Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.06.2015

13:49 Uhr

Soziales Netzwerk

Steht Instagram auf Nordkoreas schwarzer Liste?

Nutzer der Foto-App Instagram bekommen in Nordkorea auf ihren Handys neuerdings keine Fotos, sondern geheimnisvolle Warnungen zu sehen. Was steckt dahinter? – Ein Hackerangriff, die Regierung oder einfach ein Scherz?

Das Logo der Foto-Plattform Instagram. AFP

Nicht in Nordkorea

Das Logo der Foto-Plattform Instagram.

PjöngjangWer in diesen Tagen in Nordkorea mit seinem Smartphone fotografiert, sollte sich nicht auf Instagram verlassen. Die Bild- und Video-App ist über manche Mobiltelefone zwar noch zu erreichen, doch für viele Nutzer, die versuchen, Fotos zu posten, wird der Zugang unterbrochen. Stattdessen erscheint die Warnung, Instagram stehe wegen schädlicher Inhalte auf einer Schwarzen Liste. Die gleiche Warnung erscheint, wenn man auf seinem Laptop oder Bürocomputer Internetseiten aufruft, die auf Instagram verlinken.

Seit mindestens fünf Tagen läuft die Blockade, der Grund dafür scheint rätselhaft. Instagram hüllt sich auf Anfragen der Nachrichtenagentur AP in Schweigen. Technische Mitarbeiter bei Nordkoreas Mobilfunkbetreiber Koryolink versichern, sie wüssten nicht, dass die Foto-App auf irgendeiner Schwarzen Liste gelandet sei. Eine offizielle Information der Regierung gibt es auch nicht. Immerhin funktioniert der Dienst der Istagram-Mutter Facebook und auch Twitter und andere soziale Netzwerke sind zugänglich.

Unklar ist auch, wie viele Nutzer von der Sperre des Fotodienstes in Nordkorea betroffen sind, ob es sich um einen Hackerangriff handelt oder ob sie etwas mit dem Brand des Luxushotels Koryo in Pjöngjang zu tun hat. Die bei Touristen und Ausländern beliebte Nobelherberge hatte am 11. Juni gebrannt. Die streng zensierten Nachrichten Nordkoreas haben bis heute kein Wort darüber verloren, doch Fotos des Feuers gelangen trotzdem ins Ausland. Dort gab es zahlreiche Medienberichte.

Nordkoreas Verbündete

China

Die Volksrepublik ist mit Abstand Nordkoreas größter Exportpartner. Nicht in den Statistiken tauchen umfangreiche Nahrungsmittel- und Energiehilfen auf. Peking hat mehr Einfluss auf Pjöngjang als jeder andere Staat. Allerdings hat auch China Nordkoreas dritten Atomtest verurteilt und den jüngsten Sanktionen des UN-Sicherheitsrats zugestimmt - das zeigt die Verärgerung über den jungen Machthaber Kim Jong Un.

Als Gastgeber organisierte Peking mehrere Runden der Sechs-Parteien-Gespräche zwischen Nordkorea, China, den USA, Südkorea, Japan und Russland. Für ein Ende des Atomwaffenprogramms standen diplomatische Zugeständnisse und Wirtschaftshilfen in Aussicht. Doch Nordkorea ließ die Verhandlungen 2009 platzen und setzt bis heute allein auf Konfrontation.

Iran

Nordkorea ist seit Jahren ein wichtiger Waffenlieferant für Teheran. Nach Angaben der Vereinten Nationen exportierte Pjöngjang auch für Atom-Sprengköpfe geeignete Raketen in den Iran. 2012 vereinbarten das Mullah-Regime und die kommunistische Diktatur eine noch engere Zusammenarbeit. Zu diesem Zweck unterzeichneten Vertreter beider Länder mehrere Kooperationsabkommen im Technologiebereich. Konkret geht es um Energie, Umwelt, Landwirtschaft und Lebensmittel, eine engere Zusammenarbeit bei der Forschung sowie um Austauschprogramme für Studenten.

Russland

Pjöngjang steht in Moskau noch aus sowjetischer Zeit mit rund elf Milliarden US-Dollar in der Kreide. Das Verhältnis der einst engen Verbündeten hat sich in den vergangenen Jahren deutlich abgekühlt. Noch im Sommer 2011 wollten der damalige Kremlchef Dmitri Medwedew und der bereits von Krankheit geschwächte nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il neuen Schwung in die Beziehungen bringen. Sie kündeten zahlreiche gemeinsame Projekte an, doch blieb es meist bei Absichtserklärungen. So scheiterte auch der Bau einer Pipeline, die russisches Erdgas über nordkoreanisches Gebiet nach Südkorea transportieren sollte.

Kuba

Nordkorea und Kuba kooperieren unter anderem in den Bereichen Energie, Landwirtschaft und Biotechnologie. Seit 1960 gibt es diplomatische Beziehungen zwischen Havanna und Pjöngjang. Auf den Tod des „Genossen Kim Jong Il“ im Dezember 2011 reagierte Kubas Regierung mit einer dreitägigen Staatstrauer.

Für nahezu alle Bewohner des kommunistisch regierten Landes sind Internet oder soziale Medien tabu - der Zugang ist gesperrt. Zwar besitzen schätzungsweise zwei Millionen der rund 25 Millionen Nordkoreaner ein Mobiltelefon - allerdings nur zum Telefonieren. Ins Internet kommen sie damit nicht. Ausländern dagegen hat die Führung des Landes 2013 erlaubt, auf ihren Geräten den 3G-Mobilfunkstandard zu nutzen. Sie müssen dazu nur eine SIM-Karte von Koryolink kaufen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×