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26.06.2012

02:19 Uhr

Soziales Netzwerk

Facebook bestellt mit Sheryl Sandberg erstmals eine Frau in den Verwaltungsrat

Die Kritik am „Club der weißen Männer“ scheint gewirkt zu haben. Facebook-Chef Mark Zuckerberg holt Geschäftsführerin Sheryl Sandberg in den Verwaltungsrat. Doch an Frauen mangelt es im Silicon Valley auch danach noch.

Sheryl Sandberg bei einer Rede an der Harvard Business School. Reuters

Sheryl Sandberg bei einer Rede an der Harvard Business School.

New YorkDie Nummer zwei bei Facebook, Sheryl Sandberg, baut ihre Macht im Sozialen Netzwerk aus. Die fürs Tagesgeschäft zuständige Managerin und rechte Hand von Firmenchef Mark Zuckerberg ist nun auch in den Verwaltungsrat eingezogen. Dies ist das höchste Firmengremium.

„Sheryl hat mir als ein Partner bei der Führung von Facebook zur Seite gestanden“, begründete Zuckerberg am Montag die Berufung. „Sie ist für unser Wachstum und unseren Erfolg über die Jahre hinweg zentral gewesen.“ Ihre Erfahrung habe sie zu einer natürlichen Kandidatin für den Verwaltungsrat gemacht.

Sandberg ist die erste Frau in dem nun auf acht Köpfe anwachsenden Gremium. Die meisten anderen Mitglieder sind Investoren, die mit ihren Millionen den steilen Aufstieg von Facebook zum weltgrößten sozialen Online-Netzwerk ermöglicht haben. Vorsitzender des Verwaltungsrats ist Gründer und Firmenchef Zuckerberg.

Facebook in Zahlen

Transparenz dank Börsengang

Facebook war lange verschwiegen, wenn es um die Geschäftszahlen ging. Das hat sich mit dem Börsengang im Mai 2012 geändert – nun muss das Unternehmen die Börsianer genau informieren. Die Dokumente offenbaren zudem einen Blick in die ersten Jahre des Sozialen Netzwerks. Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick.

Schon früh profitabel

In den ersten Jahren verlor Facebook zwar Geld – wie fast alle Startups. Doch schon 2009 erreichte das Unternehmen mit einem Gewinn von 229 Millionen Dollar die schwarzen Zahlen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr machte Facebook 7,9 Milliarden Dollar Umsatz aus Werbung und Online-Spielen und verdienten 1,5 Milliarden Dollar Gewinn. Damit hängt das Netzwerk Internet-Urgesteine wie AOL und Yahoo längst ab.

Werbung als wichtigste Geldquelle

Facebook macht sein Geld vor allem mit Werbung. Zuletzt lag der Anteil bei rund 90 Prozent. Der Rest resultiert vor allem daraus, dass Facebook an den Einnahmen aus Online-Spielen beteiligt wird. Im ersten Quartal 2014 schnellte der Umsatz um 72 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar hoch, der Gewinn verdreifachte sich auf 642 Millionen Dollar.

Beispielloses Wachstum

Facebook hat ein beispielloses Wachstum hinter sich: Binnen zehn Jahren ist die Zahl der aktiven Nutzer auf 1,28 Milliarden gewachsen, das entspricht grob der Hälfte der globalen Internet-Population.

Zuckerberg hat die Kontrolle

Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg hat Facebook auch nach dem Börsengang fest im Griff. Er hält Aktien der Klasse B, die zehn Stimmen haben, während Anleger beim Börsengang nur A-Klasse-Aktien mit einer Stimme bekommen haben.

Dominant in aller Welt

Fast die ganze Welt ist blau: In beinahe allen Ländern ist Facebook das größte Soziale Netzwerk – nennenswerte Ausnahmen sind Russland und China, wo lokale Unternehmen dominieren.

Keine Chance für StudiVZ

Auch wenn StudiVZ lange vorne lag, ist Facebook in Deutschland inzwischen die unangefochtene Nummer 1. Nach jüngsten Schätzungen des Portals allfacebook.com hat Facebook hierzulande 27 Millionen aktive Mitglieder.

Riese Datenmengen

Facebook ist ein Daten-Riese: Das Soziale Netzwerk verarbeitet (nach Zahlen aus dem August) jeden Tag mehr als 500 Terabyte. Einen großen Teil machen die 300 Millionen Bilder aus, die die Nutzer hochladen.

Facebook musste sich angesichts des bislang rein männlich besetzten Spitzengremiums in letzter Zeit immer lautere Kritik anhören - zumal mit Sandberg eine der bekanntesten Managerinnen überhaupt bei dem Unternehmen arbeitet. Sie sitzt bereits in mehreren anderen Verwaltungsräten, unter anderem beim weltgrößten Medienkonzern Walt Disney.

Allgemein dürften Frauen im Silicon Valley von der Nachricht erfreut sein. Die Tech-Branche in den USA muss sich immer wieder Frauenfeindlichkeit vorwerfen lassen. Zahlen der Headhunter-Firma Stuart Spencer zeigen, dass gerade Mal neun Prozent der Verwaltungsratssitze im Silicon Valley von Frauen besetzt sind. Auf alle Branchen gesehen sind es fast doppelt so viel.

Sandberg, bereits vorher eine der mächtigsten Frauen im Silicon Valley, hatte sich immer wieder öffentlich für mehr Frauen im Management eingesetzt. Kürzlich machte sie Schlagzeilen, weil sie in einem Interview sagte, dass sie das Büro jeden Tag um halb sechs verlasse, um Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Bis vor kurzem habe sie sich nicht getraut, dazu zu stehen, sagte die Managerin.

Sheryl Sandberg, geboren als Tochter einer jüdischen Familie in Washington D.C., stieß 2008 zu Facebook, nachdem Mark Zuckerberg sie der Legende nach an einer Weihnachtsparty im Silicon Valley überzeugt hatte, vom Tech-Riesen Google zum damals noch winzigen sozialen Netzwerk zu wechseln.

Zusammen hat das Spitzen-Duo Facebook nach 2008 innert kurzer Zeit zu einem profitablen Unternehmen mit fast einer Milliarde Nutzer gemacht. Das Geld floss vor allem dank Sandberg. Zuckerberg sagte in einem Interview mit dem Magazin „New Yorker“, Sandberg mache „die Dinge, die ich nicht machen will“. Nebst Personalentscheidungen und Führung gehört dazu die für Facebook so wichtige Werbung.

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Kommentare (1)

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Account gelöscht!

26.06.2012, 09:15 Uhr

"Doch an Frauen mangelt es im Silicon Valley auch danach noch."

Im Silicon Valley ist die Frauenquote zwar noch nicht erfüllt; die Idiotenquote hingegen ist bereits übererfüllt. Congrats!

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