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05.11.2012

12:38 Uhr

Sparmodell

Warum Apple so wenig Steuern zahlt

VonChristof Kerkmann

Apple macht Milliardengewinne und zahlt trotzdem im Ausland kaum Steuern. Damit ist der iPhone-Hersteller nicht allein, viele internationale Konzerne drücken ganz legal ihre Abgabenlast. Dagegen formiert sich Widerstand.

Der iPhone-Hersteller Apple ist hoch profitabel, kommt im Ausland aber trotzdem um hohe Steuern herum. Reuters

Der iPhone-Hersteller Apple ist hoch profitabel, kommt im Ausland aber trotzdem um hohe Steuern herum.

DüsseldorfTrotz sprudelnder Gewinne zahlt Apple im Ausland kaum Steuern. Auf den außerhalb der USA verbuchten Überschuss von 36,8 Milliarden Dollar (28,4 Milliarden Euro) wurden nur 1,9 Prozent Steuern fällig. Das geht aus Unterlagen hervor, die der iPhone-Hersteller Ende Oktober bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht hat. Der Fall dürfte die Debatte über die Steuerspar-Praxis internationaler Konzerne weiter befeuern, vor allem in Großbritannien. Dort war kürzlich erst Starbucks wegen niedriger Steuerzahlungen massiv in die Kritik geraten.

Apple schlüsselt nicht auf, wie viel Steuern in welchem Land fällig werden, im SEC-Bericht nennt der Konzern lediglich die Gesamtsumme (S.61). Eine Anfrage von Handelsblatt Online, wie viel davon der deutsche Fiskus bekommen hat, ließ das Unternehmen zunächst unbeantwortet. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erhielten die Steuerbehörden 713 Millionen Dollar (551 Millionen Euro). Auch 2011 zahlte der iPhone-Hersteller nicht viel: Von 24 Milliarden Dollar Gewinn im Ausland gingen nur 602 Millionen Dollar an die Steuerbehörden – das entspricht einem Satz von 2,5 Prozent.

Das Unternehmen insgesamt liegt bei einer Rate von rund 25 Prozent. Für das jüngste Geschäftsjahr stellte Apple insgesamt gut 14 Milliarden US-Dollar für Steuerzahlungen zurück. Auf die Gewinne, die im Ausland lagern, würden erst bei der Überweisung in die USA hohe Steuern fällig. Auch andere US-Unternehmen weisen in ihren Bilanzen seit Jahren niedrige Steuern im Ausland aus.

Die wichtigsten Akteure bei Apple

Tim Cook

Apple-Gründer Steve Jobs holte den Computermanager Tim Cook 1998 zu Apple und vertraute ihm die Führung des operativen Geschäfts an. Der Südstaatler mit der weichen Stimme ordnete die Produktions- und Vertriebskette radikal neu und machte Apple zu einer effizienten Geldmaschine, die Jobs’ kühne Visionen umsetzen kann. Im August 2011 übernahm der heute 51-jährige Cook permanent die Konzernführung. Er setzte eigene Akzente: Apple ist merklich offener in der Kommunikation geworden, auch was die Arbeitsbedingungen bei seinen chinesischen Zulieferern angeht. Ein revolutionäres Produkt wie das iPhone hat er bislang aber nicht vorstellen können.

Jony Ive

Der britische Designer Jonathan „Jony“ Ive stieß schon Anfang der 90er-Jahre zu Apple. Doch erst als Jobs 1997 wieder die Führung übernahm, blühte Ive voll auf. Seine Abteilung bekam größere Räume in einem Hochsicherheitstrakt des Hauptquartiers und die Lizenz zum Experimentieren. Aus Ives Labor stammen Innovationen wie die aktuellen Notebooks aus einem Stück Aluminium sowie das schlichte Design von iPhone, iPad und Mac. Viele Beobachter sehen am ehesten Ive als Jobs-Nachfolger, was die Zukunftsvisionen angeht. In seiner aktuellen Rolle als Verantwortlicher für das Design von Geräten wie auch der Software kommt er dieser Führungsrolle nahe.

Eddy Cue

Der Manager ist „Feuerwehrmann“ für brenzlige Angelegenheiten. Der Chef der iTunes-Plattform musste bereits den schlecht gestarteten Speicherdienst MobileMe retten – und machte die funktionierende iCloud daraus. Er soll auch die misslungenen Apple-Karten fit machen und den oft kritisierten persönlichen Assistenten Siri verbessern. Schon 2011 bekam Cue die Führung des gesamten Bereichs Internet-Software und Dienste übertragen. Damit ist er Chef über den iTunes Store, den App Store und den Büchershop iBooks. Mit dem Online-Speicher iCloud zeichnet er für einen Schlüsselbereich für die Zukunft von Apple verantwortlich.

Phil Schiller

Der „Senior Vice President“ für Marketing übernimmt stets die Präsentation der neuen Geräte – vom iPhone 5 bis zum iPad mini. Alle neuen erfolgreichen Produkte von Apple sind unter Schillers Regie vermarktet worden. Firmenchef Tim Cook tritt bei Produktvorstellungen meist in den Hintergrund und überlässt die Präsentation Schiller.

Der Konzern aus Kalifornien ist mit seiner niedrigen Abgaben nicht allein. Einer Analyse des „Guardian“ zufolge zahlten die US-Unternehmen Amazon, Facebook, Google und Starbucks in Großbritannien innerhalb von vier Jahren nur 30 Millionen Pfund Steuern – und das bei einem Umsatz von 3,1 Milliarden Pfund.

Dabei verstoßen die Konzerne nicht gegen das Gesetz, sondern nutzen legale Schlupflöcher aus. „Sie profitieren von den unterschiedlichen Niveaus der Steuersätze in verschiedenen Ländern und von der Mobilität der Einkünfte“, erklärte Prof. Wolfgang Schön vom Max-Planck-Institut für Steuerrecht und öffentliche Finanzen in München auf Anfrage von Handelsblatt Online. „Das ist vor allem möglich, wenn die Werttreiber immaterieller Art sind“, erläutert der Experte für internationale Unternehmensbesteuerung – etwa bei Patenten und Markenrechten.

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Grund sind lächerlich geringe Steuerzahlungen, die nicht zum Milliardenumsatz passen.

Gerade innerhalb der EU erlauben die unterschiedlichen Steuergesetze eine komplexe Verlagerung von Gewinnen. Ein Beispiel: Die Konzerne übertragen die Markenrechte an eine Tochterfirma, die in einem Land mit niedrigem Körpersteuersatz angesiedelt ist, etwa Irland. Die Landesgesellschaften entrichten für die Nutzung Entgelte. Diese müssten angemessen sein, betont Schön: „Der Satz wird von den Finanzverwaltungen überprüft.“ Hier profitieren Apple, Starbucks und Co jedoch von ihrem bekannten Namen.

Schwierig sei allerdings, die im Ausland geparkten Gewinne ins Heimatland zurückzuverlagern, sagte Schön – dabei würden wiederum Steuern fällig.

In Großbritannien ist bereits eine Debatte über diese Steuersparpraxis entbrannt. Zwei Parlamentsausschüsse wollen den Fall Starbucks zum Anlass nehmen, um die Sparmodelle internationaler Konzerne zu überprüfen. Bürgerinitiativen wie UK Uncut fordern eine Änderung der Steuergesetze – die Konzerne müssten stärker belastet und im Gegenzug die strikte Sparpolitik beendet werden. Der Fall Apple dürfte die Regierung Cameron weiter unter Druck setzen. In den USA seien Steueroasen sogar noch ein viel größeres Thema als in Europa, hat Steuerexperte Schön beobachtet.

Kommentare (8)

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Brasil

05.11.2012, 13:10 Uhr

Dafuer ist Apple Systemkonform und ruestet seine Geraete so aus, dass sie ferngesteuert werden koennen, ohne dass der benutzer das merkt und die sind auch noch stolz darauf und lassen das patentieren!
Wieso kann man bei Apple wohl keine batterie aus dem geraet nehmen? Weil es besser ist fuer den Anwender?

Account gelöscht!

05.11.2012, 13:43 Uhr

Ein Skandal. So ist das uach mit anderen Multis.
Das Finanzamt schläft hier? Oder der Finanzminister?

Account gelöscht!

05.11.2012, 14:11 Uhr

Schlecht erklärt, wie das Prinzip genau funktioniert.

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