Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.03.2006

09:15 Uhr

Softwarekonzern unterläuft IG Metall-Initiative

SAP geht bei Betriebsrat in die Offensive

VonDietrich Creutzberg und Thomas Nonnast

Im Streit um die um die Wahl eines Betriebsrates beim größten deutschen Softwarekonzern SAP AG hat die Unternehmensführung eine Kehrtwende vollzogen. Statt wie bisher angekündigt „alle Möglichkeiten auszuloten“, um die Gründung eines derartigen Gremiums zu verhindern, wird SAP nun die Wahl eines Betriebsrates vorantreiben.

SAP will keinen Betriebsrat. Quelle: dpa

SAP will keinen Betriebsrat.

BERLIN / HEIDELBERG. Der Vorstand der SAP begrüße „die Entscheidung der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat, die Wahl eines Betriebsrats nun selbst zu organisieren“, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens. Die Arbeitnehmervertreter würden in den kommenden Wochen eine Betriebsversammlung einberufen, um einen Wahlvorstand zur Organisation von Betriebsratswahlen für die rund 9 000 Mitarbeiter an den Standorten Walldorf und St. Leon Rot zu wählen.

Mit dem überraschenden Meinungsumschwung versucht SAP offensichtlich, der Entscheidung eines Arbeitsgerichts zuvorzukommen: Nachdem Anfang März 91 Prozent der SAP-Mitarbeiter auf einer Betriebsversammlung die von IG-Metall-Mitgliedern vorgeschlagene Wahl eines Betriebsrates abgelehnt hatten, stellte ein Gewerkschaftsmitglied beim Arbeitsgericht Mannheim den Antrag auf die Einsetzung eines Wahlvorstands, der eine Betriebsratswahl organisieren soll.

Nach derzeitiger Rechtslage können bereits drei Beschäftigte oder eine Gewerkschaft die Wahl einer solchen „Arbeitnehmervertretung“ auch gegen den Willen der Arbeitnehmer gerichtlich durchsetzen. Einige Arbeitsrechtler vertreten zwar die Auffassung, dass dies gegen das Demokratieprinzip verstößt und möglicherweise verfassungswidrig sei, „die Prüfung der Rechtslage ergab jedoch, dass uns die geltenden Gesetze keine Möglichkeit geben, ein für die SAP passendes Modell in Deutschland zu etablieren oder die Einsetzung eines Wahlvorstands per Gerichtsentscheid zu verhindern“, heißt es in der Erklärung der SAP weiter. Thomas Klebe, Abteilungsleiter beim IG-Metall-Vorstand in Frankfurt, hält dagegen: „Soziale Schutzrechte für Arbeitnehmer können nicht durch Mehrheitsentscheidungen der Belegschaft unterdrückt werden.“

Nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“, will SAP nun zumindest den Einfluss der IG-Metall auf die Betriebsratswahl minimieren. „Wenn es einen Betriebsrat bei SAP geben muss, dann einen Betriebsrat aus unserer Mitte, der sich unserer besonderen Firmenkultur und unseren Werten verpflichtet fühlt“, sagte SAP-Vorstandschef Henning Kagermann. Der von den SAP-Arbeitnehmervertretern vorgeschlagene Wahlvorstand werde aller Wahrscheinlichkeit nach nicht aus den IG-Metall-Mitgliedern bestehen, die die erste Abstimmung eingeleitet hatten.

Der Marktführer für Unternehmenssoftware ist das größte Unternehmen in Deutschland ohne Betriebsrat. Bereits 1988 wählten aber die Beschäftigten acht Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsrat. Diese bilden ein informelles Gremium, das sich als vom Vorstand legitimierte Interessenvertretung für die weltweit 32 000 Mitarbeiter versteht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×