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04.01.2007

08:34 Uhr

Sparmaßnahme

Netzbetreiber geben ihre Mobilfunknetze ab

VonSandra Louven

Noch vor wenigen Jahren war es undenkbar, dass Mobilfunker das Kernelement ihres Geschäfts außer Haus geben. Doch der zunehmende Wettbewerb in der Mobilfunkbranche zwingt die Anbieter, zu sparen. Dabei entsteht ein Trend, der auf den ersten Blick bizarr wirkt: Die Netzbetreiber prüfen ein Outsourcing ihrer Netze.

DÜSSELDORF. Auch heute äußern sich die meisten Betreibern bei dem Thema offiziell noch sehr zurückhaltend. Hinter den Kulissen aber wird nach Angaben aus Branchenkreisen bereits eifrig gerechnet: Zehn bis 25 Prozent können Mobilfunker sparen, wenn sie den Betrieb ihrer Netze anderen überlassen. Das zumindest versprechen die Ausrüster wie Ericsson und Nokia, die das Geschäft gerne übernehmen würden.

„Das Outsourcing des Netzbetriebs ist derzeit ein ganz großes Thema in der Branche“, sagt Roman Friedrich von der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton. Der einfache Grund: Wollen die Netzbetreiber wie Vodafone und T-Mobile ihre Traummargen von über 40 Prozent behalten, müssen sie bei stetig fallenden Minutenpreisen die Kosten kappen.

E-Plus, das Enfant Terrible der deutschen Mobilfunkszene, hat den Schritt bereits gewagt: Der nach Kunden drittgrößte deutsche Netzbetreiber will noch im ersten Quartal einen Partner für seinen Netzbetrieb auswählen. Derzeit verhandelt die Tochter des niederländischen Telekomkonzerns KPN eigenen Angaben zufolge noch mit Ericsson, Nokia und Alcatel-Lucent.

„Wir werden in den kommenden zwölf Monaten noch mehr solcher Deals in Deutschland sehen“, heißt es in gut informierten Branchenkreisen. Die Verhandlungen zögen sich allerdings oft lange hin, da die Betreiber sich sehr schwer täten, diesen zentralen Bestandteil ihres Geschäfts in fremde Hände zu legen. E-Plus macht den drei anderen Netzbetreibern heute schon mit Billigmarken wie Simyo und Base das Leben schwer. Wenn der kleine Angreifer seine Kosten durch ein Netz-Outsourcing weiter senkt, übt das nach Ansicht der Experten Druck auf die anderen Anbieter aus, ebenfalls an der Kostenschraube zu drehen.

„Die Ersparnis ist aber nicht das alleinige Argument für das Outsourcing“, sagt Erik Oldmark vom schwedischen Netzwerkausrüster Ericsson. Branchenangaben zufolge macht der Netzbetrieb 12 bis 15 Prozent der Kosten aus, die die Netzbetreiber haben.„Wenn die Unternehmen den Netzbetrieb abgeben, können sie ihre ganze Management-Kraft auf die Kundenakquise und neue Dienste konzentrieren“, wirbt Oldmark.

Für die Ausrüster ist das Geschäft mit dem Netzbetrieb, im Fachjargon Managed Services genannt, ein großer Wachstumsmarkt. Auch der finnische Handy-Hersteller Nokia setzt künftig verstärkt auf das Netz-Business. Anfang 2005 hat Nokia deshalb eine eigene Geschäftseinheit „Service“ gegründet. „Wir sind derzeit mit einer Reihe von Netzbetreibern im Gespräch“, sagt Michael Hofmann von Nokia.

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