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04.02.2015

11:24 Uhr

Sony-Zahlen

Happy End trotz Hackerangriff aus Nordkorea

VonChristof Kerkmann

War da was? Die Cyberattacke auf die Filmsparte von Sony schadet dem Elektronikkonzern nicht so sehr wie befürchtet. Er steigert sogar den Betriebsgewinn, weil Spielkonsolen und Bildsensoren gefragt sind.

Filmszene aus „The Interview“: Der Hackerangriff, der im Zusammenhang mit der Nordkorea-Satire stehen soll, beeinträchtigt Sony weniger als befürchtet. dpa

Filmszene aus „The Interview“: Der Hackerangriff, der im Zusammenhang mit der Nordkorea-Satire stehen soll, beeinträchtigt Sony weniger als befürchtet.

DüsseldorfEs war eine Attacke ungekannten Ausmaßes: Eine Hackergruppe, die sich selbst „Guardians of Peace“ nennt, drang im vergangenen Jahr in die Netzwerke des Filmstudios Sony Pictures ein und stahl große Mengen geheimer Daten. Diese tauchten bald darauf im Internet auf, darunter Kosten und Erlöse von Filmen und Serien, der bis dahin unveröffentlichte Film „The Interview“ und das Skript des neuen 007-Teils „Spectre“. Für ein Medienunternehmen kann es kaum schlimmer kommen.

Doch die aktuelle Zwischenbilanz zeigt, dass die Folgen der Cyberattacke nicht so schwer ins Gewicht fallen wie befürchtet. Das Geschäft der Filmsparte lief zwar im Quartal von Oktober bis Dezember deutlich schwächer als sonst, künftig rechnet der Konzern aber nicht mehr mit „erheblichen Belastungen“. Was Anleger noch mehr freuen dürfte: Weil die Playstation und Bildsensoren gefragt sind und die Einsparungen Wirkung zeigen, fällt der Quartalsgewinn deutlich höher aus als erwartet. Gelingt Sony doch ein Happy End?

Nach vorläufigen Zahlen verdoppelte sich der operative Gewinn auf 178 Milliarden Yen (1,3 Milliarden Euro), wie der japanische Konzern am Mittwoch mitteilte. Der Umsatz stieg um sechs Prozent auf 2,55 Billionen Yen (19 Milliarden Euro). Auch die Prognose für das bis Ende März laufende Geschäftsjahr fällt besser aus, der Verlust soll nur noch 70 Milliarden Yen (1,23 Milliarden Euro) betragen. Aufgrund des Cyberangriffs legt Sony erst später endgültige Zahlen vor.

Sony in der Dauerkrise

„One Sony“

Sony tut sich seit Jahren schwer. Als Kazuo Hirai Anfang 2012 den Chefposten übernahm, gab er die Devise „One Sony, One Management“ aus. Er will den japanischen Konzern in den drei Kernbereichen Smartphones, Digitalkameras und Computerspiele wieder zu einem schlagkräftigen Wettbewerber machen.

Ohne Partner im Smartphone-Geschäft

Große Hoffnung setzt Sony in das Smartphone-Geschäft. Deswegen übernahm der Konzern 2012 vom schwedischen Partner Ericcson dessen Anteile am schwächelnden Handy-Hersteller Sony Ericsson. Mit einem Angebot aus einer Hand will Sony gegen Wettbewerber wie Apple, Samsung und LG Boden gutmachen. Allerdings wird der Wettbewerb immer härter, chinesische Hersteller drängen mit günstigen Preisen in den Markt.

Eintritt ins Wohnzimmer

Mit seiner Playstation ist Sony unter Computerspielern eine feste Größe. Das neue Gerät, die seit Ende 2013 verkaufte Playstation 4, soll den Verkauf von Hardware und Software wieder ankurbeln. Das Geschäft läuft rund, Sony verkauft deutlich mehr Geräte als der Konkurrent Microsoft mit seiner Xbox One.

Probleme im Kamerageschäft

Das Kamerageschäft ist eine der drei großen Sony-Sparten, und auch hier tut sich der Konzern schwer. Der Absatz von Kameras und Camcordern sinkt, gerade kompakte Geräte leiden unter der Konkurrenz durch Smartphones. Allerdings profitiert Sony von der Nachfrage nach seinen Bildsensoren.

Raus aus dem PC-Markt

Der PC-Markt schrumpft – und Sony will nicht mehr mitschrumpfen: Der Konzern hat 2014 den Geschäftsbereich mit der Marke Vaio an einen Investmentfonds verkauft.

Keine Lösung fürs TV-Geschäft

Der Wettbewerb auf dem TV-Markt ist brutal – darunter leidet auch Sony, der Konzern schreibt mit Fernsehern seit Jahren Verluste. Nun gliedert er die Sparte in eine separate Gesellschaft aus. Was das Unternehmen damit plant, ist derzeit unklar.

Filmstudio leidet unter Cyberangriff

In den traditionellen Geschäftszweigen Film und Musik läuft es bei Sony meistens gut. Allerdings erschütterte Ende 2014 ein Hackerangriff das Hollywood-Studio Sony Pictures. Die Angreifer veröffentlichten zahlreiche vertrauliche Daten im Netz, darunter auch unveröffentlichte Filme und Skripte.

Sony ist ein Mischkonzern, der neben Fernsehern, Smartphones und Spielkonsolen auch Komponenten und Finanzprodukte anbietet. Nach schwierigen Jahren zeichnen sich in vielen Bereichen Verbesserungen ab. So lief im abgelaufenen Quartal das Geschäft mit der Playstation 4 hervorragend, auch die Bildsensoren des japanischen Herstellers waren gefragt. Immerhin Zeichen der Besserung zeigen sich bei der Fernsehproduktion. Aus dem hart umkämpften PC-Markt hat sich Sony bereits zurückgezogen. Einigen Sparten profitierten auch vom Wechselkurs des Yen. Dagegen dauern die großen Probleme der Filmsparte nach dem Cyberangriff an, die Buchhaltung liegt beispielsweise immer noch brach.

Die Entwicklungen auf dem Smartphone-Markt sind für Sony Fluch und Segen zugleich. Die eigenen Modelle verkaufen sich angesichts des harten Wettbewerbs mehr schlecht als recht. 11,9 Millionen Geräte setzte der Konzern im Weihnachtsquartal ab – 1,2 Millionen mehr als im Vorjahr, allerdings deutlich weniger als etliche Rivalen. In diesem Geschäftsjahr werde die Sparte rote Zahlen schreiben, kündigte das Unternehmen an.

Sony will sich nun auf Industrieländer konzentrieren, wo die Nutzer mehr Geld ausgeben. Gesundschrumpfen lautet die Devise: weniger Umsatz, aber dafür Gewinn. Um die Kosten zu senken, streicht Sony weitere 1100 Stellen, insgesamt also 2100.

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