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03.11.2012

12:38 Uhr

Soziales Netzwerk Badoo

Nachtclub statt Klassentreffen

VonChristof Kerkmann

Im Windschatten von Facebook und Twitter wächst ein Soziales Netzwerk rasant: Badoo. Die Plattform will Leute zusammenbringen, die sich noch nicht kennen – vor allem für Flirts. Das rentiert sich offenbar.

„Badoo ist wie eine Party“, sagt Manager Jeff Hardy. Badoo

„Badoo ist wie eine Party“, sagt Manager Jeff Hardy.

DüsseldorfWenn Facebook eine Mischung aus Klassentreffen, Kantinenschnack und Familienfeier ist, dann ist Badoo ein Nachtclub. Das rasant wachsende Online-Netzwerk, das in Deutschland trotz beachtlicher Mitgliedszahlen von der Allgemeinheit noch wenig wahrgenommen wird, will nicht alte Schulkameraden, Kollegen und Freunde vernetzen, sondern Leute, die sich noch nicht kennen. Meist für einen Flirt. Oder einen One-Night-Stand.

Das lohnt sich für das sechs Jahre alte Unternehmen: Anders als Facebook scheut es sich nicht, die Nutzer zur Kasse zu bitten – mit diesem Geschäftsmodell schreibt Badoo seit zwei Jahren schwarze Zahlen.

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Groß geworden ist das Netzwerk in Südeuropa und Lateinamerika, inzwischen kommen die mehr als 160 Millionen registrierten Mitglieder aus aller Welt. Im März startete es eine Werbekampagne auf dem lukrativen US-Markt. Und auch ohne viel Marketing erreicht die Plattform in Deutschland mittlerweile 2,7 Millionen Menschen.

Die großen Online-Partnervermittlungen

Der kleine Unterschied

Grundsätzlich muss man unterscheiden zwischen Online-Partnervermittlungen und Online-Flirt-Portalen. Es folgt eine Auflistung der wichtigsten Anbieter.

Friendscout 24

Das Online-Flirt-Portal kommt auf 761.000 Besucher pro Monat. Gemessen wurden die Daten im Juni 2011. Der Preis liegt bei knapp 90 Euro pro Quartal. Die Stiftung Warentest gibt der Seite in ihrer Untersuchung eine 3,3.

Flirt Café

Auf Rang zwei der Online-Flirt-Portale folgt mit einigem Abstand das Flirt Café mit 464.000 Besuchern pro Monat.

Neu.de

Auf Rang drei folgt Neu.de mit 355.000 Besuchern.

Dating Cafe

Abgesehen von den größten Drei gibt es eine Reihe von weiteren Flirtbörsen. In einer Untersuchung von Stiftung Warentest erreicht DAting Cafe die beste Note - nämlich eine 2,7. Pro Quartal kostet die Mitgliedschaft 51 Euro. Die Zielgruppe sind Singles mit Niveau, im Schnitt Ende 30.

Finya

Kostenlos und dennoch gut bewertet ist Finya. Bei Stiftung Warentest kommt die Flirtbörse für junge Manschen ab 18 auf eine Durchschnittsnote von 2,9.

50plus-Treff

Wie der Name schon sagt, richtet sich 50plus-Treff an Single in höherem Alter. Die Mitgliedschaft kostet rund 60 Euro im Quartal.

Flirtcafe

Zumindest die Stiftung Warentest hält nicht besonders viel von der Börse Flirtcafe, denn sie vergab die Note 5,2. 57 Euro kostet Flirtcafe im Quartal.

Elitepartner

Bei den Online-Partnervermittlungen liegt Elitepartner.de klar vorne. Das Portal kommt auf 352.000 Besucher. Auch hier wurde im Juni 2011 gemessen. Mit 60 Euro pro Monat ist die Teilnahme aber nicht gerade ein Schnäppchen.

Parship

Mit einigem Abstand folgt auf dem zweiten Rang Parship. Hier klicken monatlich 180.000 Besucher.

Edarling

Auf dem dritten Platz folgt Edarling mit 141.000 Besuchern. Die Daten stammen von Singlebörsen-Vergleich, Bitkom und Nielsen.

partnersuche.de

Nicht gerade ein Schnäppchen ist das Portal partnersuche.de - denn pro Quartal kostet die Teilnahme 179 Euro. Dabei bewertet die Stiftung Warentest das Portal nur mit 3,4. Parship (2,2), Elitepartner (3,1) und Edarling (3,3) kommen da besser weg.

Be2

Be2 richtet sich an Single ab 25 Jahren, die eine feste Beziehung suchen. Pro Quartal kostet es 150 Euro. Die Durchschnittsnote liegt bei 3,0.

Partner.de

Mit einer Gebühr von 74,50 Euro pro Quartal ist partner.de die günstigste Partnerbörse. Die Zielgruppe ist im Schnitt Mitte 40.

Erfahrung nach Altersgruppe

Der Aussage "Ich habe ein Date via Internet verabredet" stimmen vor allem die 14- bis 29-Jährigen zu: 47 Prozent sagen hier: das habe ich schon mal getan. Bei den 30- bis 49-Jährigen sind es 21 Prozent, bei den 50- bis 64-Jährigen neun Prozent und bei den über 65-Jähringen immer noch 13 Prozent.

Ein Facebook-Konkurrent soll Badoo ausdrücklich nicht sein – auch wenn es bei der Gründung 2006 zunächst als solcher antrat. „Wir sind eine Ergänzung“, sagt Manager Jeff Hardy im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Es gibt viele Leute, die man nicht kennt, die aber die gleichen Interessen haben. Badoo ist die optimale Umgebung, um jemanden zu treffen – wie eine Party.“ Mit den Smartphone-Apps gehe das auch direkt in einer Disco oder bei einem Festival.

Internetbörsen für Sexkontakte und Seitensprung

Ashley Madison

Wer einen geeigneten Partner für den Seitensprung sucht, kann es bei Ashley Madison versuchen. Die Kosten richten sich nach einem Credit-Point-System. Zielgruppe sind verheiratete Männer und Frauen.

C-Date

C-Date richtet sich an 35-40-Jährige mit gehobenem Niveau. Frauen zahlen nichts, Männer rund 120 Euro pro Quartal.

First Affair

Im Schnitt sind die Nutzer von First Affair Anfang 30. Mit einem Preis von 40 Euro ist es für Männer vergleichsweise erschwinglich, Frauen dürfen umsonst mitmachen.

Flirt-Fair

Auch Flirt-Fair hat die Zielgruppe der Anfang-Dreißigjährigen. Männer können sich für 120 Euro pro Quartal auf die Suche nach erotischen Abenteuern machen, Frauen zahlen nichts.

Joy-Club

Joy-Club hat eine breite Zielgruppe, die auch nicht vom Alter abhängig ist. Egal ob Singles, Paare oder Transsexuelle - Männer können für rund 60 Euro im Quartal mitmachen.

Lovepoint

Auch Lovepoint ist breit angelegt. Interessierte können hier den Traumpartner finden oder jemanden für einen Seitensprung: Die Kosten liegen für Männer bei 99 Euro.

Meet 2 Cheat

Wer schon mit Mitte 30 auf der Suche nach einem Seitensprung ist, kann bei Meet 2 Cheat fündig werden. Männer zahlen knapp 90 Euro pro Quartal.

Secret

Secret richtet sich vor allem an Frauen. Die Kosten orientieren sich an eine Credit-Point-System.

Nun gibt es vielleicht Leute, die sich im Club zum Museumsbesuch oder zum Joggen verabreden. Aber die sind in der Minderheit. Auch bei Badoo. Viele Nutzer zeigen mit offenherzigen Fotos, dass sie auf der Suche nach einem Partner oder einer Partnerin sind – für was auch immer. Das Vergleichsportal online-partnersuche.de spricht von einer „Flirt- und Chat-Plattform für ein jüngeres Publikum“.

Darauf will Hardy, der für besondere Projekte zuständig ist, das Unternehmen nicht beschränkt sehen. Man könne sich auch zu gemeinsamen Reisen oder einem Kinobesuch verabreden – dafür hat Badoo die imageförderliche Funktion „Interessen“ eingeführt. Aber: „Dating gehört dazu.“

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