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21.07.2015

07:54 Uhr

Softwarekonzern

Euro-Schwäche schiebt Umsatz von SAP an

Der Softwarekonzern SAP hat im zweiten Quartal kräftig zugelegt. Vor allem dank des schwächelnden Euro-Kurses stieg der Umsatz um 20 Prozent auf fast 5 Milliarden Euro. Der Härtetest steht für SAP aber erst noch an.

Europas größter Softwarekonzern hat Zahlen vorgelegt. dpa

Konzernzentrale von SAP

Europas größter Softwarekonzern hat Zahlen vorgelegt.

WalldorfDer starke Dollar hat das Umsatzwachstum von SAP auch im zweiten Quartal beschleunigt. Der positive Effekt werde sich aber im Laufe der zweiten Jahreshälfte abschwächen, sagte Finanzchef Luka Mucic am Dienstag in Walldorf. Einen zweiten Schub erhielt SAP aus dem noch jungen Geschäft mit Software, die im Abo-Modell verkauft wird.

Die Umsätze stiegen um 20 Prozent auf 4,97 Milliarden Euro. Ohne die Hilfe von Währungseffekten entsprach das einem Plus von acht Prozent. SAP macht mehr als ein Drittel seiner Erlöse im Euroraum – ähnlich hoch ist der Anteil des US-Geschäfts.

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Im Cloudgeschäft mit Software zum Mieten konnte SAP dank der jüngsten Übernahmen die Erlöse mehr als verdoppeln. Der Konzern macht inzwischen etwa ein Zehntel seiner Umsätze mit Software, die in Abo-Modellen verkauft wird. Die größte Nachfrage nach diesen Produkten kommt nach wie vor aus den USA.

Weil die Erlöse in dem neuen Geschäft allerdings über mehrere Quartale und nicht mehr in einer hohen Einmalzahlung für Lizenzen fließen, drückt das in der Umstellungsphase auf den Gewinn. Zusätzlich belastete das laufende Abfindungsprogramm SAPs Gewinn nach Steuern. Der ging um 16 Prozent auf 469 Millionen Euro zurück.

Da SAP künftig mehr Software zur Miete verkaufen will und ältere Programme überflüssig werden, sollen etwa drei Prozent oder rund 2000 der weltweit 74.000 Beschäftigten im Laufe des Jahres auf eine neue Stelle wechseln oder mit einer Abfindung zum Gehen bewegt werden. Zum Jahresende will SAP aber dank seines Wachstums wieder mehr Menschen beschäftigen als im Vorjahr.

Große SAP-Übernahmen

2007 - Business Objects

2007 übernehmen die Deutschen den französischen Softwarehersteller Business Objects für 4,8 Milliarden Euro. SAP kauft sich damit Analyse-Software, die Daten aus einzelnen Geschäftsbereichen von Unternehmen auswertet - und ist inzwischen Marktführer.

2010 - Sybase

Den Datenbankspezialisten Sybase übernimmt SAP im Jahr 2010 für 5,8 Milliarden Dollar und erwirbt damit Expertise für den Mobilfunkmarkt. Mit Hilfe der Sybase-Plattform lassen sich die SAP-Programme leichter auf Smartphones und Tablets spielen. Die Software von Sybase stellt außerdem den Grundstock für das wachsende Datenbankgeschäft von SAP.

2012 - Ariba

Mit der Handelsplattform Ariba, die SAP ebenfalls 2012 für 4,3 Milliarden Dollar übernahm, sicherte sich der Softwarekonzern weitere Fähigkeiten. Ariba ist nicht nur eine Art Ebay für Unternehmen. Die Firma verkauft auch Software - zum Beispiel Programme, mit deren Hilfe Firmen ihren Lieferanten digitale Rechnungen stellen können.

2012 - Successfactors

2012 geht SAP die Übernahme von Successfactors für 3,4 Milliarden Dollar an. Software, die nicht mehr auf Firmenservern lagert, sondern nach Bedarf „on Demand“ über das Internet abgerufen wird, ist bereits heute ein Milliardenmarkt

2014 - Concur

Im September 2014 kauft SAP das Unternehmen Concur, um sein wachsendes Cloud-Geschäft weiter auszubauen. Concur ist ein US-Anbieter von Firmensoftware für Reisemanagement und Reisekostenabwicklung. Der Preis von umgerechnet rund 6,5 Milliarden Euro bedeutet: Es ist die teuerste Übernahme in der Geschichte SAPs.

Einige hundert Mitarbeiter hätten Abfindungen bereits angenommen, sagte Mucic. In einigen Ländern liefen die Programme noch. Insgesamt wird die Restrukturierung SAP im Laufe des Jahres zwischen 470 und 530 Millionen Euro kosten. Der Großteil davon sei im ersten Halbjahr angefallen. Im Gegenzug rechnet der Softwarekonzern mit Einsparungen im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich.

Der volle Effekt werde sich aber erst 2016 zeigen, so Mucic. Er gehe nicht davon aus, dass es im kommenden Jahr noch einmal ein Restrukturierungsprogramm brauche.

Von

dpa

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