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09.01.2014

15:13 Uhr

Softwarekonzern

SAP bekommt neuen Personalchef

Die Suche des Softwareriesens hat ein Ende: Stefan Ries ist ab. 1. April der neue Personalchef von SAP. Arbeitsdirektor jedoch wird er nicht und auch einen Vorstandsposten erhält der 47-Jährige vorerst nicht.

Stefan Ries: Er hatte bereits von 2002 bis 2010 in der Personalabteilung von SAP gearbeitet und war dann zu einer Unternehmensberatung gewechselt. dpa

Stefan Ries: Er hatte bereits von 2002 bis 2010 in der Personalabteilung von SAP gearbeitet und war dann zu einer Unternehmensberatung gewechselt.

WalldorfDer Softwarekonzern SAP bekommt einen neuen Personalchef. „Die Position wird spätestens vom 1. April an mit Stefan Ries besetzt“, sagte Finanzvorstand und Arbeitsdirektor Werner Brandt am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. Die Funktion ist neu in dem Walldorfer Unternehmen, erklärte ein Sprecher.

Der 47-Jährige werde vorerst aber kein Arbeitsdirektor und bekommt auch keinen Vorstandsposten, sagte Brandt: „Es ist derzeit nicht vorgesehen, dass das Thema Personal ein eigenes Vorstandsressort bekommt.“ Die Entscheidung über den Vorstandszuschnitt obliegt dem Aufsichtsrat. Ries ist jedoch, wenn der 60 Jahre alte Brandt im Juli 2014 ausscheidet, direkt Vorstandschef Bill McDermott unterstellt, der sich des Themas annehme. „Das ist ein starkes Zeichen“, meinte Brandt. „Unsere Mitarbeiter sind unser wertvollstes Gut.“

Ries hatte bereits von 2002 bis 2010 in der Personalabteilung von SAP gearbeitet und war dann zu einer Unternehmensberatung gewechselt. Damals hatte er übergangsweise die weltweite Personalverantwortung inne. Er galt schon 2010 als möglicher Kandidat für die Position des Arbeitsdirektors.

Die Stärken von SAP

Hoher Börsenwert

Hohe Schulden, wenig Innovationen, kritische Kunden: SAP stand 2009 gehörig unter Druck. Der niedrige Aktienkurs befeuerte Übernahmegerüchte. Heute brummt das Geschäft wieder, an der Börse ist der Software-Konzern deswegen deutlich mehr wert. Ein Garant für die Eigenständigkeit.

Lukratives Wartungsgeschäft

SAP ist ein Software-Konzern, macht aber inzwischen mehr Umsatz mit der Wartungsverträgen als mit Lizenzen. Das beschert dem Unternehmen langfristig planbare Einnahmen. Das gilt auch für Cloud-Dienste, die bislang noch relativ wenig zum Umsatz beitragen, aber stark wachsen und daher als Geschäft der Zukunft gelten.

Zukunftstechnologie Hana

Mit der superschnellen Datenbank-Technologie Hana hat SAP ein Ass im Ärmel: Weil sie Daten im schnellen Hauptspeicher vorhält und nicht erst von einem langsameren Datenträger holen muss, kann sie laut SAP hunderte Milliarden Datensätze in Echtzeit auswerten. Damit beschleunigt der Software-Hersteller seine betriebswirtschaftlichen Anwendungen – eine Kampfansage an den Rivalen Oracle. SAP will die Technologie aber auch außerhalb des Kerngeschäfts vermarkten, etwa für die medizinische Analytik oder der Steuerung von Stromnetzen. Der Umsatz damit ist noch gering, aber die Chancen sind immens.

Nach zwei externen weiblichen Personalvorständen wird mit Ries jemand geholt, der das Unternehmen gut kennt. „Ich freue mich, dass er zurückkehrt“, sagte Brandt. In seiner Abwesenheit habe er wertvolle internationale Expertise gesammelt. Der Softwarekonzern, der naturgemäß einen hohen Anteil von Akademikern in seiner Belegschaft hat, gilt als kein einfaches Pflaster für Personaler.

Der langjährige Finanzvorstand Brandt hatte die Aufgabe des Arbeitsdirektors im Sommer zum wiederholten Male übernommen, nachdem Personalvorstand Luisa Deplazes Delgado das Unternehmen Ende Juni 2013 verlassen hatte. Vor Delgado hatte SAP bereits monatelang nach einem Nachfolger für die 2011 ausgeschiedene Personalchefin Angelika Dammann gesucht, die wegen Flügen mit dem Firmenjet in die Kritik geraten war und den Konzern ein Jahr zuvor verlassen hatte.

Die Schwächen von SAP

Schwache Position auf US-Markt

Der US-Markt ist für SAP äußerst wichtig – allerdings hat das Unternehmen hier mit Oracle einen sehr agilen und aggressiven Konkurrenten. Mit dem US-Konzern beharkt sich SAP auch juristisch, in einem Streit um den Diebstahl von Geschäftsdaten fordert dieser saftigen Schadenersatz. Die Übernahme der beiden amerikanischen Cloud-Dienstleister Ariba und SuccessFactors für insgesamt 7,8 Milliarden Dollar soll das US-Geschäft von SAP stärken.

Abhängigkeit von Großkunden

Trotz aller Bemühungen um Mittelständler ist SAP stark von den Großkunden abhängig. Damit leidet das Unternehmen stärker unter Konjunkturschwankungen – im Abschwung schieben die Konzerne große Investitionen lieber auf. SAP will mit alternativen Geschäftsmodellen gegensteuern, etwa Miet-Software (Software as a Service), für die die Kunden monatliche Gebühren statt Lizenzen zahlen.

Wechselkursrisiken

Im abgelaufenen Geschäftsjahr haben Wechselkurseffekte den Gewinn niedriger ausfallen lassen. Die Euro-Stärke gegenüber asiatischen Währungen kostete den Weltmarktführer für Software zur Unternehmenssteuerung beispielsweise 400 Millionen Euro Gewinn.

In der Chefetage von SAP kehrt in diesem Jahr dennoch keine Ruhe ein. Co-Vorstandschef Jim Hagemann Snabe soll 2015 in den Aufsichtsrat wechseln und überlässt Bill McDermott damit allein das Ruder. Technikvorstand Vishal Sikka war bereits im Mai mit zusätzlichen Kompetenzen ausgestattet worden, nachdem der für das Cloud-Geschäft zuständige Vorstand Lars Dalgaard SAP verlassen hatte. Finanzvorstand Brandt wird seinen Posten im Juli dem 42-jährigen Luka Mucic überlassen.

Bei den Arbeitnehmern hatten die vielen Wechsel zuletzt für Unruhe gesorgt. In der Mitarbeiterbefragung bröckelte nicht nur der Glaube an die SAP-Unternehmensziele, sondern auch das Vertrauen in den Vorstand. Im Fall Ries sei der Betriebsrat nicht in die Entscheidung eingebunden gewesen, sagte dessen Vorsitzender Stefan Kohl. Dennoch wünsche er dem Manager einen erfolgreichen Start.

Von

dpa

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