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10.08.2014

17:53 Uhr

Softwarekonzern

Verhandlungen über Umbau bei SAP stocken

Der Softwarekonzern SAP ist dabei, sein Geschäftsmodell umzubauen. Dabei sollen auch Stellen abgebaut werden. Der Betriebsrat kritisiert die Informationspolitik – und blockiert die Verhandlungen über den Umbau.

Unterm Strich will SAP Ende 2014 mehr Mitarbeiter beschäftigen als zu Jahresbeginn. dpa

Unterm Strich will SAP Ende 2014 mehr Mitarbeiter beschäftigen als zu Jahresbeginn.

Walldorf/HamburgDie Verhandlungen über den geplanten Stellenumbau beim Softwarekonzern SAP sind in Deutschland ins Stocken geraten. Der Betriebsrat der SAP SE habe erklärt, die Gespräche nicht weiterführen zu wollen, hieß es vom Unternehmen und Betriebsrat am Sonntag einstimmig. Der „Spiegel“ hatte vorab darüber berichtet.

Man habe keine Erläuterungen erhalten, warum welche Stellen betroffen seien, hieß es vom Betriebsrat. Ein SAP-Sprecher sagte, der Konzern sei der Informationspflicht als Arbeitgeber vollständig nachgekommen.

Der Konzern ist dabei, sein Angebot von fest installierter Software auf Abo-Modelle umzustellen - was sich auf der Personalseite niederschlägt, indem Jobs wegfallen. Unterm Strich will SAP Ende 2014 mehr Mitarbeiter beschäftigen als zu Jahresbeginn und den betroffenen Beschäftigten wenn möglich auch neue Jobs im Unternehmen anbieten. Bei Bekanntwerden der Umbaupläne hatte es geheißen, dass weltweit etwa drei Prozent der Mitarbeiter von der Restrukturierung betroffen sein werden.

Die Stärken von SAP

Hoher Börsenwert

Hohe Schulden, wenig Innovationen, kritische Kunden: SAP stand 2009 gehörig unter Druck. Der niedrige Aktienkurs befeuerte Übernahmegerüchte. Heute brummt das Geschäft wieder, an der Börse ist der Software-Konzern deswegen deutlich mehr wert. Ein Garant für die Eigenständigkeit.

Lukratives Wartungsgeschäft

SAP ist ein Software-Konzern, macht aber inzwischen mehr Umsatz mit der Wartungsverträgen als mit Lizenzen. Das beschert dem Unternehmen langfristig planbare Einnahmen. Das gilt auch für Cloud-Dienste, die bislang noch relativ wenig zum Umsatz beitragen, aber stark wachsen und daher als Geschäft der Zukunft gelten.

Zukunftstechnologie Hana

Mit der superschnellen Datenbank-Technologie Hana hat SAP ein Ass im Ärmel: Weil sie Daten im schnellen Hauptspeicher vorhält und nicht erst von einem langsameren Datenträger holen muss, kann sie laut SAP hunderte Milliarden Datensätze in Echtzeit auswerten. Damit beschleunigt der Software-Hersteller seine betriebswirtschaftlichen Anwendungen – eine Kampfansage an den Rivalen Oracle. SAP will die Technologie aber auch außerhalb des Kerngeschäfts vermarkten, etwa für die medizinische Analytik oder der Steuerung von Stromnetzen. Der Umsatz damit ist noch gering, aber die Chancen sind immens.

In Deutschland sind nach Angaben des Betriebsrats rund 300 der insgesamt 17.200 Stellen hierzulande bei der SE und Landesgesellschaft von den Umbauplänen bedroht. Weltweit beschäftigt SAP rund 67 700 Mitarbeiter. Der nächste Schritt ist nun ein Schlichtungsverfahren, das nach Angaben des Betriebsrates Mitte September starten könnte.

Von

dpa

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