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06.03.2014

23:46 Uhr

Soziale Netzwerke

Facebook hat ein Waffenproblem

VonAxel Postinett

Für Facebook werden private Schusswaffen-Angebote in den USA zum moralischen Stolperstein. Das soziale Netzwerk hofft auf guten Willen der Nutzer. Kritiker bemängeln die geplanten Neuregelungen als halbherzig.

Nicht alle Facebook-Mitglieder nutzen das soziale Netzwerk lediglich zum Austausch mit Freunden. Es werden auch private Anzeigen gepostet. AFP

Nicht alle Facebook-Mitglieder nutzen das soziale Netzwerk lediglich zum Austausch mit Freunden. Es werden auch private Anzeigen gepostet.

New YorkDas soziale Netzwerk Facebook plant neue Regeln für den Verkauf von Schusswaffen auf seinen Seiten Facebook und Instagram. Während private Angebote nicht grundsätzlich verboten werden, hofft das Management um Mark Zuckerberg mit warnenden Hinweisen und Altersbeschränkungen illegalem Treiben einen Riegel vorschieben zu können. Untersagt werden nur Postings, die offen damit werben, gesetzliche Vorgaben umgehen zu können – falls sich jemand findet, der Facebook von diesem Angebot in Kenntnis setzt. Ein eigenes Team, das Regelverstöße überwacht, ist nicht geplant.

Widerwillig beugt sich das mit 1,3 Milliarden Mitgliedern größte soziale Netzwerk dem Druck der Massen. Über Monate hinweg hatten Lobbygruppen den laxen Umgang mit Anzeigen und Postings beklagt, die mehr oder weniger subtil verbrämt den Kauf von Waffen angepriesen hatten, oder Waffen an den gesetzlich vorgeschriebenen Regelungen vorbei in andere US-Bundesstaaten verkaufen wollten.

Manche versprechen, keinen Eignungstest zu verlangen. Der soll verhindern, dass mental instabile oder einschlägig vorbestrafte Menschen Waffen unerkannt erwerben und gleichzeitig die Basis für ein Waffenregister liefern. Allerdings ist die Rechtslage nicht immer ganz eindeutig. In machen Bundesstaaten verlangt das Gesetz keinen Eignungstest für Privatverkäufe zwischen Personen aus demselben Bundesstaat.

Facebooks Weg zum Weltkonzern

Vorläufer Facemash

Als Student an der Harvard-Universität programmiert Mark Zuckerberg mit mehreren Kommilitonen 2003 die Plattform facemash.com. Dort präsentiert er zwei zufällig ausgewählte Fotos von Harvard-Studentinnen – die Nutzer sollen über die Buttons „hot“ oder „not“ die attraktivere auswählen. Weil Zuckerberg die Bilder illegal beschafft hat und das Projekt massive Protesten auslöst, wird es nach kurzer Zeit wieder eingestellt.

„Thefacebook" geht online

Mark Zuckerberg und seine Mitgründer eröffnen im Februar 2004 „Thefacebook“. Es handelt sich um die Online-Version der gedruckten Jahrbücher. Das Konzept wird bald auf andere Universitäten ausgeweitet und verbreitet sich schließlich weltweit. Zwei von Zuckerbergs Kommilitonen klagen später mit dem Vorwurf, er habe ihnen die Idee für Facebook gestohlen. Der Streit wird im Jahr 2011 mit einem Vergleich beigelegt, die Kläger Tyler und Cameron Winklevoss erhalten 65 Millionen US-Dollar.

Der Newsfeed rückt ins Zentrum

Zweieinhalb Jahre nach der Gründung stattet Zuckerberg die Social-Media-Plattform mit dem Newsfeed aus – also mit einer Chronik, die alle Neuigkeiten aus dem Freundeskreis eines Nutzer anzeigt. Zuerst geht ein Aufschrei durch die Facebook-Gemeinde, die Mitglieder fürchten um ihre Privatsphäre. Doch der Amerikaner hält an seiner Idee fest und schließlich entwickelt sich Newsfeed zum zentralen Element von Facebook. Das Design der Nachrichtenchronik wird seitdem ständig überarbeitet, seit 2012 findet man dort auch Werbung.

Daumen hoch für Facebook

Im Februar 2009 führt Facebook den „Gefällt mir“-Knopf ein. Damit können Nutzer zeigen, dass ihnen etwas gefällt und dafür sorgen, dass sie bestimmte Nachrichten in ihren Newsfeed gespeist bekommen. Inzwischen hat das Symbol eine popkulturelle Bedeutung erlangt.

Profitabel dank Sandberg

Im März 2008 gibt Facebook bekannt, Sheryl Sandberg als Chefin fürs Tagesgeschäft (COO) von Facebook einzustellen. Der Auftrag der Harvard-Absolventin und ehemaligen Google-Managerin ist klar: Sie soll Facebook profitabel machen, was ihr zwei Jahre später auch gelingt. 2012 wird sie vom Time-Magazin in die Liste der 100 einflussreichsten Personen aufgenommen.

Umzug im Großformat

Mehr als 2000 Mitarbeiter beschäftigt Facebook im Juli 2011 – und allmählich werden die überwiegend angemieteten Gebäude in Palo Alto zu eng. Das Online-Unternehmen wird auf der Suche nach einer neuen Zentrale wieder im Silicon Valley fündig: Auf dem ehemaligen Campus des Computerherstellers Sun Microsystems stehen Mark Zuckerberg und seinen Mitarbeitern neun Gebäude auf knapp 24 Hektar zur Verfügung. Weil Facebook kurz zuvor 1,5 Milliarden Dollar von seinen Investoren eingesammelt hat, kann es sich den Umzug problemlos leisten.

Instagram und Whatsapp

Die bis dato größte Investition tätigt Mark Zuckerberg im April 2012: Für eine Milliarde US-Dollar schluckt Facebook das Start-Up Instagram. Das Unternehmen hatte eine gleichnamige App entwickelt, mit der man Fotos bearbeiten und teilen kann. Mit der Übernahme weicht Zuckerberg erstmals von seiner bisherigen Philosophie ab, die nur ein soziales Netzwerk für alle Nutzer vorsah. 2014 bewältigt Facebook eine weitaus größere Übernahme: Die Instant-Messaging-App Whatsapp kostet insgesamt 19 Milliarden Dollar.

Erst hui, dann pfui, dann hui

16 Milliarden US-Dollar an nur einem Tag – so viel Geld spült der bis dato größte Börsengang eines Internet-Unternehmens am 18. Mai 2012 in die Kasse von Facebook. Obwohl Experten einen deutlichen Anstieg des Kurses vorausgesagt hatten, bricht der Wert der Aktie dramatisch ein. Bis August 2012 halbiert sich der Ausgabepreis von 38 Dollar. Erst ein Jahr später wird dieser Wert wieder erreicht – danach steigt die Aktie in ungeahnte Höhen.

Jeder siebte bei Facebook

Im September 2012 verkündet Mark Zuckerberg stolz, dass Facebook die Marke von einer Milliarde Mitglieder geknackt hat. Rein rechnerisch ist somit jeder siebte Mensch der Welt bei dem sozialen Netzwerk angemeldet. Dabei haben die rund 1,3 Milliarden Einwohner Chinas bisher noch nicht einmal offiziellen Zugriff auf Facebook. Die Mitgliederzahlen steigen weiter, wenn auch langsamer als früher.

Geschäftsmodell überzeugt Anleger

Facebook reagiert auf die zunächst schlechte Entwicklung der Aktie: Das Unternehmen setzt alle Hebel in Bewegung, damit die Werbung in dem sozialen Netzwerk einträglicher wird, sowohl auf dem Desktop als auch auf mobilen Geräten – mit Erfolg. So gelingt es auch, die skeptischen Anleger zu überzeugen. Die Facebook-Aktie steigt im Oktober 2015 auf mehr als 100 Dollar.

Die fraglichen Anzeigen sollen aber auch Minderjährige oder anonyme Kaufinteressenten angesprochen haben. Neben starken Lobbygruppen wie „Moms Demand Actions“ hatten sich auch der New Yorker Staatsanwalt Eric Schneidermann und die machtvolle Bewegung „Mayors Against Illegal Guns“ des New Yorker Ex-Bürgermeisters Michael Bloomberg auf Facebook eingeschossen.

Das Problem: Während für die kommerziellen Facebook-Anzeigenkunden schon längst strikte Regeln gelten, was den Verkauf von Produkten wie Waffen, Pornos, Arzneimittle oder Drogen angeht, ist der Teil des eigentlichen freien Facebook-Dienstes deutlich schwächer geregelt. Da ist es, zumindest bislang, einfach möglich, sporadisch im privaten Profil einen Hinweis auf ein mögliches Waffengeschäft zu posten. Das Geschäft selbst wird dann nicht über Facebook, sondern privat abgewickelt.

„Wir haben detaillierte Hinweise bekommen“, schreibt Facebook in einem Blogeintrag, „dass Menschen über den privaten Verkauf von Schusswaffen auf Facebook oder Instagram besorgt sind. Das ist einer von vielen Bereichen, in denen wir vor der schwierigen Aufgabe stehen, eine Balance zwischen dem Wunsch nach individuellen Kommunikationsfreiheit herzustellen und der Erkenntnis, dass diese Aktionen Auswirkungen außerhalb Facebooks haben.“

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