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16.05.2014

11:24 Uhr

Softwarekonzern

SAP steht vor dem Umbruch

Unter dem Motto „Vereinfachen und Optimieren“ hat Vorstandschef Bill McDermott die Umstrukturierung von SAP eingeleitet. Der Umstieg auf das Cloud-Geschäftsmodell wird bei der Softwareschmiede jedoch Jobs kosten.

SAP-Vorstandschef Bill McDermott: Er stimmt das Personal auf frischen Wind ein. Reuters

SAP-Vorstandschef Bill McDermott: Er stimmt das Personal auf frischen Wind ein.

StuttgartDer Umstieg auf das neue Cloud-Geschäftsmodell bedeutet für den Softwarekonzern SAP nach den Worten seines künftigen Finanzchefs Luka Mucic die größte Transformation der Unternehmensgeschichte. „Um mit dem neuen Geschäftsmodell als Cloud-Unternehmen erfolgreich zu sein, brauchen wir eine deutliche Vereinfachung in vielen unserer Prozesse“, sagte Mucic in einem Interview mit der „Börsen-Zeitung“ (Freitagausgabe). Die geplanten Veränderungen bedeuten für Europas größte Softwareschmiede einen Stellenabbau in der Größenordnung von 1500 bis 2500 Jobs, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstagabend erfuhr.

Das seit einigen Jahren stark wachsende Cloud-Geschäft ermöglicht den Kunden, Software oder Speicherkapazitäten gegen Gebühr über das Internet zu mieten. Statt bei sich Programme fest zu installieren oder Server aufzustellen, nutzen Firmen Rechnerkapazitäten, die IT-Konzerne wie SAP vorhalten. Das führt nicht nur zu einer grundlegenden Umstellung des Bezahlsystems - denn statt einer einmaligen hohen Lizenzgebühr bezahlen die Kunden vergleichsweise niedrige Entgelte über mehrere Jahre - sondern verändert auch den Personalbedarf. Der Weltmarktführer für betriebswirtschaftliche Software muss weniger Berater zu den Kunden vor Ort schicken, aber braucht mehr Leute in Rechenzentren, die Support oder Updates aus der Ferne liefern.

Zukäufe von SAP

Wachstum dank Zukäufen

Der Walldorfer Software-Konzern SAP hat in den vergangenen Jahren hohe Milliardenbeträge für Großübernahmen ausgegeben. Damit verstärkte sich das Unternehmen für zukunftsträchtige Geschäftsfelder.

Business Objects

2007 übernahmen die Deutschen den französischen Softwarehersteller Business Objects für 4,8 Milliarden Euro. SAP kauft sich damit Analyse-Software, die Daten aus einzelnen Geschäftsbereichen von Unternehmen auswertet – und ist inzwischen Marktführer.

Sybase

Den Datenbankspezialisten Sybase übernimmt SAP im Jahr 2010 für 5,8 Milliarden Dollar und erwirbt damit Expertise für den Mobilfunkmarkt. Mit Hilfe der Sybase-Plattform lassen sich die SAP-Programme leichter auf Smartphones und Tablets spielen. Die Software von Sybase stellt außerdem den Grundstock für das wachsende Datenbankgeschäft von SAP.

Success Factors

2012 geht SAP die Übernahme von Success Factors für 3,4 Milliarden Dollar an. Software, die nicht mehr auf Firmenservern lagert, sondern nach Bedarf „on Demand“ über das Internet abgerufen wird, ist bereits heute ein Milliardenmarkt.

Ariba

Mit der Handelsplattform Ariba, die SAP ebenfalls 2012 für 4,3 Milliarden Dollar übernahm, sicherte sich der Softwarekonzern weitere Fähigkeiten. Ariba ist nicht nur eine Art Ebay für Unternehmen. Die Firma verkauft auch Software, zum Beispiel Programme, mit deren Hilfe Firmen ihren Lieferanten digitale Rechnungen stellen können.

Unter dem Motto „Vereinfachen und Optimieren“ hat Vorstandschef Bill McDermott, der den Konzern nach dem Wechsel seines Co-Chefs Jim Hagemann Snabe in den Aufsichtsrat Ende dieses Monats alleine führen wird, eine Umstrukturierung eingeleitet. So sollen Standorte mit nur wenigen Mitarbeitern geschlossen oder mit anderen zusammengelegt werden. Auch lieb gewordene, aber unnötige Projekte - so genannte „pet projects“ - will der Amerikaner beenden. „Es wird dazu führen, dass 1500 bis 2500 Stellen abgebaut werden“, sagte ein Insider Reuters. „Eine genaue Zahl steht noch nicht fest. Zurzeit wird noch geprüft, wo es Doppelarbeit gibt oder wo Stellen überflüssig sind.“ Betroffen seien alle Regionen weltweit und alle Arbeitsfelder. Zugleich seien für dieses Jahr aber rund 3000 neue Stellen geplant, so dass unter dem Strich die Belegschaft weiter wachse. Näheres dazu kann McDermott auf der Hauptversammlung am Mittwoch erläutern.

Als Joker im Ringen um die Marktführerschaft in der Cloud, um die SAP mit den US-Rivalen Salesforce und Oracle kämpft, betrachten die Walldorfer ihre Datenbanktechnologie Hana. Mit dieser können riesige Datenmengen in kürzester Zeit verarbeitet werden. Die treibende Kraft hinter Hana, Innovationsvorstand Vishal Sikka, hatte Anfang Mai überraschend SAP verlassen. Zum Nachfolger wurde umgehend Bernd Leukert berufen, enger Mitarbeiter von Sikka und Mitglied des erweiterten Vorstands. Während Sikka als genialer Visionär galt, bezeichnet Leukert sich selbst als Pragmatiker mit großer Kundennähe. Leukert könne ohne weiteres in die Fußstapfen von Sikka treten, sagte Mucic der Zeitung. Innovationen würden außerdem von einem starken Führungsteam in der Entwicklung getragen.

Von

rtr

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