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27.07.2017

14:24 Uhr

Soziales Netzwerk

Twitter stürzt ab

VonJohannes Steger

Drei Monate lang herrschte Hoffnung bei Twitter: Die Zahl der Nutzer stieg, die lange gebeutelte Aktie erholte sich, und Präsident Trump brachte dem Dienst enorme Aufmerksamkeit. Doch nun folgt der erneute Nackenschlag.

Unter dem Druck wachsender Konkurrenz durch Facebook rutscht das Unternehmen immer tiefer in die roten Zahlen. AP

Twitter

Unter dem Druck wachsender Konkurrenz durch Facebook rutscht das Unternehmen immer tiefer in die roten Zahlen.

DüsseldorfUS-Präsident Donald Trump war für viele Amerikaner ein Hoffnungsträger: Einer, der im Washingtoner Establishment einmal kräftig aufräumen würde. Einer, der Amerika wieder groß machen kann. Sein Nutzerverhalten der sozialen Netzwerke dürfte hingegen einem Unternehmen Hoffnung gemacht haben: Twitter. Denn wenn immer der Präsident der Weltmacht etwas zu sagen hat, tut er das mit Vorliebe über den Kurznachrichtendienst. Und für den schien Trump, ungeachtet des Inhalts der präsidialen Ergüsse, ein Segen. Denn wen der Präsident twittert, klickt die Welt auf Retweet.

Lange Zeit war Twitter vor allem eins: das Sorgenkind unter den Technologiekonzernen. Obwohl das Unternehmen Verluste schrieb, startete Twitter im November 2013 hoffnungsvoll an der Börse . Lag der Ausgabepreis damals noch bei 26 Dollar, kletterte der Kurs am ersten Tag an der Wall Street zunächst um 80 Prozent, dann sogar um 93 Prozent auf rund 50 Dollar nach oben. Anfang 2014 erreichte das Papier sogar einen Höchststand von über 64 Dollar. Danach ging es bergab – bis auf ein Tief von unter fünfzehn Dollar.

Starker Kursanstieg nach Quartalszahlen: Facebook wird das eigene Wachstum unheimlich

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Die Aktien von Facebook sind am Mittwoch gestiegen, die von Google und Snap gaben hingegen nach. Das hat bestimmte Gründe: Der Riese aus Menlo Park wächst weit stärker als erwartet. Vor allem auf Kosten von Snap.

Davon hat sich der Konzern bisher nicht erholt, obwohl es zwischenzeitlich schon wieder einmal in Richtung Ausgabepreis ging. Denn die Verluste sind immer noch da. Gegen Konkurrenten wie Facebook und Instagram sehen Twitters Nutzerzahlen klein aus und dann kam auch noch Snapchat als das neue Ding in der Welt der sozialen Netzwerke.

Nun ist eine weitere Hoffnung geplatzt. Das Nutzerwachstum ist im zweiten Quartal wieder deutlich abgeflaut – das kam an der Börse überhaupt nicht gut an. Verglichen mit dem Vorquartal stagnierte die Zahl der monatlich aktiven Nutzer bei 328 Millionen, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Analysten hatten nach einem starken ersten Vierteljahr mit einem weiteren deutlichen Zuwachs gerechnet. Ein Trump-Effekt sieht anders aus.

Die Twitter-Gründer

Drei plus eins

In der offiziellen Geschichtsschreibung von Twitter spielen drei Gründer die Hauptrolle. Es gibt aber noch einen, der sich aus dem Kreis zu Unrecht ausgeschlossen fühlt. Die vier Köpfe im Kurzporträt.

Jack Dorsey

Der erste Chef der Firma gilt als Twitter-Erfinder. Doch er war 2007 laut Erinnerungen von Weggefährten dem Job nicht gewachsen. Für böses Blut soll etwa gesorgt haben, dass er sich am frühen Nachmittag zu Yoga-Kursen oder Zeichen-Stunden aufmachte. Dorsey, der sich auch schon als Masseur versucht hatte, verlor den Job, verließ Twitter und gründete den Mobil-Bezahldienst Square. Dort reifte er als Manager, so dass er seit 2015 mit Twitter und Square zwei börsennotierte Unternehmen gleichzeitig führen darf.

Evan Williams

Williams war schon vor Twitter ein bekannter Internet-Unternehmer. Er stand hinter der Blog-Plattform Blogger, die 2003 von Google gekauft wurde. Das die Begriffe „Blog“ und „Blogger“ populär wurden, ist auch Williams zu verdanken. Danach gründete er gemeinsam mit Biz Stone die Podcasting-Firma Odeo. Weil die Idee mit den Podcasts nicht so recht zünden wollte, gab es auch ein kleines Nebenprojekt - Twitter. Dorsey wurde erster Chef, im Oktober 2008 wurde er aber im Chefsessel durch Williams ersetzt. Zwei Jahre später ging der CEO-Posten an Dick Costolo weiter. Williams verließ Twitter, auch wenn er einer der größten Aktionäre blieb. 2012 gründete Williams die Medienplattform Medium, auf der jeder Artikel veröffentlichen kann.

Biz Stone

Stone (42) arbeitete für Google, bevor sich auf das Podcasting-Projekt mit Williams einließ, aus dem schließlich Twitter hervorging. Im Gegensatz zu seinen Mitgründern hatte Stone keine Ambitionen auf den Chefposten. Aber er versuchte sich als Wagniskapitalist und investierte unter anderem in Dorseys Bezahldienst Square, den Anbieter vernetzter Thermostate Nest und den Uber-Konkurrenten Lyft. 2012 gründete er eine neue eigene Firma Jelly - eine Plattform, bei der Nutzer alle möglichen Fragen stellen und beantworten können.

Noah Glass

Glass verkündet in seinem Twitter-Profil immer noch schlicht „I started this“ - „ich habe das in Gang gesetzt“. In einem Interview mit dem Blog „Business Insider“ erzählte Glass, er sei als einer der Odeo-Mitgründer von Anfang an auch maßgeblich bei Twitter involviert gewesen - und habe auch den ursprünglichen Namen „Twttr“ vorgeschlagen. Ihm sei auch die Leitung des Projekts in der Anfangszeit übertragen worden. Aber auch Glass bestreitet nicht, dass die Grundidee für Twitter von Dorsey kam.

Dabei waren die vergangenen Jahre bereits hart für Twitter: 2016 hatte es sogar Spekulationen über einen Verkauf gegeben. Ein potenzieller Interessent nach dem anderen, von Salesforce über Google bis Disney, sprang aber ab. Im Oktober vergangenen Jahres teilte Twitter mit etwa neun Prozent der weltweiten Belegschaft zu entlassen.

„Wir haben einen klaren Plan und wir nehmen die nötigen Veränderungen vor, um sicherzustellen, dass Twitter für langfristiges Wachstum aufgestellt ist“, versprach Gründer und Unternehmenschef Jack Dorsey damals und hielt an dem Ziel fest 2017 endlich profitabel zu werden. Die ersten Quartalszahlen für das laufende Jahr versprachen Hoffnung: Die Zahl der aktiven Nutzer war um 14 Prozent gestiegen, mehr als Analysten zu hoffen gewagt hatten.

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