche aber immer schwieriger. Nach Oracle klagte auch der IT-Riese IBM in der Nacht zum Freitag über schwindende Einnahmen.

SAP, Microsoft, Google & Co. mit Zahlen

Video: SAP, Microsoft, Google & Co. mit Zahlen

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