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27.08.2013

13:45 Uhr

Software-Unternehmen

Führungskräfte-Exodus bei Nemetschek

Obwohl der Software-Anbieter Nemetschek AG erfolgreich arbeitet, laufen ihm die Führungskräfte weg. Mehr als zehn leitende Mitarbeiter sind in den vergangenen zwei Jahren gegangen. Insider zeigen auf den Aufsichtsrat.

„Anderswo würden Manager für solche Leistungen gefeiert“: Beim Software-Unternehmen gab es in den letzten zwei Jahren auffällig oft Wechsel in der Führungsebene. dpa

„Anderswo würden Manager für solche Leistungen gefeiert“: Beim Software-Unternehmen gab es in den letzten zwei Jahren auffällig oft Wechsel in der Führungsebene.

MünchenGesund ist er nicht, der Eindruck von der Zentrale der Nemetschek AG. Mitarbeiter, so erzählen Augenzeugen, laufen mit seltsam gesenktem Blick über die Flure; manche Büros wirkten, als wären die Bewohner Hals über Kopf geflüchtet. Die Menge der leitenden Mitarbeiter, die Nemetschek in den vergangenen zwei Jahren verlassen haben, ist nicht mit zwei Händen abzuzählen. Am Montag hat dann auch Vorstandschefin Tanja Dreilich hingeschmissen. "Unüberbrückbare Differenzen zwischen Vorstand und Aufsichtsrat", stand als Grund in einer kurzen Mitteilung. Schon an diesem Dienstag wird die erfolgreiche Managerin, erst 2012 angetreten, nicht mehr ins Büro kommen.

Nun wird es schmutzig. "Es hat sich gezeigt, dass Frau Dreilich nicht in der Lage war, den Job auszufüllen", sagt Aufsichtsratschef Kurt Dobitsch. Sie sei "chronisch untätig" gewesen, ja: "Wir haben ein Führungsdefizit."

Langjährige Mitarbeiter beurteilen Dreilichs Wirken anders. "Es gibt ein Defizit, aber das ist im Aufsichtsrat", sagt eine ehemalige hohe Führungskraft. Dobitsch gefalle es, Mitarbeiter zu drangsalieren und absurde Aufträge zu verteilen. Die Firma verliere einen Manager nach dem anderen, "weil keiner so einen Wahnsinn aushält".

Dobitsch wiederum bestreitet die Vorwürfe. "Es ist doch einem Aufsichtsrat wohl erlaubt, etwas zu kritisieren", sagt er. "Es läuft eben sehr schlecht." Doch er scheint die Zahlen schlecht zu kennen. Im ersten Halbjahr 2013 stieg der Jahresüberschuss im Vergleich zum Vorjahr um 21 Prozent. Der Aktienkurs kletterte unter Dreilich um 48 Prozent in die Höhe, und die größte Tochtergesellschaft Allplan steigerte die Ebitda-Marge auf 26 Prozent. "Anderswo würden Manager für solche Leistungen gefeiert", sagt ein Insider. "Hier laufen sie weg."

Von

iw

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