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18.07.2012

05:16 Uhr

Soziales Netzwerk

Facebook verliert Mitglieder in den USA

VonAxel Postinett

Facebook hat offenbar erneut Beliebtheit eingebüßt. Die Mitgliederzahl in den USA ist im letzten halben Jahr um 1,1 Prozent gesunken. Das Nutzerminus gerade in diesem Markt ist für Facebook besonders schmerzhaft.

Das Facebook-Logo. AFP

Das Facebook-Logo.

San FranciscoFacebook verliert in seinem Kernland USA Mitglieder. Die Nachrichtenagentur Bloomberg zitiert aus einer Studie des Analysten Rory Mather von Capstone Investment, wonach die Nutzerzahl des Sozialen Netzwerks in den USA innerhalb der vergangenen sechs Monate um 1,1 Prozent zurückgegangen ist. In 23 Ländern, in denen Facebook mindestens 50 Prozent Marktanteil halte sei das Wachstum in den vergangenen drei Monaten unverändert und in 14 Ländern verlangsamt gewesen. Die Facebook-Aktie schloss am Dienstag in New York mit 28,09 Dollar leicht im Minus, nachdem sie schon am Vortag um 8,1 Prozent gefallen war.

Der Nutzerverlust in den USA ist für Facebook besonders schmerzhaft, weil hier am meisten verdient wird. Der Umsatz für USA und Kanada ist bereits rückläufig, er lag nach Angaben aus dem Börsenprospekt im ersten Quartal 2012 bei 525 Millionen Dollar, nach 567 Millionen im vierten Quartal 2011. Der durchschnittliche Umsatz pro Nutzer fiel von 3,20 Dollar auf 2,86 Dollar. Die USA als zweitgrößter Mobilfunkmarkt hinter China dürfte auch einen beträchtlichen Teil der rund 488 Millionen mobilen Facebook-Nutzer ausmachen, mit denen derzeit kein Umsatz generiert wird. Eine regionale Untergliederung wird allerdings nicht ausgewiesen. Wenn es sich bei den inaktiven Nutzern nicht überwiegend um Mobilfunk-Nutzer handelt, sondern um PC-Nutzer, könnte der Effekt auf den Umsatz pro Nutzer sogar überproportional ausfallen.

Beim Börsengang im Mai hatte es bereits erhebliche Kritik gegeben, da den Konsortialbanken bereits detailliertere Hinweise zu einer Abschwächung des Wachstums als den übrigen Interessenten und Privatanlegern gegeben wurden. Die Banken hatten daraufhin intern ihre Umsatz- und Gewinnerwartungen für den Börsenkandidaten gesenkt, es aber nur ausgewählten Kunden mitgeteilt.

Facebook in Zahlen

Transparenz dank Börsengang

Facebook war lange verschwiegen, wenn es um die Geschäftszahlen ging. Das hat sich mit dem Börsengang im Mai 2012 geändert – nun muss das Unternehmen die Börsianer genau informieren. Die Dokumente offenbaren zudem einen Blick in die ersten Jahre des Sozialen Netzwerks. Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick.

Schon früh profitabel

In den ersten Jahren verlor Facebook zwar Geld – wie fast alle Startups. Doch schon 2009 erreichte das Unternehmen mit einem Gewinn von 229 Millionen Dollar die schwarzen Zahlen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr machte Facebook 7,9 Milliarden Dollar Umsatz aus Werbung und Online-Spielen und verdienten 1,5 Milliarden Dollar Gewinn. Damit hängt das Netzwerk Internet-Urgesteine wie AOL und Yahoo längst ab.

Werbung als wichtigste Geldquelle

Facebook macht sein Geld vor allem mit Werbung. Zuletzt lag der Anteil bei rund 90 Prozent. Der Rest resultiert vor allem daraus, dass Facebook an den Einnahmen aus Online-Spielen beteiligt wird. Im ersten Quartal 2014 schnellte der Umsatz um 72 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar hoch, der Gewinn verdreifachte sich auf 642 Millionen Dollar.

Beispielloses Wachstum

Facebook hat ein beispielloses Wachstum hinter sich: Binnen zehn Jahren ist die Zahl der aktiven Nutzer auf 1,28 Milliarden gewachsen, das entspricht grob der Hälfte der globalen Internet-Population.

Zuckerberg hat die Kontrolle

Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg hat Facebook auch nach dem Börsengang fest im Griff. Er hält Aktien der Klasse B, die zehn Stimmen haben, während Anleger beim Börsengang nur A-Klasse-Aktien mit einer Stimme bekommen haben.

Dominant in aller Welt

Fast die ganze Welt ist blau: In beinahe allen Ländern ist Facebook das größte Soziale Netzwerk – nennenswerte Ausnahmen sind Russland und China, wo lokale Unternehmen dominieren.

Keine Chance für StudiVZ

Auch wenn StudiVZ lange vorne lag, ist Facebook in Deutschland inzwischen die unangefochtene Nummer 1. Nach jüngsten Schätzungen des Portals allfacebook.com hat Facebook hierzulande 27 Millionen aktive Mitglieder.

Riese Datenmengen

Facebook ist ein Daten-Riese: Das Soziale Netzwerk verarbeitet (nach Zahlen aus dem August) jeden Tag mehr als 500 Terabyte. Einen großen Teil machen die 300 Millionen Bilder aus, die die Nutzer hochladen.

Der Nutzerverlust kann Ausdruck einer zunehmenden Unzufriedenheit mit Facebook sein, das sich in der Vergangenheit durch zahlreiche Verstöße gegen den Datenschutz Aufsehen erregt und seit dem Börsengang ein aggressiveres Verhalten beim Vermarkten von Nutzerdaten eingeschlagen hat. Die Einführung einer neuen Profilseite, der „Timeline“, hatte viele Nutzer verärgert. Zuletzt ersetzte das Unternehmen ohne vorherige Rückfrage die auf der Timeline eingetragenen E-Mailadressen durch die Facebook-eigene E-Mail, um Marktanteile im Kampf mit Google, Yahoo oder Microsoft im E-Mailbereich gewinnen.

Nach der aktuellen Erhebung des ASCI, des American Customer Satisfaction Index, ist Facebook mittlerweile auf der Zufriedenheitsskala von 0 bis 100 um acht Prozent auf 61 Punkte zurückgefallen und ist damit mit Abstand die am schlechtesten bewertete Internetfirma und nun unter den fünf der am geringsten eingeschätzten Unternehmen. Insgesamt folgt ACSI 230 US-Firmen.

Ausgerechnet der Erzrivale Google, der zum ersten Mal mit seinem sozialen Netzwerk Google+ in der Wertung erscheint, ist nun mit 78 Punkten die neue Nummer eins. Geschätzt würden vor allem die vollständige Werbefreiheit auf Google+ und das mobile Angebot. Google betreibt mit Android ein eigenes Smartphone-Betriebssystem und integriert Google+ immer stärker.

„Facebook und Google konkurrieren auf zwei Feldern: Kundenzufriedenheit und Marktanteile. Beim ersteren gewinnt klar Google, beim zweiten klar Facebook“, so Larry Freed, CEO von ForSee, einer an der Umfrage beteiligten Agentur. „Aber ich erwarte, dass Google mit seinen zahlreichen Diensten und seinem mobilen Auftritt schnell aufholen wird“, so Freed. "Wenn Facebook sich jetzt noch nicht um die Zufriedenheit seiner Kunden kümmert, könnte sich das aber bald ändern."

Google legt seine Quartalsergebnisse am Donnerstag vor, die Ergebnisse für Facebook werden am 26. Juli erwartet.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

18.07.2012, 09:15 Uhr

lol,
"Wenn Facebook sich jetzt noch nicht um die Zufriedenheit seiner Kunden kümmert, könnte sich das aber bald ändern."

FB überwacht Chats und Nachrichten
FB crawlt persönliche Daten, Fotos und Nachrichten um individuelle Werbung einzublenden
FB glänzt zeitweilig durch Datenlecks und Datenklau
FB lädt zum denunzieren ein
etc
Wer in sowas investiert, ist wirklich selber schuld.

Account gelöscht!

18.07.2012, 09:34 Uhr

Bei allem was Recht ist.
Ich kann mit keinem über Wertpapiere reden der Facebook in seinem Portfolio hat, das kann man ja nicht ernst nehmen.

Facebook ist eine Modeerscheinung und wird verblassen wie alle anderen auch...

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