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14.05.2014

11:54 Uhr

Softwarekonzern

SAP will Personal abbauen

Der deutsche Softwarekonzern SAP will Personal abbauen und umschichten. Ein Sprecher dementierte Medienberichte, wonach Tausende Stellen auf dem Spiel stünden. Einschnitte stehen dennoch bevor.

SAP will Stellen abbauen. dapd

SAP will Stellen abbauen.

Stuttgart/WalldorfDer Softwarekonzern SAP will weltweit Stellen umschichten und teilweise streichen. Ein Sprecher dementierte am Mittwoch jedoch US-Medienberichte, wonach Tausende Stellen auf dem Spiel stünden. „Tatsächlich werden wir Ende 2014 mehr Mitarbeiter beschäftigen als Anfang des Jahres“, sagte er. Restrukturierungen in einigen Bereichen könnten aber nicht vermieden werden. Wie viele Stellen betroffen sein werden, konnte er nicht sagen. „Es geht dabei eindeutig nicht um einen Stellenabbau“, betonte er. Zuvor hatten unter anderem „PC World“ und „Wall Street Journal“ über die Pläne berichtet. SAP beschäftigte zuletzt knapp 67 000 Mitarbeiter. Betroffen seien alle Regionen weltweit und alle Arbeitsfelder - ob Entwicklung, Vertrieb oder Kundendienst.

Grund für den Stellenabbau ist auch die Umstellung auf das als zukunftsträchtig geltende „Cloud“-Geschäft. Der Marktführer für Firmensoftware stellt sich schon länger darauf ein, dass die Kunden zunehmend Mietsoftware gegen Gebühren über das Internet nutzen statt sie gegen eine Lizenzgebühr zu kaufen. Das hat Folgen beim Personalbedarf - so werden im Service weniger Mitarbeiter gebraucht, die den Kunden vor Ort beraten. Das wird stattdessen zentral und aus der Ferne geleistet. Zu kleine Standorte sollen wegfallen oder verlagert werden, wie der Sprecher erläuterte. Konzernchef Bill McDermott, der bald alleine an der Spitze von SAP steht, hatte Mitte April die Devise „Vereinfachen und Optimieren“ ausgegeben. Das Cloud-Geschäft und der Handel mit der klassischen, beim Kunden installierten Software sollen verschmolzen werden.

Zukäufe von SAP

Wachstum dank Zukäufen

Der Walldorfer Software-Konzern SAP hat in den vergangenen Jahren hohe Milliardenbeträge für Großübernahmen ausgegeben. Damit verstärkte sich das Unternehmen für zukunftsträchtige Geschäftsfelder.

Business Objects

2007 übernahmen die Deutschen den französischen Softwarehersteller Business Objects für 4,8 Milliarden Euro. SAP kauft sich damit Analyse-Software, die Daten aus einzelnen Geschäftsbereichen von Unternehmen auswertet – und ist inzwischen Marktführer.

Sybase

Den Datenbankspezialisten Sybase übernimmt SAP im Jahr 2010 für 5,8 Milliarden Dollar und erwirbt damit Expertise für den Mobilfunkmarkt. Mit Hilfe der Sybase-Plattform lassen sich die SAP-Programme leichter auf Smartphones und Tablets spielen. Die Software von Sybase stellt außerdem den Grundstock für das wachsende Datenbankgeschäft von SAP.

Success Factors

2012 geht SAP die Übernahme von Success Factors für 3,4 Milliarden Dollar an. Software, die nicht mehr auf Firmenservern lagert, sondern nach Bedarf „on Demand“ über das Internet abgerufen wird, ist bereits heute ein Milliardenmarkt.

Ariba

Mit der Handelsplattform Ariba, die SAP ebenfalls 2012 für 4,3 Milliarden Dollar übernahm, sicherte sich der Softwarekonzern weitere Fähigkeiten. Ariba ist nicht nur eine Art Ebay für Unternehmen. Die Firma verkauft auch Software, zum Beispiel Programme, mit deren Hilfe Firmen ihren Lieferanten digitale Rechnungen stellen können.

Der demnächst alleinherrschende SAP-Co-Chef Bill McDermott hatte im Februar angekündigt, das Unternehmen schlanker machen zu wollen. Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa hatte er im April Kosteneinsparungen erwähnt. Einfacher zu werden, bedeute aber nicht, „dass wir nur Kosten sparen, sondern vor allem die Dinge noch besser machen“, sagte er. An den Mitarbeitern wolle er nicht sparen.

Seit der Umstellung auf die Cloud-Technologie herrscht bei SAP auch an der Spitze ein reges Kommen und Gehen. Einige Führungskräfte von Cloud-Anbietern, die SAP übernommen hat, verließen den Konzern nach kurzer Zeit. So ging vor wenigen Tagen Shawn Price, der erst zu Jahresbeginn als Dritter an dieser Stelle zum Cloud-Chef ernannt worden war. Da den Kunden Mietsoftware und traditionelle Software nun aus einer Hand angeboten werden, sei dieser Posten überflüssig geworden, erklärte der Sprecher. Vergangene Woche war außerdem überraschend Entwicklungschef Vishal Sikka aus dem Vorstand ausgeschieden - er ist der Vierte innerhalb eines Jahres, der das Top-Management verlassen hat

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